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Luzern

Via Partnervermittlung oder Parship zum Liebesglück? So daten Singles in Luzern

Die grosse Liebe beim Einkaufen im Supermarkt zu treffen, ist relativ unwahrscheinlich. Hilfe gibt's zum Glück genug.
Seit Jahren schon ist Online-Dating beliebt, während der Pandemie haben die Aktivitäten auf Dating-Apps nochmals zugenommen.  (Symbolbild Getty)
Martina Achermann. (PD)
Joel Barocco. (PD)

Livia Fischer

Livia Fischer

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Livia Fischer

Zugegeben: Der perfekte Zeitpunkt, verschiedenste Leute zu daten, ist gerade nicht. Zumindest nicht physisch. Darum treiben sich aktuell noch mehr Personen als sonst schon auf ­Dating-Plattformen rum – wie schon die erste Welle, beschert nun auch die zweite vielen Dating-Apps einen Zuwachs an ­Anmeldungen. Und das könnte noch eine Weile so weitergehen.

So sagt Stella Zeco, Mediensprecherin von Parship und Elitepartner Schweiz, etwa: «Wir gehen davon aus, dass Singles die verschiedenen Angebote auch in den kommenden Wochen verstärkt nutzen, weil das Kennenlernen offline nur noch schwer möglich ist. Aber auch, weil die aktuelle Krise noch mehr Bewusstsein für den Wert einer langfristigen und glücklichen Partnerschaft geschaffen hat.» Wie daten eigentlich Luzernerinnen und Luzerner – mal abgesehen vom Einfluss der Pandemie?

Gehen wir mal davon aus, dass vorwiegend Singles nach einer neuen Bekanntschaft suchen. Da drängt sich die Frage auf, wie viele Personen denn überhaupt alleinstehend sind. Glaubt man einer Statistik des Singlebörsen-Vergleichs, einem Schweizer Informationsportal für Dating, leben im Kanton Luzern rund 62'000 Singles. Zirka 49'000 davon suchen im Internet nach der grossen Liebe oder einem Flirt. Wie die Erheber der Auswertung jedoch selbst darauf hinweisen, muss mit einer Abweichung von etwa 15 Prozent gerechnet werden.

Präzise Daten liefert Lustat Statistik Luzern. So waren von den über 20-Jährigen im Kanton Luzern per Ende letzten Jahres 47'541 Frauen und 57'522 Männer weder verheiratet noch in einer eingetragenen Partnerschaft. Wie viele davon sich aber in einer Beziehung befanden, ist ungewiss.

Paare treffen sich eher bei der Arbeit als im Internet

Laut Singlebörsen-Vergleich sind aktuell 11'750 Personen aus Luzern auf Parship angemeldet, auf Elitepartner 10'250 – beide gehören zu den beliebtesten Online-Partneragenturen der Schweiz. Doch auch hier ist unklar, wie verlässlich diese Zahlen sind. Die Mediensprecherin der beiden Plattformen, Stella Zeco, gibt nämlich an, dass sie über keine lokalen Auswertungen verfüge.

Was hingegen vorliegt, ist eine Umfrage des Zürcher Marktforschungsinstituts Marketagent vom Dezember 2019, die von Parship in Auftrag gegeben wurde. Hierbei wurden über 1000 Pärchen in der Schweiz gefragt, wo sie sich kennengelernt haben. In der Zentralschweiz sieht es folgendermassen aus: Von 107 befragten Personen gab etwas mehr als die Hälfte an, sich beim Ausgehen, durch Freunde oder am Arbeitsplatz kennengelernt zu haben.

Übrigens ist die Zentralschweiz die einzige Deutschschweizer Region, bei der sich immer noch mehr Leute bei der Arbeit als im Internet kennengelernt haben. So gaben nur 14 der Befragten Zentralschweizerinnen und Zentralschweizer an, via einer Dating-App wie Tinder oder Lovoo, über ein soziales Netzwerk, mittels einer Online-Partneragentur wie Parship oder Elitepartner oder woanders im Internet – etwa in einem Forum – erstmals in Kontakt gekommen zu sein (siehe Grafik unten).

Ältere trauen dem Onlinedating nicht mehr

Weitere 1,4 Prozent führten auf, über eine klassische Partnervermittlungsagentur zusammengefunden zu haben. Eine davon, genannt Luzerner Singletreff, betreibt Martina Achermann (45). Die Inwilerin ist bereits seit über 17 Jahren in diesem Bereich tätig und hat sich damit einen langersehnten Traum erfüllt. «Schon als Jugendliche war es meine Leidenschaft, andere Leute zu verkuppeln», erzählt sie schmunzelnd. Zu ihr kommen vor allem Leute zwischen 40 und 70 Jahren, welche die Nase voll haben vom Internetdating. Achermann erklärt:

«Oft wird gelogen, es werden falsche Fotos hochgeladen und die wahren Absichten des Gegenübers kennt man auch nicht so genau.»

Achermann trifft all ihre Kundinnen und Kunden zu einem persönlichen Gespräch, das jeweils bis zu zwei Stunden dauern kann. «Dabei reden wir über ihre Vergangenheit, die derzeitige Lebenssituation und Zukunftspläne. Und natürlich darüber, was ihnen in einer guten Partnerschaft wichtig ist.» Innert zwei Wochen unterbreitet Achermann dann einen ersten Vorschlag. Dies passiert so lange, bis die richtige Partnerin oder der richtige Partner gefunden ist.

Dass Geduldige belohnt werden, durfte Achermann schon oft erleben. Das Paar, das die Partnervermittlerin jüngst zusammengebracht hat: Maria und Hans aus Luzern, beide verwitwet. «Hans hat zu mir gesagt, er hätte nie gedacht, dass er mit 69 Jahren noch so einen Sonnenschein wie Maria kennenlerne. Das sind die besonders schönen Momente, die auch mich sehr glücklich machen», schwärmt Achermann.

Entlebuch als Single-Hochburg

Ein anderes Angebot in Luzern, genauer gesagt in der Region Entlebuch, ist der im Mai gegründete Singletreff «30bis60». Einer der drei Organisatoren ist Joel Barocco. «Wir wollten einfach eine Plattform auf die Beine stellen, wo sich Leute – vorwiegend aus dem Entlebuch und dem Emmental – ganz ungezwungen persönlich kennenlernen können», erklärt der 63-Jährige, der ursprünglich aus Zürich kommt und Anfang des Jahres nach Escholzmatt gezogen ist. Profile mit irgendwelchen Fotos und Personenbeschrieben sind auf deren Website nicht zu finden, auch Anmeldegebühren muss man keine bezahlen.

So funktioniert’s: Wer zwischen 30 und 69 Jahre alt und auf der Suche nach einer festen Beziehung ist, kann sich auf der Website für ein Treffen – das kann ein Sonntagsbrunch oder im Sommer ein Brätle-Nachmittag im Wald sein – anmelden. Bisher haben das schon über 93 Personen getan. «Ich hätte niemals damit gerechnet, dass es in so kurzer Zeit so viele sein werden», sagt Barocco sichtlich erfreut. Wenn es die epidemiologische Lage zulässt, finden die Treffen ein- bis zweimal im Monat statt. Zwei haben sich übrigens schon verliebt – erst kürzlich erreichte Barocco ein E-Mail, in dem sich die beiden von den Treffen abgemeldet haben. Er sagt:

«Ob sie jetzt zusammen sind oder nicht, weiss ich nicht. Da hake ich nicht nach, sondern respektiere deren Privatsphäre.»

Und wer weiss: Vielleicht findet auch der Organisator bald sein eigenes Liebesglück bei solch einem Treffen. Wünschen würde er es sich.

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