Seit drei Monaten «Vater», seit drei Monaten ein «Elternteil». Es sind Begriffe, mit denen ich mich noch nicht wirklich identifizieren kann, obwohl mich mein Sohn jeden Morgen aus seinem Bettchen anlächelt. Es liegt wohl daran, dass ich täglich Neues lerne – und bekannte Dinge neu erlernen muss.
Zum Beispiel, wie ich mich in meiner Heimatstadt fortbewegen kann. Eine altbekannte Abkürzung über eine Treppe oder eine enge Gasse? Plötzlich keine Option mehr, wenn man einen Kinderwagen vor sich herschiebt. Und beim Aussteigen aus dem Bus fällt einem plötzlich auf, wie viele Bäume genau vor der Bustür gepflanzt werden.
Durch solche Erlebnisse habe ich eine neue Wertschätzung für die Bemühungen im Bereich der Barrierefreiheit bekommen. Vor einigen Monaten hörte ich jemanden sagen, das koste zu viel und betreffe nur wenige. Davon abgesehen, dass die Anzahl der Betroffenen keine Rolle spielen sollte, ist die Überlegung sowieso falsch: Zugänglichkeit hilft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Familien.
Ein weiteres Problem bei meiner neuen Mobilität mit meinem noch sehr immobilen Sohn: der Windelwechsel. Dass ich mich dafür immer wieder in die Toiletten des anderen Geschlechts wagen muss, ist ziemlich vorgestrig – besonders in neueren Gebäuden, wo man einen Wickeltisch in beiden Toiletten hätte einplanen können. Wenigstens zeigen die allermeisten Frauen Verständnis dafür, wenn ich und der kleine Mann in meinem Arm dort hereinspazieren.
Doch auch der Platz ist oft sehr eng bemessen. Ich erwarte keine meterweiten Flächen, aber wenn ich mit beiden Ellbogen die Wände links und rechts von mir berühre, fühlt sich das doch etwas klaustrophobisch an. Würde mein Sohn dann noch gleich eine zweite Ladung nachliefern, wäre ich dieser schutzlos ausgeliefert.
Bisher hat er uns glücklicherweise verschont. Zumindest, während wir unterwegs waren. Ersatzkleider sind trotzdem immer im Gepäck – für den Fall der Fälle. Auch das lernt man. Vielleicht werde ich mich wie ein «Vater» fühlen, wenn ich genug solche Erfahrungen gemacht habe.
In der Kolumne «Familiensache» schreiben Redaktorinnen und Redaktoren aus der Zentralschweiz über ihren Alltag als Eltern.

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