Es liegt ein Gefühl der Vorfreude und der Neugierde in der Luft, während die Gäste mit dem Sonnberg-Bähnli auf das Krienser Sonnenberg-Areal fahren. Dort hat das älteste fahrende Varieté-Theater der Schweiz seit Freitag seine Zelte und Wagen aufgeschlagen. Mit dem Premierenpublikum erscheint auch eine Expeditionsgruppe in nostalgischer Kleidung.
Das diesjährige Programm kreist thematisch um eine Expedition in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Schein und Sein verschwimmen. Es geht um Orientierung in einer verwirrenden Informationsflut, um innere Reisen und die Erkenntnis, dass manchmal auch der Umweg das Ziel sein kann. Eine Botschaft, die aktueller kaum sein könnte – und vom Varieté Caleidoskop mit Leichtigkeit, Humor und zauberhafter Bühnenkunst vermittelt wird.
Zwischen Leidenschaft und Kreativität
Drinnen taucht das Publikum in eine geheimnisvolle Szenerie ein: Weisse Tücher verbergen die Bühnenelemente, hinter denen vorerst schemenhafte Silhouetten zu erkennen sind. Der Luzerner Künstler Christoph Spielmann, als Expeditionsteilnehmer mit Notizbuch ausgestattet, notiert: «Wo bin ich gelandet? Am Rande der Existenz, wo die Zeit stillsteht.»
Aus den Stoffschleiern treten Koffer hervor, die plötzlich eigenständige Wesen zu sein scheinen. Ripley Burns, die aus den USA stammt, bringt einen kleinen und einen grossen Koffer auf zwei Beinen zum Tanzen. Mit leidenschaftlichem Einsatz und sprühender Kreativität zeigen alle Mitwirkenden ihre Kunststücke, die das Publikum mit grossem Applaus belohnt. Sky Flow aus England begeistert etwa mit kunstvoller Jonglage, einer energiegeladenen Darbietung an mehreren Hula-Hoop-Reifen und einer eleganten Choreografie mit Bändern. Für viel Gelächter sorgt die Poledance-Nummer an der Stange.
Seit 2019 liegt die künstlerische Leitung des Theaters in den Händen der Luzerner Musikerin Claudia Kienzler, die nicht nur an der Violine, sondern an zahlreichen weiteren Instrumenten brilliert. Zusammen mit Roman Gomez aus Argentinien, der Klavier, Gitarre und Bandoneon spielt, sorgt sie für die musikalische Untermalung, welche die artistischen Höhepunkte atmosphärisch perfekt begleitet. Regisseur Philipp Boë gelingt es einmal mehr, verschiedene Bühnendisziplinen raffiniert zu verweben und eine Geschichte zu erzählen, die berührt und unterhält. Abgerundet wird das Varieté-Erlebnis durch ein exzellentes dreigängiges Menü.
Aufführungen bis am 16. August auf dem Sonnenberg in Kriens. www.caleidoskop.ch

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