Kürzlich wurde ich gefragt, weshalb ich mein halbes Leben lang für diese Kirche gearbeitet habe. Der Satz hat mich zum Grübeln gebracht. Man fragt sich tatsächlich: Was springt dabei heraus, wenn wir Zeit und Kraft investieren, das Evangelium schmackhaft zu machen? Es gibt viel Engagement für Religionsunterricht, Kommunionvorbereitung, Taufgespräche, Pfarreiarbeit. Und der Erfolg?
Dies war in etwa die Situation Jesu und seiner Jünger. Anfangs begegneten die Menschen ihm mit Offenheit. Aber nur die Zwölf und eine Handvoll Frauen folgten ihm. War Jesu Predigt umsonst? Nach dem «galiläischen Frühling» muss eine ähnliche Verunsicherung gewesen sein.
Deshalb erzählt Jesus die Geschichte vom Bauern, der Samen ausstreut. Mit voller Kraft wirft er Korn über den Acker, es fällt auch auf steinigen Boden, etwas fällt auf fruchtbaren Boden. Die einen nehmen auf, bei anderen entsteht Widerstand. Jesus will sagen, wundert euch nicht, wenn es Misserfolge gibt. Jedem wird das Wort Gottes verkündigt, aber keiner wird vergewaltigt. Jedem bleibt die Freiheit, es anzunehmen oder abzulehnen. Und mittendrin reift auch Frucht. Wichtig ist nicht der momentane Erfolg, jetzt haben wir nur zu säen.
Anita Wagner Weibel
Gemeindeleiterin i.R., Rotkreuz
anita.wagner@ datazug.ch

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