Wer schon einmal aus dem Raum Allmend/Kriens/Horw zum Luzerner Bahnhof gefahren ist, kennt ihn nur zu gut: den zweispurigen Bundesplatz-Kreisel. Für Autos ist er anspruchsvoll – und für Velos gefährlich. Doch das wird sich bald ändern. Das Stadtparlament hat am Donnerstag einen Baukredit von 8,6 Millionen Franken für eine Veloumfahrung des Bundesplatzes bewilligt.
Velofahrerinnen und Velofahrer können künftig stadteinwärts bei der Neustadtstrasse auf einen separaten Veloweg wechseln. Dieser führt den Bahngleisen entlang bis zur Zentralstrasse. Den berüchtigten Bundesplatz-Kreisel wird man höchstens noch von weitem sehen.
Baustart im Sommer 2025
Die Planungen für diesen kurzen «Velo-Bypass» waren komplex. Es brauchte Verhandlungen mit mehreren Grundeigentümern sowie den SBB, zudem sind Anpassungen bei einzelnen Gebäuden und die Verschiebung eines Trottoirs nötig. Die Bauarbeiten sollen im nächsten Sommer starten, sofern gegen den Kredit nicht das Referendum ergriffen wird.
Die Notwendigkeit einer Veloumfahrung Bundesplatz war im Parlament wenig bestritten. Daniel Gähwiler (SP) sagte, dass es der Bundesplatz sogar in die Top 14 der schweizweit gefährlichsten Velokreuzungen geschafft habe. Das sei ein «Skandal».
Auch für Anna-Sophia Spieler (FDP) ist klar: «Es besteht dringender Handlungsbedarf.» Und Patrick Zibung (SVP) sagte: «Dort wo sinnvoll, ist die SVP durchaus für neue Velowege.» Und im Fall des Bundesplatzes sei dies definitiv sinnvoll. Ausserdem würden auch die Autofahrer profitieren, wenn auf dem Bundesplatz-Kreisel weniger Velos unterwegs sind.
Die Kehrseite sind allerdings die hohen Kosten von 8,6 Millionen Franken für 300 Meter Veloweg. Und später könnten sogar noch weitere 3,2 Millionen hinzu kommen. Der Grund: Der Veloweg führt über ein Areal, das zurzeit brachliegt, später aber überbaut werden soll. Das Hochhaus-Projekt «Luegisland» ist wegen Einsprachen seit Jahren blockiert. Sollte die Überbauung eines Tages realisiert werden, braucht es nachträglich grössere Anpassungen beim Veloweg.
Mitte sagt Nein zum neuen Veloweg
Für die Mitte sind die Kosten insgesamt viel zu hoch. Deshalb lehnte sie den Kredit als einzige Fraktion geschlossen ab. Auch zwei FDP-Mitglieder stimmten Nein. Luzi Meyer (Mitte) sprach von «exorbitanten Kosten». Er rechnete vor, dass ein Meter Veloweg bis zu 40’000 Franken koste, was ein Vielfaches der üblichen Kosten für solche Projekte sei. Eine solche «Luxusvariante» brauche Luzern nicht.
Die hohen Kosten wurden zwar von allen kritisiert – doch die Mehrheit fand, dass es keine billigere Lösung gibt, um die Sicherheit zu verbessern. Judit Aregger (Grüne) sagte: «Bisher wurden Velowege vor allem dort gebaut, wo es einfach war.» Beim Bundesplatz habe sich die Stadt nun eine richtige Knacknuss vorgenommen – dafür sei auch der Nutzen besonders gross. «Und das kostet halt.» Zudem: Wegen der Bautätigkeit in Luzern Süd werde der Veloverkehr auf der Achse Freigleis-Bundesplatz-Bahnhof künftig noch stark zunehmen.
«Wir warten schon zu lange»
Mobilitätsdirektor Marco Baumann (FDP) verteidigte die hohen Kosten: «Wir bauen in einem hoch komplexen Umfeld.» Deshalb sei der Bundesplatz auch nicht mit anderen Projekten vergleichbar. Eigentlich, so liess Baumann durchblicken, müsste der Kanton als Eigentümer des Bundesplatz-Kreisels für mehr Verkehrssicherheit sorgen. «Doch wir warten schon zu lange auf eine Neugestaltung.»
Deshalb müsse die Stadt selber vorwärtsmachen. «Ich hoffe, dass sich dann mehr Menschen trauen, auf dieser Strecke das Velo zu nehmen», so Baumann. Die drohenden Zusatzkosten von bis zu 3,2 Millionen Franken wegen der geplanten Überbauung seien lediglich eine «Worst-Case-Betrachtung». Es sei im Moment noch völlig offen, ob und wie diese Kosten jemals anfallen werden. Tatsächlich ist zurzeit unklar, wie es mit dem Projekt «Luegisland» weitergeht. Geplant sind dort zwei 32 und 35 Meter hohe Wohn- und Geschäftshäuser. Das Bundesgericht hat die Bauherrschaft 2023 angewiesen, den Gestaltungsplan zu überarbeiten .


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