Hochmut kommt vor dem Fall, und Geld allein macht nicht glücklich. Weiss man das nicht schon lange? Aber wenn einem diese alten Wahrheiten auf so unterhaltende und zauberhafte Weise vorgeführt werden wie im Stück «Der Bauer als Millionär» der Theatergesellschaft Stans, lässt man sich diese Belehrung gerne ein weiteres Mal gefallen.
Im Zaubermärchen von Ferdinand Raimund aus dem 19. Jahrhundert geht es turbulent zu und her. Die Fee Lacrimosa (Chantal Herger) verliert aus Hochmut ihre Feenmacht. Ihre Tochter Lottchen (Anna Minutella) muss dafür büssen und wird zum armen Bauern Wurzel (Beat Barmettler) geschickt. Dieser kommt unverhofft zu grossem Reichtum und lässt sich davon blenden. Zur Strafe muss er von einem Tag auf den anderen mit dem hohen Alter (Thomas Ittmann) Bekanntschaft machen. Lottchen verliebt sich in den Fischer Karl (Arni Häcki) und rettet ihn dank ihrer Bescheidenheit vor Hass und Gier.
Bis Lottchen und Karl ein Paar werden, Millionär Wurzel wieder ein glücklicher Bauer ist und die Fee Lacrimosa ihre Feenmacht zurückerlangt, sorgen Feen und Geister für allerlei Spektakel. Regisseur Peter Niklaus Steiner fasst es so zusammen: «‹Der Bauer als Millionär› ist ein allgemeingültiges Erbstück der Menschheit. Es vereint menschliches Dilemma auf heitere Weise mit dem Wunsch nach Erlösung und Happy End, ein Zaubermärchen. Und man weiss ja, Märchen sind wahr.»
Alte Wahrheiten neu erzählt
Der erfahrene Theatermacher Steiner arbeitet zum ersten Mal mit dem Stanser Ensemble: « Ich erlebe eine äusserst engagierte Theatergesellschaft mit einem ausgeprägten Bewusstsein für ihre Geschichte, zu der es gehört, nicht in der Tradition stecken zu bleiben, sondern sich stets wieder auf Neues einzulassen und à jour zu bleiben.»
Diese Verbindung aus Tradition und Lust auf Neues kommt auch bei der neuen Inszenierung zum Ausdruck. Steiner dazu: «Es ging uns nicht darum, diesen 200 Jahre alten Klassiker herkömmlich zu erzählen. Es war uns ein Anliegen, die Geschichte ins Heute zu bringen, weil es auch unsere Geschichte ist. Wir verzichten aber darauf, alte Wahrheiten neu zu interpretieren, vielmehr wollen wir an die Tradition anknüpfen und sie weiterführen.»
Das elegante und raffinierte Bühnenbild von Damian Hitz und die Musik von Jonas Bättig tragen zu dieser neuen Erzählung bei. Bättig verwendet die zum Stück gehörende Originalmusik und frischt diese mit rockigen und poppigen Elementen auf, bei denen auch etwas «Flower Power» mitschwingt.
Und «Flower Power» ist auch bei den Kostümen von Nina Steinemann angesagt. Die Kostüme der Menschen-Rollen sind zwar angelehnt an ihre Zeit und die Charaktere, aber durch zarte folkloristische Blumenmotive auch verbunden mit den Feen und Geistern, deren fantasievolle Kostüme von der heimischen Sagenwelt inspiriert sind.
Im Jahr nach ihrem 200-Jahr-Jubiläum, das mit der Verleihung des Nidwaldner Kulturpreises seinen Höhepunkt fand, präsentiert die Theatergesellschaft Stans mit viel Können und noch mehr Herzblut ein Fest für alle Sinne und setzt ihre Tradition von aussergewöhnlichen Produktionen mit überregionaler Ausstrahlung fort. (zvg)
Premiere am Samstag, 25. Januar. Weitere Aufführungen bis zum 29. März. Theaterbeiz und Panorama-Bar im Theater an der Mürg sind vor und nach den Vorstellungen geöffnet. Weitere Informationen unter www.theaterstans.ch .

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