Leserbriefe

Zuger Leserinnen und Lesern äussern sich zu aktuellen Themen

Zur Gegenwart und Zukunft des Kunsthauses Zug

Die Generalversammlung der Zuger Kunstgesellschaft vom 10. Juni begann mit einer amüsanten Seifenoper von Erwachsenen in schlechtem Benehmen und schloss mit der grossväterlichen Gelassenheit des neuen Präsidenten Peter Frigo versöhnlich. Mit Freude entnehme ich der Presse, dass der neu gebildete Vorstand sich konstituiert hat. Er ist nicht technokratisch, wie ich es forderte, scheint aber die offenen Fragen Stück für Stück sachgerecht anzugehen. Auch die Trennung der Kompetenzen in zwei Bereiche – geschäftliche beziehungsweise finanzielle Führung und Leitung des künstlerischen Bereichs – würde ich sehr begrüssen. Das Lassalle-Haus als Dependance des Kunsthauses ist eine interessante Idee, eröffnen sich so doch neue Möglichkeiten. Vorgängig müssen die Fragen zum Raumplanungsgesetz und zu den gesammelten öffentlichen und privaten finanziellen Beiträgen zur Gesamtsanierung der Gebäudeanlage geklärt werden. Zudem weise ich darauf hin, dass die primäre Ausstellung des Kunsthauses in der Stadt Zug liegen sollte. Wie vor einem Jahr vorgeschlagen, sollte eine moderne Ausstellungskonzeption in den unteren Stockwerken im neuen Hochhaus der Stadt Zug am zukünftigen Theilerplatz nochmals und ernsthaft weiterverfolgt werden. Denn die Stadt Zug hat ein Defizit: übervolle Badeanlagen und eine stark frequentierte Rössliwiese, aber im rückwärtigen Stadtraum gähnende Leere, die auf eine ausgeglichene Belebung wartet.

Patrick Röösli, Kantonsrat Mitte, Zug

Zur Diskussion über neue Atomkraftwerke

Es ist eine Zwängerei der Herren Imark und Rösti und der beiden Räte: Trotz der damaligen ablehnenden Volksabstimmung sollen nun doch ein bis zwei Atomkraftwerke neu gebaut werden. Fakt ist: Das wird nicht von Befürwortern gesponsert. Die 25 beziehungsweise 50 Milliarden Franken müssen mit Steuern und höheren Stromrechnungen bezahlt werden. Kernkraftwerke machen die Schweiz im Kriegsfall erpressbar, und bei einem Unfall (GAU) drohen katastrophale Folgen im ganzen Land. Das wertvolle Nass verdampft schon jetzt täglich, und Fische sterben im zu warmen Wasser. Was geschieht mit dem bisherigen Atommüll? Dafür gibt es immer noch keine endgültige Lösung. Neu wäre die unendliche Strahlkraft wesentlich höher, und deren Entsorgung im Ausland wäre noch teurer. Selbst ETH-Experten halten die Wirtschaftlichkeit für unrentabel. Jeder Franken eines Neubaus fehlte beim Ausbau der bewährten einheimischen Energie aus Sonne, Wind und Wasser. Auch bei der dringend nötigen Militärverstärkung fehlen Gelder. Im Krisenfall garantieren die Erneuerbaren unsere Selbstbestimmung. Wieso wird deren Ausbau so gebremst? Davon hätten wir doch schon länger profitieren können. Hat es einen Sinn, wenn wir noch abstimmen gehen und später Stände- und Nationalrat diesen Volksentscheid für ungültig erklären? Wir müssen aufpassen, dass wir nicht (wie zu Beginn unserer Republik) in eine einseitige politische Struktur abdriften. Die negativen Auswirkungen sollten wir unseren Nachkommen ersparen.

Alice Gaudenz, Baar

Zur Situation des Hirschenhofs auf dem Walchwilerberg

Mit grossem Interesse habe ich die Berichterstattung über den Hirschenhof im Kanton Zug verfolgt. Ich möchte nicht über Gesetze oder Bauvorschriften schreiben. Ich möchte erzählen, was dieser Ort für einen Menschen bedeuten kann. Ich bin 36 Jahre alt und habe einen Migrationshintergrund aus der Türkei. Meine Eltern hatten wenig Geld, und ich wuchs in einer Grossüberbauung in Jona auf. Lärm, Enge und viele Eindrücke überforderten mich. Ich zog mich immer mehr in meine eigene Welt zurück. Daraus entwickelten sich eine Angststörung und ein Tic, der mich bis heute begleitet. Unter Stress zieht mein Kopf unkontrolliert nach hinten. Das ist belastend und auch schmerzhaft. In der Schule wurde ich wegen meines Tics verspottet. Diese Erfahrungen haben meine Ängste tief geprägt. Später bekam ich einen Hund, der mein engster Begleiter wurde. Er gibt mir Halt wie nichts anderes. Gleichzeitig begleitet mich ständig die Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Eine Freundin, die auf dem Hirschenhof geboren wurde, zeigte mir diesen Ort. Ich erwartete, dass meine Ängste und meine Tics wie so oft stärker werden würden. Stattdessen geschah etwas, womit ich nie gerechnet hätte: Zum ersten Mal fühlte ich mich sicher. Die Natur, die Tiere und die besondere Atmosphäre gaben mir Ruhe. Meine Tics wurden deutlich schwächer. Zum ersten Mal konnte ich meinen Hund frei laufenlassen, ohne dass mich meine Angst beherrschte. Dieser Moment hat mich tief berührt. Meine Mutter sagt heute: «Wenn du auf den Hof gehst, geht es dir gut.» Auch Freunde sehen, dass ich entspannter bin. Für manche ist der Hirschenhof nur ein Bauernhof. Für mich ist er ein Ort der Heilung, der Hoffnung und der Menschlichkeit. Viola und Marco haben mit viel Herz einen Ort geschaffen, an dem Menschen einfach willkommen sind. Natürlich braucht es Gesetze. Aber manchmal sollte man auch sehen, was hinter einem Ort steckt. Denn es geht um weit mehr. Für manche Menschen ist dieser Hof ein Platz, an dem sie wieder Halt und Hoffnung gefunden haben. Mein ganzes Leben habe ich nach einem Ort gesucht, an dem ich nicht flüchten muss, sondern einfach sein darf. Auf dem Hirschenhof habe ich ihn gefunden.

Burak Yilmaz, Jona

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