Ziemlich abrupt endet heute die zwei Kilometer lange Veloachse Freigleis beim Neubad. Das soll sich ändern: Der Stadtrat plant eine direkte Weiterführung des Fuss- und Velowegs über die Gleise der Zentralbahn zur Fruttstrasse hinüber – dazu ist eine neue, stützenfreie Brücke notwendig. Für den Wettbewerb und die Projektierung beantragt der Luzerner Stadtrat dem Stadtparlament einen Sonderkredit über 1,75 Millionen Franken, wie einem am Freitag veröffentlichten Bericht und Antrag zu entnehmen ist.

Mit der Brücke will der Stadtrat eine Lücke im Velohauptrouten-Netz gemäss Richtplan schliessen. Denn während der Anschluss vom Freigleis in Richtung Innenstadt via Neustadtstrasse komfortabel ist, führt jener in Richtung Tribschen-Quartier via die unübersichtliche Steghof-Kreuzung und den engen Geissensteinring. Dazu kommt: Durch die neuen Wohn- und Gewerbebauten auf dem EWL-Areal, an der Industriestrasse und im Tribschen-Quartier wird der Veloverkehr weiter zunehmen. Schon heute verkehren auf dem Freigleis pro Tag bis zu 3000 Radfahrende.
Doch eine sicherere und etwas direktere Verbindung für Velofahrende sowie Fussgängerinnen und Fussgänger ist nicht der einzige Grund für das Bauwerk. Unter der Fahrbahn sind grosse Rohrleitungen für den Wärmeverbund See-Energie vorgesehen. Damit können die künftigen Energiezentralen Kleinmatt und Bruch an das Netz angeschlossen werden. Es handelt sich gemäss einer von EWL in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie um die Bestvariante zur Überwindung des Gleisfeldes. Die Brücke wird laut Stadtrat also «einen wesentlichen Beitrag» zum klimaneutralen Netto-Null-Ziel der Stadt Luzern bis 2040 leisten.
Die geplante Freigleisbrücke ist auch Teil des sogenannten Schlüsselareals Steghof. Die erste Etappe mit dem EWL-Areal und der Industriestrasse wird derzeit realisiert. Die zweite Etappe betrifft die Entwicklung des Areals Kleinmatt-/Bireggstrasse beim Neubad in den Jahren 2030 bis 2035. Die dritte Etappe umfasst die Entwicklungsflächen entlang der Gleise und folgt erst nach Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs. Auf diesen ist das auf einer Studie von 2021 basierende Brücken-Vorprojekt abgestimmt.
Darum macht die Stadt Dampf
Der Zeitplan ist allerdings ambitioniert: Um die städtebauliche und denkmalpflegerische Eingliederung des Brückenbauwerks zu gewährleisten, steht 2026/27 der Wettbewerb an. Anschliessend sollen bis 2029 die Projektierung und ab 2030 der Bau folgen. Im besten Fall könnte die Freigleisbrücke 2031/32 in Betrieb genommen werden – und das ist laut dem Stadtluzerner Umwelt- und Mobilitätsdirektor Marco Baumann (FDP) unabdingbar, denn: «Es bestehen zeitliche Abhängigkeiten zwischen den neuen Rohrleitungen der Brücke und den geplanten Energiezentralen Kleinmatt und Bruch. See-Energie leistet zudem einen wichtigen Beitrag, damit die Stadt das Null-CO2-Ziel bis 2040 erreicht.»
Zwar könnten allfällige Einsprachen das Projekt verzögern, doch Baumann ist guter Dinge: «Wir stehen mit den betroffenen Grundeigentümern in einem guten Austausch und die wichtigsten Stakeholder sind informiert.»
Kosten von rund 8 Millionen erwartet
Die Gesamtkosten der Brücke werden derzeit auf rund 8 Millionen Franken geschätzt. Über den eigentlichen Baukredit wird der Grosse Stadtrat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.
Ganz neu ist ein Brückenbauwerk in diesem Bereich nicht: Während 113 Jahren – bis 2010 – fuhr die Zentralbahn hier auf dem alten Trassee von der Steghof-Böschung über eine Brücke in das Gleisfeld hinunter.


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