Obwalden

Vom «Bäri» zum «Rehli»: So werden Alpakas geschoren

Vor dem heissen Sommer scheren die Alpaka-Halter ihre Tiere. Auch Beat und Guido Abächerli aus Giswil sorgen dafür, dass die Neuweltkameliden ihr dickes Winterkleid loswerden können.
Neugierig blickt dieses Alpaka in die Kamera. (Bild: Florian Pfister (Giswil, 4. Juni 2020))
Auch die Frisur muss stimmen. (Bild: Florian Pfister (Giswil, 4. Juni 2020))
Beat Abächerli hält ein Jungtier in den Armen, Guido Abächerli hält ein frisch geschorenes Alpaka. (Bild: Florian Pfister (Giswil, 4. Juni 2020))

Florian Pfister

Florian Pfister

Florian Pfister

Nemo ist der nächste in der Reihe. Noch trägt er ein dickes Vlies, an heissen Tagen verzieht er sich daher in den Schatten. Das wird sich gleich ändern. Denn das bald zweijährige Alpaka wird geschoren.

Beat und Guido Abächerli von den Sprung-Alpakas in Giswil legen Nemo auf den Tisch. Zur Sicherheit von Tier und Mensch binden sie Nemos Beine an und strecken ihn ein wenig. Dadurch wird auch der Bauch gestrafft, um das Alpaka besser scheren zu können. Der «Bäri», wie ihn Beat Abächerli nennt, zappelt ein wenig, dann hält er still.

Neugierig wird Nemo von seinen Kameraden beobachtet, die ihren Gang zum Schertisch noch vor sich haben. Er wird von oben bis unten geschoren. Nach und nach weicht das Winterkleid. Beat und Guido scheren das Alpaka mit zwei Schermaschinen gleichzeitig. Zudem erhält es eine Kürzung des «Toupets» mittels Schere und seine Nägel werden geschnitten.

Das Vlies des Rückens und des seitlichen Bauches ist das wertvollste und wird zu einem späteren Zeitpunkt verarbeitet. Die Faser an seinen Beinen ist zu rau und zu kurz für eine Weiterverarbeitung. Je nach Alpaka wird etwa ein bis drei Kilogramm brauchbares Vlies geschoren.

Alpakas erkennen ihre Kameraden kaum wieder

Nach einer knappen Viertelstunde hat es Nemo überstanden. Er darf zu seinen Artgenossen zurückkehren, die ihn sogleich beschnuppern. Sie erkennen ihn kaum wieder, so sehr hat sich Nemos Äusseres verändert. Er wirkt um einiges dünner als zuvor.

Nun ist er zum «Rehli» geworden, schmunzelt Guido Abächerli. Nemo wirkt erleichtert, ist er sein dichtes Winterkleid losgeworden. Er ist jetzt für den Sommer gewappnet und sein Vlies kann wieder nachwachsen. In einem Jahr beginnt das Prozedere erneut.

Insgesamt beherbergt der Hof von Beat und Guido Abächerli 111 Alpakas. Die meisten davon wurden von einem professionellen Alpaka-Scherer von ihrem Vlies befreit, der rund zehn Tiere in der Stunde bearbeiten kann. Neun der Alpakas und vier weitere eines Freundes werden von Beat und Guido Abächerli selbst geschoren. 2011 nahm sich der Hof den ersten drei Alpakas an.

Es ist wichtig, die Alpakas jährlich zu scheren. Nicht nur, weil die Tiere sonst im Sommer unter Hitzestau leiden müssten. Auch die Faser würde zu lang und verfilzt. Die frische Luft und das Licht auf der Haut wirkt sich gesundheitsfördernd. Die Möglichkeit eines Parasitenbefalls sinkt so erheblich. Wichtig ist, dass die Alpakas vorher trocken bleiben, sonst müsste das feuchte Vlies anschliessend getrocknet werden. Auch das Scheren mit einer elektrischen Maschine wäre gefährlich.

Aus der Strickwolle entstehen Schals, Pullover und Mützen

Das brauchbare Vlies der Tiere packen Beat und Guido Abächerli in separate Säcke. So weiss man beispielsweise, welches Alpaka der Faserspender des gestrickten Pullovers ist. Ausserdem lassen die Abächerlis die Faser zu Strickwolle verarbeiten, die gekauft werden kann.

«Bei der Herstellung von Duvets verarbeiten wir jeweils Fasern von verschiedenen Tieren», erklärt Guido Abächerli. «Wir lassen aber einzelne Vliese zu Strickwolle verarbeiten. So haben wir eine grosse Farbpalette im Angebot. Unsere Strickwolle verarbeiten wir unter anderem zu Schals, Pullover und Mützen.»

Die Neuweltkameliden erfreuen sich in der Schweiz immer mehr an Beliebtheit. «Alpakas sind neugierig, aber scheu», erklärt Guido Abächerli. Sie beäugen Menschen und auch das Schur-Prozedere gespannt, ohne dabei zu nahe zu kommen. Ausnahme bildet auf dem Betrieb Sprung der Hengst Flint. «Er ist ein spezielles Alpaka», schmunzelt Guido Abächerli.

Kommentare (0)