Der Tod spielt in unserem Leben keine Rolle – bis er da ist. Und dann überschattet er alles.
Ein Freund von mir hat seinen Vater verloren. Als wir uns trafen, schrieb er gerade die Rede für den Abschied. Mit seinem Vater hatte er viel über den Tod gesprochen. Sie hatten ein gutes Verhältnis. Und doch kamen ihm nun Dinge in den Sinn, die er ihm noch hätte sagen wollen. Keine Vorwürfe. Sondern Worte der Dankbarkeit und der Liebe, die er so nie formuliert hatte. Worte, die sein Vater nun nicht mehr hören wird. Das schmerzt.
In der gleichen Woche habe ich erfahren, dass noch ein anderer Freund gerade seinen Vater verloren hatte. Kurz vorher hatte er mit ihm ein Gespräch geführt, auf das er sich lange vorbereitet hatte. Es ging um die Vergangenheit. Darum, was die beiden Männer verbunden und was sie getrennt hatte. Um Verletzungen. Und darum, was der eine den anderen gelehrt hatte.
Vor allem aber ging es um die Zukunft. Darum, wie ihre Vater-Sohn-Beziehung aussehen sollte, nun, da auch der Sohn längst erwachsen war. Es war ein versöhnliches Gespräch. Eines, nach dem mein Freund Seiten an sich akzeptieren konnte, mit denen er lange gehadert hatte. Und in denen er seinem Vater sehr ähnlich war.
Sie gingen im Reinen auseinander. Aber für die gemeinsame Zukunft blieb ihnen – ohne dass sie es wussten – kaum noch Zeit.
Beide Begegnungen haben mich noch lange beschäftigt und über den Tod nachdenken lassen. Denn wenn jemand stirbt, können wir nichts mehr mit ihm klären. Wir können nicht mehr sagen, was uns leidtut. Oder wofür wir dankbar sind.
An Allerseelen denken wir an die Menschen, die nicht mehr da sind. Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr aufzuschieben, was ich meiner Familie und meinen Freunden sagen möchte. Bevor der Tod kommt. Und aus dem, was ich noch sagen möchte, etwas macht, das nicht mehr ankommt.
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