Die Stadt Luzern hat zwei Stadtteile, sechs Stadtkreise, 27 Quartiere und stolze 191 Kleinquartiere. Letztere tragen sperrige Namen wie «Eisenbahnerdorf Ost» oder «Uchtern-Schrotmättli-Gasshof» – aber auch poetische wie «Himmelrich» oder «Vogelsang-Vogelmoos». Das ist dem offiziellen Gebietskataster der Stadt Luzern zu entnehmen.
Die Stadt Luzern treibt den Föderalismus auf die Spitze – dagegen ist die Eidgenossenschaft der reinste Zentralstaat. Denn es wird noch komplizierter: Die Stadt ist darüber hinaus in 21 Quartiervereinsgrenzen, 24 Urnenkreise und sechs Polizeigebiete unterteilt. Wobei sich die einzelnen Einheiten nicht etwa wie ein Puzzle ineinander einfügen. Vielmehr können sich die Grenzen auch überschneiden.
So liegt zum Beispiel das Café «Peperoncini» an der Obergrundstrasse, aber nicht im Obergrund-Quartier. Zuständig ist trotzdem der Quartierverein Obergrund. Und die Museggtürme stehen im Quartier Altstadt, gehören aber zum Territorium des Quartiervereins Luegisland. Wen wundert's da noch, dass das Schlössli Utenberg nicht im Kleinquartier Utenberg steht, sondern im Dietschiberg. Dafür liegt die Bushaltestelle Unterlöchli im Kleinquartier Oberlöchli.
Wer sich für weitere Müsterchen interessiert, kann die Gebietsaufteilung der Stadt Luzern auf dem Portal map.stadtluzern.ch studieren. Eigentlich hatte ich gehofft, dort eine Antwort auf eine wichtige Frage zu finden, die mich seit Jahren beschäftigt: Wo genau verläuft die Grenze zwischen Littau und Reussbühl? Das sorgt in unserer Leserschaft immer wieder für böse Reaktionen, wenn wir uns bei der Ortsangabe vertippen.
Doch es ist verzwickt. Geht es nach der katholischen Kirche, so gehören alle Adressen mit Postleitzahl 6014 zur Pfarrei Littau, während 6015 für Reussbühl steht. Schon beim Fussball steht die Kirche nicht mehr im Dorf: Das Vereinslokal des FC Littau befindet sich zwar in 6014 Littau, gehört aber zum Quartier Ruopigen, das zu Reussbühl zählt. Dafür gehört die Fluhmühle postalisch zu Reussbühl, liegt aber im Quartier Udelboden, das grösstenteils Littauer Postleitzahlen hat. Dies, obwohl es gar nicht im Stadtkreis Littau liegt, sondern im Stadtkreis «Linkes Reussufer» – zusammen mit Reussbühl.
Alles klar? Die Luzerner Polizei teilt die Stadt derweil nach Himmelsrichtungen auf – die Quartierpolizeien tragen Namen wie «Nord» oder «Südwest». Doch in welcher Himmelsrichtung liegen nun Littau und Reussbühl? Antwort: Sie gehören polizeilich gesehen gar nicht zur Stadt, sondern zu Emmen.
Um die Stadtluzerner Verwaltungsgeografie zu entwirren, bräuchte es eine Mikrogebietsreform. Doch daran würde sich wohl selbst Elon Musk die Zähne ausbeissen.

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