Obwalden

Zum Trost gibts für Beizer den Haarschnitt zum halben Preis

Die Restaurants mussten wieder schliessen. Die Coiffeure dürfen geöffnet bleiben. Das veranlasste den Obwaldner Coiffeur Guido Fanger und seine Tochter Jil zu einer Solidaritätsaktion – wie dies auch andere Betriebe tun.
Jil Fanger von Jil`s frisiert Sarah Schindler von Sinnvoll Gastro.
(Nadia Schärli (Luzern, 26. Januar 2021))
Coiffeur Guido Fanger.
(Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. Januar 2021))
Jil Fanger und Sarah Schindler.
(Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. Januar 2021))

Matthias Piazza

Nur den halben Preis zahlt Sarah Schindler, die sich bei Jil's Hair in Luzern gerade die Haare schneiden liess. Diesen grossen Preisnachlass gewährt Guido Fanger, der mit seiner Tochter Jil auch noch Coiffeurgeschäfte in Sarnen und Alpnach betreibt, aber nur einer ausgewählten Kundschaft. Gastronomen und ihre Mitarbeiter, die in Obwalden oder in der Stadt Luzern arbeiten, kommen bis Ende Februar zu diesem besonders günstigen Haarschnitt.

Für Guido Fanger und seine Tochter ist dies ein Akt der Solidarität. «Wir wissen vom ersten Lockdown, wie hart es ist, wenn man sein Geschäft für mehrere Wochen schliessen muss. Als sich ein zweiter Lockdown anbahnte, rechneten wir fest damit, dass auch wir unsere Geschäfte wieder schliessen müssen», erinnert sich Guido Fanger an den vergangenen Dezember zurück. «Die Ungewissheit, ob es uns wieder trifft oder nicht, machte uns zu schaffen.» Umso grösser war die Erleichterung, als klar wurde, dass die Coiffeure diesmal vom Lockdown verschont bleiben.

Doch einfach zur Tagesordnung übergehen wollten sie nicht. «Wir wollten uns gegenüber der Gastronomiebranche solidarisch zeigen, die nun wieder Einnahmeausfälle erleidet. Sie muss spüren, dass wir an sie denken.» Bei seiner Aktion schwinge auch Dankbarkeit mit für die Solidarität unter den Gewerbetreibenden, die Fanger auch selber schon am eigenen Leib habe erfahren dürfen. «Beim Hochwasser 2005 verpflegte uns der Metzger, der vor seinem Geschäft in Sarnen einen Grill betrieb», erinnert er sich zurück.

Gastronomiebranche zeigt sich dankbar

Kundin Sarah Schindler, sie ist Leiterin Region Luzern der Sinnvoll-Gastro, zu der unter anderem auch das Restaurant & Hotel Kaiserstuhl in Lungern, das «Grottino 1313» und das «Gartehaus» in Luzern gehören, spricht von einer schönen Geste. «Dieser Akt der Solidarität ist nicht selbstverständlich.» Viele Mitarbeitenden in der Gastronomie seien in Kurzarbeit und müssten darum Lohneinbussen in Kauf nehmen. «Da sind sie umso dankbarer, wenn sie für den Coiffeurbesuch nur die Hälfte bezahlen müssen.»

Diese Dankbarkeit spürt auch Guido Fanger: «Die Gastro-Mitarbeiter fragten mich ungläubig, ob sie wirklich 50 Prozent Rabatt bekämen.» Die Solidaritätsaktion stiess auf reges Interesse. «Das Telefon klingelt fleissig.»

Es ist bereits die zweite Solidaritätsaktion von Guido Fanger und seiner Tochter: Während der vergangenen Sommerferien vom 7. Juli bis 15. August offerierten sie in all ihren Filialen Kindern bis 15 Jahre kostenloses Haareschneiden. Dies, weil die Kinder viele Entbehrungen während der Coronapandemie zu verkraften gehabt hätten.

Ähnliche Solidaritätsaktionen wie Guido Fanger und seine Tochter Jil haben in der Zentralschweiz auch andere Coiffeur-Betriebe lanciert.

Kommentare (0)