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Luzern

Wird der unterirdische Bahnhof Luzern zuerst als Kopfbahnhof gebaut? Stadt und Kanton wehren sich gegen Etappierung

Der Durchgangsbahnhof Luzern besteht aus einem Tiefbahnhof und einer Durchmesserlinie. Doch der Bund spricht nun plötzlich von einer «ersten» und «zweiten» Etappe.
So könnte der unterirdische Bahnhof Luzern dereinst aussehen. (Visualisierung: SBB)
Die beiden Teile der Durchmesserlinie: Dreilindentunnel Ebikon-Luzern (oben) und Verlängerung als Neustadttunnel (unten).
Der Bahnhof Luzern soll ein zweites Untergeschoss erhalten. Von dort erfolgt der Zugang zum neuen Durchgangsbahnhof. (Visualisierung: SBB)

Robert Knobel

Robert Knobel

Robert Knobel

Robert Knobel

Robert Knobel

Die Freude war gross im Sommer 2019: Damals sagten National- und Ständerat Ja zu einem 100-Millionen-Kredit für die Planung des Luzerner Durchgangsbahnhofs. Seither ist das Jahrhundertvorhaben keine blosse Vision mehr, sondern ein reales Projekt.

Doch beim näheren Hinsehen wird klar: Luzern muss noch einige Hürden überwinden, damit der Quantensprung Wirklichkeit wird.

Erstens ist für die Baukosten (rund 2,4 Milliarden Franken) noch kein Geld gesprochen – das tut das eidgenössische Parlament voraussichtlich erst 2026.

Zweitens sorgt eine Aussage im Sachplan Verkehr des Bundes für Irritation. Dort heisst es zum Luzerner Durchgangsbahnhof wörtlich: «Nach der aktuellen Planung wird in einer ersten Etappe ein Tiefbahnhof Luzern als Kopfbahnhof unter dem heutigen Bahnhof Luzern erstellt. Die Zufahrt erfolgt ab Ebikon mit einem neuen 3,5 km langen Doppelspurtunnel unter dem Seebecken hindurch. Dies ermöglicht in einer zweiten Etappe die Fertigstellung des Durchgangsbahnhofs mit dem Bau der Zufahrt via Neustadttunnel zum Portal Heimbach.»

Auch auf der kantonalen Website zum Durchgangsbahnhof spricht der Kanton Luzern von einer ersten Etappe, die 1,8 Milliarden koste, und einer zweiten für 600 Millionen, welche die Durchbindung der unterirdischen Linie Richtung Bern/Basel beinhaltet. Doch eigentlich will der Kanton von einem etappierten Bau nichts wissen, wie er nun klarstellt. «Eine Etappierung des Durchgangsbahnhofs lehnen wir klar ab», schreibt der kantonale Baudirektor Fabian Peter (FDP) in seiner Stellungnahme zuhanden des Bundes.

Man habe zwar nichts gegen eine baulich bedingte etappierte Inbetriebnahme. Doch zentral sei, dass das Projekt als Ganzes begonnen und nicht ein Teil davon auf später verschoben wird. Das sieht auch der Luzerner Stadtrat so: «Der Durchgangsbahnhof soll als ein Projekt gesamthaft möglichst rasch realisiert werden», schreibt er im Rahmen der Vernehmlassung zum Sachplan Verkehr.

Tatsächlich wurde eine mögliche Etappierung bisher in der Öffentlichkeit kaum thematisiert. So sagte SBB-Gesamtprojektleiter Massimo Guglielmetti im Juli 2019 gegenüber unserer Zeitung, man rechne für den Durchgangsbahnhof mit zehn Jahren Planung und 10 Jahren Bauzeit. Als Eröffnungstermin sei 2040 angepeilt.

Beim Bundesamt für Verkehr (BAV) relativiert man derweil die Aussagen im Sachplan. «Eine Etappierung des Durchgangsbahnhofs Luzern ist heute kein Thema», sagt BAV-Sprecher Michael Müller und fügt hinzu: «Die Bauzeit wird sich aber über viele Jahre erstrecken und aus verschiedenen Realisierungsschritten bestehen. Das Parlament wird letztlich darüber entscheiden.» Das unerfreulichste Szenario aus Luzerner Sicht wäre daher, wenn das Bundesparlament 2026 lediglich den Bau des Tiefbahnhofs mit Seetunnel bewilligt und den Entscheid über die Durchmesserlinie Richtung Bern/Basel auf später vertagt. Dies stünde dann völlig im Widerspruch zur bisherigen Haltung von Bund, Kanton und SBB: Sie sind schon vor Jahren zum Schluss gekommen, dass ein Tiefbahnhof allein ein ungenügendes Kosten-Nutzen-Verhältnis hätte. Nur in Kombination mit einer Durchmesserlinie ist er wirtschaftlich und betrieblich sinnvoll.

So ist der Bau des Durchgangsbahnhofs im Detail geplant:

Von Küssnacht und Meggen unterirdisch nach Luzern?

Stadt und Kanton Luzern haben noch weitere Wünsche bezüglich des Durchgangsbahnhofs: Mit der neuen Durchmesserlinie wird auf der alten Stammlinie viel Kapazität frei. Dies soll den Bau von neuen S-Bahn-Stationen ermöglichen, namentlich im Steghof (Langensandbrücke) und in Ruopigen (ausgangs Zimmereggtunnel). Nachdem diese beiden Haltestellen bereits im kantonalen Richtplan verankert sind, fordern Stadt und Kanton den Bund auf, sie ebenfalls einzuplanen. Der Luzerner Stadtrat fordert zudem vom Bund Abklärungen, ob der neue See-/Dreilindentunnel nach Ebikon mit der bestehenden Megger Linie verbunden werden könnte. Dann könnten die Züge nicht nur aus Richtung Zug/Zürich, sondern auch von Küssnacht/Meggen via Tiefbahnhof nach Luzern fahren.

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