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Jugendtheater Ruswil

Wenn die Jugendwelt aus den Fugen gerät

Das Jugendtheater Ruswil bringt den Jugendroman «Auerhaus» auf die Bühne. Intensiv, leidenschaftlich, glaubwürdig. Weinen und Lachen sind nahe beieinander.

Nein, ihr Leben soll nicht nach dem Muster «Geburt – Schule – Arbeit – Tod» ablaufen wie im gemeinen Alltag «draussen». Sechs Jugendliche richten sich in einer Wohngemeinschaft in einem alten Gebäude, im «Auerhaus», (angelehnt an den Song «Our House» der britischen Band «Madness») ihre eigene Welt ein. Dieses WG-Leben beschreibt der Schriftsteller Bov Bjerg in seinem Jugendroman «Auerhaus» (2015). Das Jugendtheater Ruswil bringt ihn als Theaterfassung auf die Bühne des Ruswiler Kulturraums.

Eine Szene aus dem Stück «Auerhaus», welches das Jugendtheater Ruswil aufführt.
Bild: Hannes Bucher (26. 4. 2025)

Am Wochenende war Premiere. In der Geschichte besteht die Hauptsorge der sieben Protagonisten darin, den psychisch kranken Frieder, der eben einen Suizidversuch hinter sich hat, vor einem Rückfall zu bewahren. Zudem bringt jede und jeder im «Auerhaus» seine eigenen Probleme mit ins gemeinsame «Daheim» – da sind Schule, Abitur, Stellungsbefehl der Armee und auch ganz grundsätzliche Lebens- und Sinnfragen.

Schwieriges, aber auch Platz für Unbeschwertes

Es ist eindrücklich, mit welcher Intensität die sieben Protagonisten des Jugendtheaters Ruswil das Stück auf die Bühne bringen. Allesamt wirken sie überzeugend, authentisch, textsicher. Regisseur Matthias Kurmann sagt, er habe mit dem jungen Ensemble viel über das Thema Suizid gesprochen. Nebst dem Schwierigen bricht im Stück immer wieder auch jugendliche Unbekümmertheit durch, es wird gelacht, getanzt, auch mal gesungen – Momente unbeschwerten «Jung-Seins». Um dann wieder ins Gegenteil zu kippen. «Weint Frieder?», wird dann etwa gefragt. «Nein, er lacht …» Oder beides.

Dieses Wechselspiel der Gefühlslagen wird in der Ruswiler Inszenierung mit gezieltem Musik- und Lichteinsatz stimmig unterlegt. Sinnbildlich ist auch das Bühnenbild: Die «Unordnung» und Anhäufung von Gegenständen, die auszumachen ist, spricht Bände für all das, was in dieser aufwühlenden Lebensphase der Jugendlichen durcheinandergerät. So gesehen hat das Stück über die eigentliche Story hinaus seine Aussagekraft.

Luis Di Mercurio ist der einzige männliche Protagonist im Ensemble. Er spielt den suizidalen Frieder. «Ja, ziemlich mitgenommen und erleichtert» ist der Kantischüler nach der gelungenen Premiere, jetzt müsse er «e chli abefahre». Natürlich sei Suizid eine schwierige Thematik, aber er sei nie deprimiert aus einer Probe gegangen: «Im Gegenteil. Wir haben auch viel zusammen gelacht.» Er bedauert aber, dass es recht schwierig sei, junge Männer fürs Theater zu finden: «Das Theaterspiel ist eine so wertvolle und bereichernde Erfahrung.»

Weitere Aufführungen ab 1. Mai. Infos und Tickets unter www.jugendtheaterruswil.ch .

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