notifications
Kantonsratswahlen

Die Techniker unter sich – wer sie wählt, kann mit Genauigkeit im politischen Geschäft rechnen

Die Gesamterneuerungswahlen in Obwalden am 8. März stehen vor der Tür. 186 Kandidierende stellen sich zur Wahl, darunter der jüngste (Tim Joller, SP Sarnen) und der älteste (Albert Enz, SVP Sachseln).

Die beiden haben sich vorher noch nie gesehen. Politisch liegen sie weit auseinander. Genauso weit auseinander liegen ihre Jahrgänge. Auf der einen Seite Jahrgang 2005, auf der anderen Seite 1950. Beide verfolgen allerdings dasselbe Ziel: einen der 55 Sitze im Obwaldner Kantonsrat zu ergattern. Inzwischen steht fest, dass sich für die Gesamterneuerungswahlen vom 8. März in Obwalden 186 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellen. In vielen Gemeinden treten dieselben Kandidaten an, was es für Neulinge schwierig macht, sich einen Platz zu ergattern. Tim Joller (SP Sarnen) und Albert Enz (SVP Sachseln) gehören zu den Anwärtern, doch politische Neulinge sind sie keineswegs. Der 20-jährige Joller engagiert sich seit Langem in der Juso Obwalden und hat sich durch die Klimabewegung vom politischen Betrieb inspirieren lassen.

Der jüngste (Tim Joller, links) und der älteste Kandidat (Albert Enz) für die Kantonsratswahlen 2026 in Obwalden.
Bild: David Wurmet (Sarnen, 30. 1. 2026)

«In Obwalden gibt es viele Perspektiven, die nicht gehört werden, denen möchte ich eine Stimme geben», sagt Joller. Es geht ihm dabei nicht nur um das Klima, sondern um Wohnpreise, Gleichberechtigung im politischen Betrieb und ein attraktives Obwalden, wo junge Menschen nicht wegziehen, sondern etwa nach dem Studium wieder zurückkehren. «Ich bin mit der Steuerstrategie unseres Kantons nicht einverstanden. Ein Weiter-wie-bisher kann nicht funktionieren», sagt er zur finanziellen Lage des Kantons.

Obwohl der ETH-Student aufgrund seines Studiums in interdisziplinären Naturwissenschaften mit Fokus auf rechnergestützter Physik momentan von Montag bis Freitag in Zürich lebt, kehrt er am Wochenende jeweils zurück und leitet in der Pfadi Sarnen. Er sei sich bewusst, dass er als jüngster Kandidat nicht dieselbe Lebenserfahrung mitbringe: «Wie hoch ist das Durchschnittsalter im Kantonsrat?», fragt er humorvoll. «An Lebenserfahrung mangelt es nicht im Kantonsrat, es könnte etwas frischen Wind gebrauchen», sagt er.

«Ich haue auch mal auf den Tisch»

Mit geballter Lebenserfahrung sitzt auf der Gegenseite Albert Enz, Gründer der Firma Enz Technik Giswil, Enz USA, Enz GmbH DE und leidenschaftlicher Mechaniker. Seine Firma hat er bereits vor einigen Jahren verkauft, doch in technische Projekte ist der 75-jährige Pensionär nach wie vor verwickelt. «Das mache ich aus Leidenschaft», sagt er. Bis heute verfügt er über ein weitverzweigtes Netzwerk in der Unternehmerbranche. Politisch engagiert war er vor einigen Jahren in verschiedenen Kommissionen in Giswil, unter anderem der Raumplanungskommission, und er war Vizepräsident der Korporation Giswil – bis zum Wegzug aus Giswil.

«Wenn ich gewählt werde, schaue ich genau hin und haue auch mal auf den Tisch», sagt er. Seine Durchsetzungskraft hat er bei seinem Unternehmen und in unzähligen Projekten bereits unter Beweis gestellt. Ausserdem betont er: «Ich spreche nicht nur für meine Generation. Ich hatte mit meinen Lehrlingen immer ein sehr gutes Einvernehmen, und ihr beruflicher Erfolg heute zeigt mir, dass wir das richtig gemacht haben.»

Technische Genauigkeit im Politbetrieb

Er begrüsse es, wenn junge Leute heute tatkräftig anpacken, und fördere die Schaffung von mehr Lehrstellen. Im Amt als Kantonsrat würde er allerdings ein Thema zuerst anpacken: «Mein erstes Anliegen im Kantonsrat wären die Finanzen. Es kann nicht sein, dass wir seit Jahren Defizite schreiben und auf die Millionen der SNB hoffen müssen», sagt er.

In einer Partei wollte er eigentlich nie sein, da er sich stets zwischen FDP und SVP einordnete. Doch seit den internen Unstimmigkeiten bei der FDP bezüglich des EU-Rahmenvertrags schlug er sich auf die Seite der SVP. Auch im Gespräch mit Joller wird schnell klar, dass man beim Thema EU weit auseinander liegt. Ganz anders bei der Faszination für Technik.

Aufgrund des gegenseitigen Interesses verloren sich die beiden während des Gesprächs gerne in technischen Details. «Künftig könnte ich mir vorstellen, an physikalischen Simulationen zu arbeiten», sagt Joller. Enz nickt und sagt: «Das ist natürlich sehr interessant, wir haben bei Enz Technik auch immer Strömungssimulationen an Düsen durchgeführt.»

Ihre Liebe fürs Detail und die genauen Analysen zogen sich durch das Gespräch hindurch, und zuletzt war klar: Die beiden würden eine ungemein wichtige Tugend in den politischen Betrieb mitbringen, und zwar faire und respektvolle Kommunikation, die den Weg zum Konsens ebnet - unabhängig von Alter und politischer Ausrichtung.

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)