Rafael Schneuwly
Sie war eine monumentale Bruder-Klaus-Präsentation, die Ausstellung «Fermata», die 2017 im Gedenkjahr «600 Jahre Niklaus von Flüe» 155 Kunstschaffende in der Turbine Giswil vereinte. Der Obwaldner Adrian Hossli hatte sich den Namen ausgedacht, der «Haltestelle», «Innehalten» oder «Standortbestimmung» bedeuten kann. Die Ausstellung war eine von 200 Mitmachinitiativen, die im Gedenkjahr von interessierten Gruppen oder Einzelpersonen angeregt und realisiert wurden.
Einer der Künstler war Michaël Lucerne, der in Frankreich geboren wurde und Wurzeln in der Zentralschweiz hat. Es war für ihn klar, dass er in Giswil dabei sein wollte, denn seit seiner Kindheit sah er auf dem Nachttisch seiner Mutter ein kleines Bild der Statue von Bruder Klaus aus dem Jahr 1504, die im Rathaus Stans steht. Der hagere Heilige hatte auf den Künstler immer eine grosse Faszination ausgeübt.
Tribut an die Turbine in Giswil
Auf dem Weg zum Ausstellungsobjekt entstand zuerst ein Bozzetto, eine erste skizzenhafte Darstellung des Eremiten, die Lucerne mit wenigen Kohlestift-Strichen festhielt. Diese Annäherung ans Thema gefiel dem Künstler so gut, dass er den Hintergrund der 50×40 cm grossen Zeichnung auf Büttenpapier mit echtem Blattgold abdeckte und die Skizze einrahmte.
Als der Künstler zum ersten Mal die Turbine in Giswil betrat, wurde ihm klar, dass das riesige Gebäude ein grossformatiges Gemälde erforderte. So machte er sich daran, den Bozzetto vergrössert umzusetzen, und zwar in den Ausmassen von 2×1,25 m. Es entstanden zwei gleich grosse Bilder auf Leinwand: eines in den Farben Schwarz und Rot auf goldenem Grund, das andere in dunklen Grau- und Schwarztönen, ebenfalls auf einem goldenen Hintergrund. Das farbige Bild versinnbildlicht den ersten Zeitabschnitt, als Niklaus von Flüe mit beiden Beinen im Leben stand; die dunkle Kopie verweist auf die nachfolgende Askese in der Melchaaschlucht.
Stilistisch arbeitete der Maler mit einfachen, kräftigen Strichen und benützte Ölstifte. Auch der gelb gefärbte Hintergrund enthält drei verschiedene Ölfarben. Im Gegensatz zum Bozzetto ist der Kopf von Bruder Klaus mit einem Heiligenschein umgeben, der an das berühmte Radmotiv erinnert. Bedingt durch die Raumsituation in der Turbine präsentierte Michaël Lucerne sein fertiges Werk zwischen zwei hohen Fenstern: Der farbige obere Teil befand sich in einer normalen Position, das dunkle Bild darunter war mit dem Kopf nach unten aufgehängt. Auf diese Weise erinnerte das Kunstwerk mit dem Titel «Umkehr» sinnbildlich an den Entschluss von Bruder Klaus, in Liestal nach einer Vision umzukehren und die Rückkehr nach Obwalden anzutreten.
Schenkung an die Bruder-Klausen-Stiftung
Nun, fünf Jahre später, befinden sich die beiden Bilder seit einigen Tagen in der Geschäftsstelle des «Fördervereins Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss» in Sachseln, denn Michaël Lucerne machte das Kunstwerk dem Förderverein und der Bruder-Klausen-Stiftung zum Geschenk. In Sachseln hängen die zwei Bilder nicht wie in Giswil übereinander, sondern klassisch nebeneinander. In einer kurzen, aber gediegenen Feier wandten sich alt Regierungsrat Franz Enderli, der Präsident des Fördervereins, und Pfarrer Daniel Durrer, der Präsident der Stiftung, an die Anwesenden und verdankten die Schenkung. Und am Schluss wurde die Hoffnung geäussert, Bruder Klaus könnte im Ukrainekrieg von neuem als Friedensstifter wirken.

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