Statt ins Schulzimmer geht es für die Schulkinder aufs Ratzi oberhalb von Spiringen. Während drei Wochen, vom 18. Mai bis 3. Juni sind insgesamt 200 neun- bis zwölfjährige Kinder unterwegs, die gut vorbereitet an den diesjährigen Bergvogelabenteuern teilnehmen. Ziel ist es, die Bergvögel nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität kennenzulernen. Auch die Ansprüche der Arten an den Lebensraum kommen zur Sprache und die Frage, wie wir Menschen uns rücksichtsvoll in der Natur bewegen können.
Im Naturfreundehaus Rietlig werden die Kinder vom Leitungsteam der Vogelwarte Sempach und den Gastgebern des Hauses begrüsst und in den heimeligen Zimmern einquartiert. Bereits beim Kennenlernspiel und der rasanten Bergvogelrally ist ornithologisches Gespür gefragt. Spielerisch lernen die Kinder die Umgebung kennen und üben den Umgang mit Feldstecher und Fernrohr.
In den Wiesen oberhalb des Hauses entdecken die Schülerinnen und Schüler Bluthänflinge und Stieglitze, auf der Abendexkursion vernehmen sie aus dem Wald Buchfinken, Sing- und Misteldrosseln. Ein Glück, dass im Naturfreundehaus ein stärkendes Nachtessen wartet, mit dem die in die «Feldarbeit» investierte Energie wieder gedeckt werden kann. Beim abschliessenden Abendquiz staunen die Kinder über die Superkräfte der Vögel.
Früh aufstehen
Am nächsten Morgen ziehen die Klassen früh los, angeleitet vom Vogelwarteteam. Noch sind nicht alle Sinne wach. Aus dem Bergwald sind Tannenmeisen, Winter- und Sommergoldhähnchen sowie eine Heckenbraunelle zu hören. An der oberen Waldgrenze rufen ein Kuckuck und mehrere Ringdrosseln. Langsam lässt die Konzentration nach. Plötzlich jedoch ertönt aus den Heidelbeerstauden auf einer offenen Fläche ein Kullern und Zischen. Erste Kinder entdecken grosse, schwarze Vögel mit roten Augenpartien. Es wird still. Fast schon andächtig beobachtet die Klasse die Birkhähne, die mit aufgefächerten Schwanzfedern stolzieren, hüpfen und sich präsentieren – spätestens jetzt ist die Müdigkeit verflogen.
«So cool!»
Die Bergvogelexkursionen hinterlassen vielfältige Eindrücke und ein geschärftes Bewusstsein für die Bergvogelarten vor der Haustüre, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung der Dätwyler Stiftung und der Vogelwarte Sempach. Das zeigen Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler der 3. bis 6. Klasse aus Isenthal: «So cool, dass wir so viele Vögel gesehen haben!», sagt Aline. Remo lobt das sehr feine Essen. Für Nik und Tim waren die Steinhühner das Highlight. «Ich hatte nicht gewusst, dass die Steinadler so grosse Reviere haben», sagt Lucas. Lia empfand es als schön, den Birkhahntanz mit dem Feldstecher zu beobachten.
Exkursion für zehn Urner Klassen
Das Bergvogelangebot im Schächental der Schweizerischen Vogelwarte Sempach ermöglicht Urner Schülerinnen und Schülern der 3. bis 6. Primarstufe ein zweitägiges Naturerlebnis. Zehn Klassen entdecken im Gebiet Ratzi-Gisleralp-Chinzig Chulm unter fachkundiger Leitung die Vielfalt der Bergvögel und deren Lebensräume. Die Exkursion mit Übernachtung verbindet Artenkenntnis, ökologische Zusammenhänge und praktische Naturerfahrungen. Die Kinder lernen den Umgang mit Feldstecher und Fernrohr, reflektieren den Einfluss des Menschen auf alpine Lebensräume und entwickeln ein Bewusstsein für Biodiversität und Naturschutz. Möglich ist dieses kostenlose Angebot dank der Zusammenarbeit der Vogelwarte Sempach mit der Dätwyler Stiftung. (MZ)
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