Markus Zwyssig
Sie kommen unangemeldet. Trotzdem werden Morena Marcacci und Franziska Gutknecht-Schärer an diesem Nachmittag im Hotel Höfli in Altdorf freundlich begrüsst. Sie kontrollieren, ob die Plakate mit den Coronaschutzmassnahmen und Desinfektionsmittel vorhanden sind. Ebenfalls wird darauf geachtet, ob die Maskenpflicht eingehalten wird. Zum Zeitpunkt der Kontrolle ist nur gerade ein Gast im Restaurant. Die Abstände zwischen den Tischen werden kontrolliert. Maximal dürfen vier Personen zusammen sitzen. Auf die Schutzmassnahmen wird im Hotel offensichtlich viel Wert gelegt. Eine der beiden anwesenden Serviertöchter sagt, dass man den Gästen die Hände desinfiziere, bevor man ihnen die Speisekarte überreiche.
Morena Marcacci und Franziska Gutknecht-Schärer sind zufrieden. Sie stellen nach ein paar Minuten fest, dass alles in bester Ordnung ist. Ein kurzes Gespräch gibt es über das Erfassen der Gästedaten. Die einen füllen dazu ein Blatt handschriftlich aus. Die Möglichkeit besteht aber auch, sich über eine von Gastro Uri empfohlene App zu registrieren. Franziska Gutknecht-Schärer macht dabei darauf aufmerksam, dass es nicht nur wichtig sei, sich zu registrieren, sondern sich beim Verlassen des Gastbetriebs auch wieder abzumelden. Nur so könne sichergestellt werden, dass ein Gast auch tatsächlich über die effektive Zeitspanne, in der er im Restaurant war, erfasst werde. Genaue Zeitangaben seien für ein allfälliges Contact-Tracing wichtig.
Die beiden Frauen sind viel unterwegs. Sie kontrollieren nicht nur in Restaurants und Hotels, ob die Schutzmassnahmen eingehalten werden, sondern auch in Einkaufsläden, sind bei kleinen und grossen Betrieben und Unternehmen. «Meistens werden wir freundlich empfangen», sagt Morena Marcacci. Franziska Gutknecht-Schärer sagt, Informationsbedarf bestehe vor allem, wenn es neue Regelungen gebe. Wenn jemand einen Betrieb eröffne, sei er vielfach sogar froh, wenn bei ihm kontrolliert werde. «Der Betreiber eines neuen Ladens oder eines Restaurants will sich absichern, ob die getroffenen Coronamassnahmen richtig sind.» Aber auch für einen Traditionsbetrieb sei das Okay bei einer Kontrolle eine Bestätigung, dass man bei den Schutzmassnahmen alles richtig mache.
Bei schwierigeren Fällen wird die Polizei gerufen
Die beiden Kontrolleurinnen geben vor allem Tipps, was die Betriebe besser machen könnten. Sie weisen auf fehlende Schutzmassnahmen hin. Bussen verteilen dürfen sie aber nicht. Und was passiert, wenn sich jemand nicht an die geforderten Massnahmen hält? Dann gibt es eine zweite oder dritte Kontrolle. Die Polizei wird beigezogen. In Einzelfällen ist es auch schon zu Verzeigungen gekommen (siehe Box).
Manchmal wird die Kontrolle zur Betriebsbesichtigung
«Ich lebe noch nicht so lange im Kanton Uri», sagt Franziska Gutknecht-Schärer. Für sie ist daher vieles neu, durch die Kontrollen lerne sie den Kanton kennen.
«Ab und zu ist ein Inhaber richtig stolz, seine Firma zu zeigen. Die Kontrollen werden dann fast schon zu Firmenbesichtigungen.» Für sie ist jedenfalls klar: «Wir können hinter die Fassaden blicken, was sonst in den Betrieben wohl nicht immer ohne weiteres möglich ist.»
Und wie kamen die beiden Frauen zu ihrem Kontroll-Job? Morena Marcacci war Oberstufenlehrerin und arbeitete lange Zeit in der Tourismusbranche. Franziska Gutknecht-Schärer arbeitete bei Harley Davidson in Thun. Sie macht die Ausbildung als Fahrlehrerin. Dadurch ist sie auch im Kontakt mit dem Schwerverkehrszentrum in Erstfeld. Dort ist zurzeit noch der Sitz der Corona Infoline Uri. Bald folgt jedoch der Umzug in Räumlichkeiten des Kantonsspitals Uri.
«Wir haben bis heute rund 800 Kontrollen durchgeführt. Zudem wurden von uns zirka 2300 Anfragen per Telefon oder E-Mail beantwortet», sagt Cristovao Celestino, Leiter der Corona Infoline Uri. Der 20-Jährige wohnt in Schattdorf. Nach erfolgreichem KV-Lehrabschluss in der Dätwyler Schweiz AG konnte er per Ende Juli die Leitung der Corona Infoline übernehmen und so den Sonderstab entlasten.
Im Sommer sei die Lage ruhig gewesen und viele Bürger hätten allgemeine Fragen zu den Schutzkonzepten gestellt, so Celestino. «Das betraf alles: von Goa-Partys bis zu Gottesdiensten.» Auch in Uri ist die Lage zurzeit angespannt, die Arbeit fällt nicht immer leicht. «Viele sehen den Sinn und Zweck der Schutzmassnahmen nicht mehr», sagt Celestino. Am Telefon bekomme er nicht nur schöne Sachen zu hören. Da werde schon mal von Diktatur und Bevormundung gesprochen. Da wird beispielsweise gefragt, weshalb eine Gemeindeversammlung mit 100 Personen in der Kirche stattfinden kann. Für den Gottesdienst sind hingegen nur maximal 30 Personen zugelassen. Dann verweist Celestino auf die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit: «Wir setzen um, was der Bund von uns verlangt.»
«Es sind herausfordernde Zeiten für die Gastronomie», sagt Joe Herger, Präsident von Gastro Uri. «Trotz allem müssen wir positiv denken und vorwärts schauen.» Er hofft denn auch, dass die Gäste ihr Lieblingsrestaurant nicht vergessen werden. «Einen guten Erfolg haben wir mit den Gutscheinen von Gastro Uri erzielt. Diese sind bei allen Mitgliederbetrieben einlösbar.»
Hinweis: Die Gutscheine können auf der Website von Gastro Uri bestellt werden.




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