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Kolumne «Stadtwärts»

Weniger Worte, mehr Musik

Der Autor freut sich auf das anstehende Festival in Luzern, ist aber auch ein bisschen nervös.
Lucerne Live 2024: Kalabrese & Rumpelorchester im Pavillon auf dem Kurplatz.
Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 19. 7. 2024)

Am Seeufer sind die Arbeiten im Gange. Zelte und Holzhäuschen, in denen bald Getränke, Essen und andere Produkte verkauft werden, stehen bereits. Am Donnerstag beginnt Luzern Live: Zehn Tage Musikfestival stehen an. Das klingt wundervoll! Als eifriger Konzertgänger bin ich gespannt auf das Programm der dritten Ausgabe. Gleichzeitig bin ich auch ein bisschen angespannt, muss ich an dieser Stelle zugeben.

Denn neben der Musik vernimmt man vor den Bühnen rund um das Luzerner Seebecken unfreiwillig auch so manch anderes. Links berichtet jemand lautstark von der letzten Ferienreise oder einem Ausflug, rechts diskutieren zwei Leute über die jüngsten Sportereignisse. Von hinten schallt es: «Send ehr gester no lang blobe?» Mir schwant Böses.

Im Konzertlokal passiert so etwas auch. Da frage ich mich jeweils ebenfalls, weshalb Leute ein Konzertbillett kaufen, um einander vor der Bühne ins Ohr zu schreien, anstatt der Musik zu lauschen. Im Kino oder im Theater macht man das ja auch nicht. Vielleicht hatte ich dort bisher aber einfach mehr Glück als bei Konzerten.

Nun, bei Festivals ist das ja aber sowieso ein bisschen anders. Vielleicht landet man eher zufällig vor der einen Bühne. Vielleicht will man einfach nur mal kurz reinhören. Und vielleicht gefällt die Musik schlichtweg nicht. Das ist schliesslich Geschmackssache, also kein Problem. Aber auch kein Grund, vor der Bühne eine Gesprächsrunde vom Ausmass einer Politikdebatte im Fernsehen zu starten. So was finde ich rücksichtslos – sowohl gegenüber den Künstlerinnen und Künstlern auf der Bühne als auch gegenüber dem Publikum, das gerne die Musik geniessen möchte.

Etwas weiter hinten stört man das Geschehen auf und vor der Bühne nicht mit dem ständigen Gerede. Und falls die Kehle vom ständigen Geschnatter trocken werden und die Stimme zu krächzen beginnen sollte, so ist man ein Stück weiter entfernt von der Bühne auch ein bisschen näher an der Bar mit Getränken. Auf gute Musik, und hoffentlich auch gute Gespräche.

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