Seit 1561 pilgert das Urner Volk mit den Behörden zur Tellskapelle nach Sisikon. Um beim «ewigen Jahr Zeit, allen, welche um Vaterlands Willen umgekommen sind» zu gedenken. Der Brauch geht auf eine Stiftung der Dreifaltigkeitsbruderschaft von Altdorf zurück.
1884, in einer Zeit als die Tellsgeschichte angezweifelt wurde, erklärte der Urner Landrat die Prozession zur offiziellen Landeswallfahrt. Die Kosten übernimmt der Kanton Uri.
Die Wallfahrt bedeutete, betend einen Fussmarsch von Flüelen zur Tellskapelle am See und nach der Gedenkfeier wieder zurück zu absolvieren. Seit 1966 wird die Strecke mit einem Kursschiff der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee zurückgelegt. Das Urner Volk, Behördenmitglieder, ein Kirchenchor, Trachtenleute und Jugendvereine pilgerten am vergangenen Freitag, 8. Mai, auf dem Schiff einen Rosenkranz betend zur Tellsplatte. In der Tellskapelle umrahmt ein Urner Kirchenchor, dieses Jahr der Kirchenchor Flüelen, den Gottesdienst. Der Landammann Christian Arnold verlas die Namen der Gefallenen und würdigte die Leistungen der Gefallenen.
Ein mythisches Bild zum Abschluss
Da Richtung Brunnen ein Gewitter seine Schleusen öffnete, war während des Gedenkgottesdienstes bei der Tellskapelle föhnbedingt nur leichter Regen zu verzeichnen.
Pfarrer Matthias Horat zelebrierte den Gottesdienst. Pfarradministrator Pater Herbert Mudzimu, Flüelen, verstand es in seiner Predigt, Tradition, Brauchtum, Religion und Geschichte zu verknüpfen. Lektorin Erika Herger gestaltete die Fürbitten.
Nachdem der Schweizerpsalm verklungen war, setzte sich die rund 240-köpfige Pilgerschar in Bewegung. Die Pilgerschar mit einer brennenden Kerze in der Hand – von der Tellskapelle zum Landungssteg marschierend – war ein eindrückliches, ein mythisches Bild.
Der grösste Teil der Wallfahrenden genoss in Flüelen angekommen, die von der Urner Regierung offerierten Chäschüechli.




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