Kurz vor 9 Uhr herrschte im Verkehrshaus der Schweiz ein geschäftiges Treiben. Zahlreiche Mitarbeitende wuselten durch den kürzlich fertiggestellten Neubau des Museums, das «House of Energy». Neben einer gewissen Anspannung lag auch eine freudige Erwartung in der Luft. Denn am Montag wurde das Gebäude mitsamt der neuen Ausstellung «Experience Energy!» eröffnet – mit dabei waren mehrere Hundert geladene Gäste, ein Schaulaufen illustrer Namen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Das kommt nicht von ungefähr. Das «House of Energy» soll nämlich mehr als nur die Bühne für eine neue Ausstellung sein. Verkehrshaus-Direktor Martin Bütikofer betonte mehrmals: «Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der Studierende und Forschende in den Dialog mit der Bevölkerung treten können.» Oft sei er gefragt worden, weshalb sich das Verkehrshaus ausgerechnet dem Thema Energie widme. «Dabei hat Energie zu hundert Prozent mit Mobilität zu tun», führte er aus.
Aktuelles Thema statt historische Technik
«Wir hätten uns auch dafür entscheiden können, ein neues Haus für alte Lokomotiven zu bauen. Es gäbe auch unzählige alte Velos, die wir noch nicht haben», sagte Bütikofer mit einem Schmunzeln. Potenzielle historische Ausstellungsstücke gebe es mehr als genug – auch entsprechende Angebote. Der Direktor hielt fest:
«Das sind alles tolle Hobbys. Nur bringen sie uns als Gesellschaft nicht weiter.»
Insgesamt hat das Verkehrshaus rund 30 Millionen Franken ins «House of Energy» investiert, das die alte Schienenhalle 1 von 1959 ersetzt. Ein Teil der Objekte soll im geplanten Neubau der Schienenhalle 2+3 Platz finden. Über dem Ausstellungsraum im Erdgeschoss wurden zudem drei Stockwerke für Büro- und Konferenzräume sowie Sitzungszimmer realisiert. Eines der Stockwerke wird die Verkehrshaus-Administration selbst nutzen – im Sommer soll es zum Umzug vom bestehenden Hochhaus in den Neubau kommen.
Die restlichen beiden Stöcke sollen an Verkehrshaus-nahe Institutionen vermietet werden. Im Untergeschoss befindet sich die neue Energiezentrale, die künftig rund 80 Prozent der Energie für das Museum liefern soll. Teil des Projekts war zudem die Schaffung eines zusätzlichen Eingangs Richtung Haldenstrasse.
Piccard will ideologische Grabenkämpfe überwinden
Bei der Ausstellung «Experience Energy!» ist der Name Programm: An etwa einem Dutzend Stationen können Besucherinnen und Besucher auf haptische und spielerische Art verschiedene Aspekte des Themas erkunden. Besonders spannend ist die Hebebühne, welche die Arbeit an Strommasten erfahrbar macht – empfehlenswert für Schwindelfreie.
Als Gesicht der neuen Ausstellung tritt der bekannte Lausanner Abenteurer Bertrand Piccard auf. Ein Hologramm desselben begrüsst die Gäste mit einem Animationsfilm, der zeigt, wie die Schweiz 2050 nach der erfolgreichen Energiewende aussehen könnte. Der echte Bertrand Piccard war am Montag ebenfalls da. Er richtete engagierte Worte ans Publikum:
«Energie ist das Abenteuer des 21. Jahrhunderts. Es gibt zu viele Lösungen für die Energiewende, um keine Hoffnung zu haben.»
Piccard zeigte Unverständnis gegenüber den «ideologischen Grabenkämpfen» in der Energiepolitik – er wischte sie mit einer lockeren Handbewegung und geradezu utopischem Optimismus vom Tisch.
An den Gesprächsrunden im Filmtheater betonten Forschende, wie wichtig es sei, dem abstrakten Thema Energie eine Bühne zu geben, um sie insbesondere jüngeren Generationen näherzubringen. Auch Nationalratspräsident Martin Candinas (Mitte) hielt fest: «Das ‹House of Energy› ist kein Denkmal der Energie, kein verstaubtes Museum, sondern ein Ort, der Aha-Erlebnisse generieren soll.»
Martin Bütikofer ergänzte, dass sich die Ausstellung stets weiterentwickeln soll. Wenn eine der Partner-Hochschulen eine neue Erkenntnis zu verkünden habe, könne diese hier präsentiert werden. «Forschungsergebnisse sollen nicht im Sitzungszimmer bleiben.» Entsprechend befinden sich die meisten Stationen auf Rädern, sodass die rund 600 Quadratmeter variabel bespielt werden können – und die Ausstellung in Bewegung bleibt.