notifications
Zugfahrt

Wirbel um gebüsste Luzerner Teenager: Schützenhilfe kommt von staatskritischem Verein

Weil vier Jugendliche sich während der Fahrt in der Zentralbahn in der ersten Klasse aufgehalten haben, kassierten sie eine Busse. Diese will ein Verein bezahlen, der sich während der Pandemie gebildet hat.
Vier Teenager stiegen an der Zentralbahn-Station Allmend/Messe in der ersten Klasse ein und blieben zu ihrem Verhängnis dort stehen.
Bild: Symbolbild: Dominik Wunderli

Sie hatten gültige Jahresabos, aber nur für die zweite Klasse. Weil dort der Zug der Zentralbahn überfüllt war, stiegen vier Teenager bei der ersten Klasse ein, um von der Haltestelle Allmend/Messe zum Bahnhof Luzern zu fahren. Zwei Kontrolleurinnen büssten die Jugendlichen mit jeweils 75 Franken, weil sie in der ersten Klasse stehen blieben. Die Mutter eines Kindes meldete sich irritiert bei den SBB, wie SRF berichtete. Doch die SBB, ihnen gehört unter anderem die Zentralbahn, antwortete: Einsteigen in der ersten Klasse ist erlaubt, dort ohne gültiges 1.-Klasse-Billett stehen bleiben ist verboten. Es könnten keine Ausnahmen gemacht werden, alle müssten gleich behandelt werden. Die Zentralbahn fand auch, dass das Personal richtig gehandelt habe – die Busse sei jedoch um die Hälfte reduziert worden.

Der Verein Lehrernetzwerk Schweiz erklärte sich bereit, die Bussen der 15-jährigen Mädchen zu übernehmen. Und kritisierte die SBB scharf. Diese würden «immer wieder einmal einen verfehlten Umgang mit Kindern und Teenagern» zeigen und hätten «gegenüber Schülerinnen und Schülern jedes Augenmass verloren». Die SBB hätten sich zudem «von der Welt der Jugendlichen entfremdet». Die Medienmitteilung des Vereins verfehlte die Wirkung nicht: Entsprechende Online-Artikel wurden von der Leserschaft kontrovers kommentiert. «Sowas von kleinlich!», heisst es zum Beispiel. Aber auch: «Werden diese Regeln nicht mehr durchgesetzt, entsteht eine Anarchie.»

Gegen Masken und Abstandsregeln

Beim Lehrernetzwerk handelt es sich um einen Verein mit Sitz in Aarau, dessen Mitglieder nach eigenen Angaben «das Wohl unserer Kinder durch ein am Limit laufenden Schulsystem und unverhältnismässige staatliche Massnahmen und gefährdet sehen». Der Verbund aus Pädagogen, Ärzten und Anwälten hat sich in der Pandemie gebildet und wehrte sich gegen Impfungen, Masken und Abstandsregeln. In einem Positionspapier fordert das Lehrernetzwerk unter anderem die Abschaffung der integrativen Schule und der «Gender-Ideologie». Den wissenschaftlich längst bestätigten Klimawandel schreibt der Verein in Anführungszeichen.

Ob die auf jeweils 35 Franken reduzierten Bussen schon bezahlt worden sind, geben die SBB mit Verweis auf den Datenschutz nicht bekannt. Bei hoher Auslastung der Züge empfehlen sie, die SBB-App zu konsultieren, um auf die erwartete Auslastung der jeweiligen Abteile reagieren zu können. Oft gebe es ausserdem am Ende des Zuges noch freie Plätze. Wenn zeitlich möglich, könne es sich auch lohnen, einen Zug früher oder später zu nehmen.

Kommentare (1)