«Luzern erhält einen Schoggiplatz»: Etwa so titelte unsere Zeitung kürzlich. Es ging darum, dass Lindt & Sprüngli bald einen Laden in der Luzerner Altstadt eröffnet – in direkter Nachbarschaft zu Läderach, Sprüngli und Heini. Die Adresse heisst offiziell «Falkenplatz». Doch bei so viel Schokoladenanbietern auf kleinem Raum finde ich den Namen «Schoggiplatz» treffender.
Es ist ohnehin eine Luzerner Eigenart, Strassen und Plätzen eigene Namen zu geben. So sprechen alle stets vom «Vögeligärtli», obwohl die Grünanlage offiziell Sempachergarten heisst. Der Hirschenplatz hatte zeitweise den Übernamen «Schuhplatz», weil es dort lauter Schuhläden gab. Davon ist allerdings kein einziger übrig geblieben – so ist auch der Name wieder verschwunden.
Der «Museumsplatz» am östlichen Eingang der Altstadt heisst zwar offiziell so – im Sprachgebrauch der Bevölkerung ist er aber genauso inexistent wie das Museum, das dem Platz den Namen gab. Möglicherweise bezieht er sich auf das Internationale Kriegs- und Friedensmuseum, das einst in der Nähe stand. Doch das ist über 100 Jahre her, das Museum ist längst Geschichte. Aber den Chäs Barmettler am Museumsplatz gibt es immer noch. Warum also nicht «Chäsplatz»? Das wäre die ideale Ergänzung zum Schoggiplatz und würde eines der letzten Lebensmittel-Fachgeschäfte würdigen, das bis zum heutigen Tag in der Altstadt überlebt hat.
Mit einer Portion Frechheit tauften kreative Köpfe einen Teil des Pilatusplatzes zur «Kurt-Bieder-Brache» um – als Hommage an den städtischen Baudirektor, der dort 2011 das Wirtshaus Schmiede abreissen liess.
Wobei: Auch die Behörden selber sind dem Schalk nicht immer abgeneigt. Sonst hätte es das «Haus zum Eselstall» kaum ins offizielle Gebäuderegister der Stadt geschafft. So heisst das Altstadt-Haus, durch dessen Mitte eine öffentliche Treppe zum Löwengraben führt. Es war früher eine Schule, die direkt neben dem Eselstall des Gasthauses Adler stand.
Demgegenüber kann der Volksmund manchmal fast schon langweilig-pragmatisch sein. So erging es dem «Kultur- und Kongresszentrum Luzern». Dies war ursprünglich bloss ein Projektname – man plante, nach dessen Fertigstellung einen definitiven, schöneren Namen zu suchen. Doch das «KKL» wurde zum sprachlichen Wahrzeichen Luzerns, eine Umbenennung war undenkbar. Dem Glamour des Konzerthauses tut der Name jedenfalls keinen Abbruch. Das gilt auch für die «Ufschötti», die mit Freizeit, Erholung und Sommerspass assoziiert wird und von der Bevölkerung liebevoll ausgesprochen wird – obwohl der Name bloss auf das Aushubmaterial hinweist, das dort abgelagert wurde.
Zurück zum Schoggiplatz: Gut möglich, dass das süsse Gewerbe noch weitere Filialen dort eröffnen wird. Gleich und gleich gesellt sich bekanntlich gern. Die Schoggi könnte dereinst sogar die Uhren konkurrenzieren, die im benachbarten Grendel momentan noch dominieren. Dort ist das spektakuläre Projekt «Walk of Watches» 2010 am Veto der Stadtbaukommission gescheitert . Vielleicht müsste man's mal mit einem «Walk of Chocolate» probieren? Wetten, dass die Denkmalbehörden dieser Versuchung nicht widerstehen könnten?

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