Griggeler, Pilatus oder «Hosäsäckler». Untergriff oder Obergriff. All diese Begriffe stammen aus dem Fahnenschwingen. Bis zu hundert verschiedene Schwünge gibt es, und diese sind in verschiedene Kategorien unterteilt. Kategorisiert wird in Unterschwünge, bei denen der Fahnenschwinger die Beine heben muss. Dann gibt es Leib- und Körperschwünge, Tellerschwünge, Mittelhochschwünge und Hochschwünge. Was auf den ersten Blick einfach aussieht, hat es jedoch in sich. Bernhard Schuler, Technischer Leiter Fahnenschwingen bei der Alphornbläser & Fahnenschwinger Vereinigung Uri (AFVU), leitete den Schnuppertag in Bürglen und erklärte als langjährig passionierter Fahnenschwinger, worauf es ankommt. Bei der Einführung schwangen fünf Mitglieder die Fahnen passend zur begleitenden Alphornmusik und gaben so einen kurzen Einblick, was auf die Teilnehmer zukommt.
Bevor alle passende Fahnen holen durften, mussten sie sich erst richtig einturnen. Schon hier zeigte sich, wie viel Wert auf Koordination und Flexibilität gelegt wird. Es wurde vom Fuss- bis zum Handgelenk alles verdreht und gewunden, damit die Fahnen später sauber fliegen. Gross und Klein liessen die Hüften kreisen, standen teils auf einem Bein und machten mit dem anderen Kreise, die immer kleiner wurden. Danach ging es ans Eingemachte. Schuler holte seine Fahne und erklärte die ersten wichtigen Punkte. «Fangt die Fahne nicht am Stoff auf, denn so kann sie kaputtgehen», erklärte er. Die Fahnen sind allesamt aus Seide angefertigt und können schnell reissen. Wenn sie hingegen auf den Boden fallen, passiert nichts. Werner Arnold, ebenfalls jahrelanger Fahnenschwinger im Verein, hatte extra noch einige Fahnen für den Schnuppertag angefertigt, damit auch die Kleinsten mitmachen konnten.
Üben macht den Meister
Die erste Übung konnten alle gut meistern. «Stellt euch gerade hin und streckt den rechten Arm aus und dann hoch», wies Schuler alle an. Dabei war es aber wichtig, dass die Hand den Schaft richtig hält. Es gibt nämlich eine Variante, bei der die Fahne mit den Fingern nach vorn gehalten wird, oder eben nach hinten. Dies hat einen grossen Einfluss auf den darauffolgenden Schwung. Dann übten alle erst einmal, die Fahne von einer Hand in die andere zu werfen. Und bereits hier folgten die ersten Themen wie Koordination und Geschicklichkeit. Die Fahne mit der schwächeren Hand aufzufangen, ist gar nicht so einfach. Und dann noch richtig, damit die Finger dorthin zeigen, wo sie sollten. Immer wieder polterte es in der Halle, weil eine Fahne den Boden küsste. Aber genau das machte es auch lustig. Mit der Zeit zeigten die Fahnenschwinger immer mehr Schwünge, bis am Schluss eine echte Choreografie entstand.
Nachwuchs gesucht
Die Förderung des Nachwuchses in diesem Nischensport ist dem AFVU ein grosses Anliegen. Einerseits fördert Fahnenschwingen Koordination und Geschicklichkeit und ist auch anstrengender, als man denkt. Andererseits erhalten Kinder hier die Möglichkeit, in einen Verein einzusteigen, der einen äusserst kameradschaftlichen Umgang pflegt. Die älteren Fahnenschwinger wiesen die Kinder sehr gewissenhaft ein und motivierten sie stets, wenn auch mal etwas nicht so lief, wie es sollte. Gerade Kinder, die vielleicht nicht überall sofort ihren Platz finden, können in einem solchen Verein viel Halt finden. Denn hier wird jedes Kind individuell gefördert, und das mit viel Hingabe und Freude. Für Schuler war es ein gelungener Anlass. «Es macht einfach Spass», fand er und freute sich über so viele Interessierte.
Am 1. Juli 2026 findet in Erstfeld ein weiterer Schnupperabend statt. www.afvu.ch


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