Der «Cervelatpalast» ist ja gerade in aller Munde, wenn auch nur bedingt in positivem Sinne. Sie wissen schon, hohe Mieten nach Totalsanierung und deshalb noch viele Leerstände. Es soll Leute geben, die vermuten, dass diese Zeitung bewusst kurz vor dem 1. August darüber berichtet hat. Denn nie sonst im Jahr werden so viele Cervelats gegessen wie rund um den Bundesfeiertag. Ich kann aber versichern, dass es sich nicht um versteckte Werbung von «Schweizer Fleisch» handelt, wo alles andere Beilage ist.
Der Volksmund taufte die gebogene Häuserzeile am Bundesplatz in den 1950er-Jahren «Cervelatpalast». Dies offenbar, weil die Form aus der Luft betrachtet einem Cervelat ähnelt, die Mieten zu Beginn ebenfalls hoch waren und man deshalb davon ausgehen musste, dass die Mieterschaft sich wohl nur noch von Cervelats ernähren kann. Es ist jedenfalls ein hübscher Begriff – und erst noch packend für jeden Zeitungsartikel-Titel.
Vor allem aber befindet sich der «Cervelatpalast» in guter Gesellschaft. Immer wieder inspirieren Gebäude zu kulinarischen Spitznamen. In Luzern und Emmen existiert mit dem Kantonsspital respektive der Gemeindeverwaltung je ein «Schoggiturm» der Fassadenfarbe wegen
In Zürich gibt es derweil die «Sugus-Häuser». Kürzlich ebenfalls unrühmlich in die Schlagzeilen geraten wegen Leerkündigungen. Oder aber – womit wir wieder bei den Karnivoren wären – den «Fleischkäse». Geradezu abfällig ist damit aufgrund ihrer Farbe und Form die rosarot-beige Opernhaus-Erweiterung gemeint. Laut NZZ einst das meistgehasste Gebäude der Stadt. Ebenfalls des Metzgerei-Vokabulars bediente man sich in Spreitenbach: Hier heisst eines der beiden Shopping-Hochhäuser «Blutwurst», mit Verweis auf die weinroten Fassadenplatten.
Meine Wenigkeit hat am 1. August übrigens keinen Cervelat gegessen. Wenn überhaupt, dann greife ich lieber zu einer St. Galler Bratwurst – obschon ich mit Grün-Weiss eigentlich ziemlich meine Mühe habe.




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