200 Schülerinnen und Schüler aus Uri haben nach den Sommerferien den Auftrag gefasst, einen Stuhl herzustellen. Ob das Resultat ein Hängestuhl, Liegestuhl, Schaukelstuhl, Hocker oder Schwedenstuhl sein soll, bestimmen sie gemeinsam mit ihren Lehrpersonen. Das Spezielle daran: Das Holz dafür stammt aus dem Urner Wald. Und die Schülerinnen und Schüler packen nicht nur im Werkunterricht an, sie haben auch die Gelegenheit, raus in den Wald zu gehen oder einen Holzbetrieb zu besuchen.
Dort geben Fachleute ihr Wissen an die Schulklassen weiter. So erleben die Jugendlichen den gesamten Kreislauf vom Wachsen des Baumes im Wald über die Holzernte bis hin zur Herstellung des Holzproduktes und der Wiederverwertung durch Recycling. «Mit dem Urner Holzkreislauf lernen die Schülerinnen und Schüler den Wald und die verschiedenen Möglichkeiten der Holzverwendung kennen», sagt Roland Wüthrich, Vorsteher des Amts für Forst und Jagd. «Sie werken mit einheimischem Holz und stellen daraus ihr eigenes Holzmöbel her. Damit tragen sie zum Klimaschutz bei, denn der vom Baum aufgenommene Kohlenstoff bleibt so langfristig im Holzprodukt gebunden.»
Besuch draussen im Wald
Schülerinnen und Schüler der 3. Oberstufenklasse aus Altdorf mit ihrem Fachlehrer Fabian Ziegler machen sich an einem herbstlichen Nachmittag auf den Weg vom Schulhaus in den Bannwald. Sie haben sich beim Forstbetrieb Urnersee für einen Waldbesuch angemeldet. Forstwart Martsen Zgraggen empfängt sie mit einigen Zweigen von Altdorfer Waldbäumen in der Hand. «Tanne, Douglasie und Faulbaum», ruft eine Schülerin stolz in die Runde. Das Vorwissen der Klasse aus dem Unterricht macht sich sofort bemerkbar.
Nicht nur die Altdorfer Baumarten werden besprochen, sondern auch die wichtige Rolle von Totholz im Ökosystem, der Schutz von Jungbäumen vor dem Wild und die Arbeitssicherheit beim Fällen eines Baumes. Begeisterung macht sich breit, als Martsen Zgraggen verkündet: «Jetzt sehen wir noch in echt, wie ein Baum gefällt wird!» Mit Zweigen der gefällten Tanne als Mitbringsel aus dem Altdorfer Bannwald in der Hand macht sich die Klasse mit neuen Eindrücken aus dem Holzkreislauf auf den Heimweg.
Urner Holz für Klimaschutz
Ein Baum bindet beim Wachsen CO 2 im Holz. Zudem sorgt er für Schutz vor Naturgefahren, Lebensraum für Tiere und Pflanzen oder Erholung. Gefällt werden Bäume, damit der Wald stabil bleibt und sich nachhaltig verjüngen kann. Die nachwachsende Ressource kann als Bauholz oder als Holzmöbel sinnvoll und lokal genutzt werden und die Wertschöpfung ankurbeln.
Wenn der «Urner Holzstuhl» der Schülerinnen und Schülern einst ausgedient hat, kann er beispielsweise zu Spanplatten weiterverarbeitet werden oder für die Strom- oder Wärmeerzeugung genutzt werden. Durch die Mehrfachverwendung nach dem Kaskadenprinzip wird der im Holz gebundene Kohlenstoff möglichst lange gespeichert, was zum Klimaschutz beiträgt.
Der «Urner Holzstuhl» ist ein Projekt des Holzkreislaufs Uri. Finanzielle Unterstützung leisten die Korporation Uri, Wikkelhouse Schweiz, die Urner Raiffeisenbanken sowie die Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz.
Dieser Text wurde vom Amt für Forst und Jagd zur Verfügung gestellt.

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