Zwischen Rot- Reh- und Gamswild , ausgestopften Füchsen, und präparierten Luchsen und Wölfen tummeln sich kleine Kinderhände und grosse Frauen- und Männerhände. Sie zeigen auf Geweihe, suchen mit der Lesebrille die feinen Schriften auf weissen Zetteln, worauf steht wer das Wild geschossen hat. Die Dossenhalle in Kerns summt. Menschen flanieren von Stand zu Stand, verweilen, staunen, tuscheln. Nach zwei Jahren findet die kantonale Trophäenschau statt.
Die Szenerie ist eine Mischung aus Brauchtum, Volksfest und Naturkunde. Draussen beim Eingang gibt es eine Sonderschau. «Im und umä Wald» heisst diese und sie soll vor Augen führen, was der Wald alles kann – Heimat, Schutzraum und Lebensspender. Aber nicht nur. Es wird auch aufgezeigt, wie der Lebensraum Wald aus dem Gleichgewicht geraten kann, wenn die Jagd ausbleibt. Zu viel Rehwild schädigt die Verjüngung und unterdrückt beispielsweise die Artenvielfalt. Plakate zeigen: Ein stabiler, nachhaltig bewirtschafteter Wald ist ein fein austariertes System – mit Holz, mit Wild, mit Jagd.
Ein Stand des Kantons zeigt präparierte Luchse und Wölfe. Das Raubwild – für manche ein Feindbild, für andere ein Zeichen der Rückkehr zur natürlichen Ordnung. Das Plakat daneben informiert über ihr Verhalten, ihre Rolle im Ökosystem.
Eine Frau erklärt geduldig, was den Wald ausmacht. Daneben steht ein Waldmobil, wo Gross und Klein sich erkundigen können. Kinder basteln aus Ton Tierspuren und spielen im «Gumpischloss». Zwischen Informations- und Imbisständen sägt Lukas Senn eindrückliche Holzskulpturen, die später versteigert werden. Zuschauende stehen vor der Absperrung und beobachten erstaunlich sein Können, während sie mit ihrem Handy filmen.
Grosse Wand mit Trophäen beeindruckt
In der Halle dann das Highlight. Die Wand mit den Trophäen – fein säuberlich beschriftet mit Name des Jägers oder der Jägerin, dem Ort, der Uhrzeit des Schusses, Gewicht und Datum. An der oberen Stelle hängen die Köpfe des Rotwilds mit den grossen Geweihen, unten sind die Köpfe des Reh- und Gamswilds zu erkennen. Letztere sind in Gemeinden zugeteilt. Dass Kerns dabei klar dominiert, erstaunt nicht – die Gemeinde ist flächenmässig die grösste im Zählkreis Obwalden.
«In den letzten zwei Jahren wurden auf der Obwaldner Jagd rund 500 Stück Rotwild, rund 300 Gamswild, 800 Stück Rehwild und 12 Stück Steinwild erlegt», erklärt Giusi Windlin, Vizepräsident der Obwaldner Trophäenschau 2025. «Gemäss Ausführungsbestimmung über die Jagdausübung des Kantons Obwalden sind Jägerinnen und Jäger verpflichtet, sämtliche Trophäen von Rot-, Gams-, Reh- und Steinwild in sauberem Zustande aufzubewahren und an der Gemeindetrophäenschau vorzuweisen.»
Kunstausstellung, diverse Stände und feines Essen
Kinder werden an der Hand der Eltern durch die Sporthalle geführt, bleiben stehen vor dem ausgestopften Büffel, vor dem Marder, vor der Eule mit dem starren Blick. Stände verkaufen Honig, promoten ein Sportcamp oder stellen ihre Gewehre zur Schau. Zwei Herren stehen vor einer Kunstausstellung. Sie verweilen vor den Gemälden, diskutieren Perspektiven, Farbverläufe, Motive. «Welches Tal ist das wohl da hinten?», fragen sie sich, während sie ein Bild fokussiert anschauen.
Daneben dreht sich alles ums Gewinnen: Tombolalose wechseln in rasender Geschwindigkeit die Besitzer, werden aufgerissen, Namen notiert. Es wird gegessen – Wild mit Rohkraut, aus heimischer Jagd.
Und für den ausgelassenen Abend, der bevorsteht gibt’s noch ein Kaffeestübli. Dort wartet eine Überraschung: Wer an der kleinen Seilbahn zieht, bringt den Kaffeetransport in Bewegung. «Wenn man dann noch ‹heepet›, kommt das Servicepersonal vorbei und füllt es mit Schnaps auf», sagt Windlin mit einem Zwinkern.
Über allem liegt der Geruch von Wildwürsten, Wald, Geschichte. Und der Klang von Gesprächen – zwischen Generationen, zwischen Städtern und Jägern, zwischen Tradition und Zukunft. Ab und zu ertönen auch Jagdhorntöne der Jagdhornbläser Obwalden. Die Trophäenschau ist nicht nur Rückblick. Sie ist auch ein Spiegel: darauf, was Heimat bedeutet, was Menschen mit der Natur verbindet, und wie lebendig ein Brauchtum sein kann, wenn alle daran teilhaben.





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