Luzern

Unikate unter den Füssen – die Teppiche der Familie Kramis sind begehrt

In Altbüron setzt das Teppichunternehmen Kramis nur auf Handarbeit – seit über 30 Jahren. Ein Produkt liegt im Bundeshaus.
Ein Blick in die Produktion.
(Bilder: Pius Amrein (Altbüron, 17. Dezember 2020))
Die Familie Kramis: Sohn Tim, Vater Felix, Mutter Doris und Sohn Daniel in der Ausstellung der Firma.

Ernesto Piazza

Ernesto Piazza

Ernesto Piazza

Ernesto Piazza

In der Teppichmanufaktur der Firma Kramis Design AG in Altbüron herrscht reger Betrieb. Mehrere Leinenfäden, aber auch Leinen und Wolle werden zusammengezwirnt. Nur unweit davon entfernt sind Trägergewebe auf Rahmen aufgespannt. Mit einer Art Strickpistole wird das Garn Reihe für Reihe im Handtufting-Verfahren «draufgestickt».

Beim Finish schliesslich bekommt die Rückseite des Teppichs eine Beschichtung, die ihm die Festigkeit gibt. Dann wird er noch «frisiert» und fertig ist er.

«Viele unserer Produkte basieren auf Kundenwünschen», sagt Felix Kramis während des Rundgangs durch die Manufaktur. Er ist zusammen mit seiner Frau Doris der Inhaber der Firma. Dass er das macht, was er am liebsten tut, war wohl eine Fügung. Denn als er mit 20 Jahren nach einem Unfall seinem Maurerjob nicht mehr nachgehen konnte, trat Kramis in einer Teppichmanufaktur eine Stelle an. Seine damalige Freundin und jetzige Frau sei vor allem daran «schuld» gewesen, dass er diesen Schritt vollzog, erklärt er mit einem Schmunzeln. «Eigentlich wollte ich nie in einer Fabrik arbeiten.» Dann war er jedoch sieben Jahre beim Aufbau der Handtufting-Abteilung beteiligt.

Im Hobbyraum gestartet

Doch Kramis wollte selber Teppiche kreieren, moderne, stimmige Kollektionen entwerfen, sich weiterentwickeln. Und so gründete er 1987 mit seiner Frau das Familienunternehmen. Felix Kramis startete in seinem Hobbyraum, aber mit einer professionellen Ausrüstung, und stellte die ersten handgetufteten Teppiche her. Die Söhne Tim und Daniel kamen ebenfalls früh mit dem Handwerk in Berührung. Tim Kramis sagt: «Nach der Schule machten wir inmitten der Teppiche oft unsere Hausaufgaben.» Für ihn (Verkauf/Marketing) und seinen älteren Bruder Daniel (Fertigung/Logistik) war jedenfalls schnell klar, dass sie sich im Geschäft etablieren, es weiterführen wollen. Der Funke der Leidenschaft mit dem ihre Eltern das heute 14 Mitarbeiter zählende Unternehmen prägen, sprang schnell auf sie über.

Die Teppiche von Kramis kann man über Inneneinrichtungshäuser beziehen. «Wir haben schon welche für Künstler hergestellt», so Felix Kramis. «Oft beraten wir potenzielle Kunden hier in Altbüron und schulen Kundenberater von Partnern, mit denen wir zusammenarbeiten, hier bei uns.» Weiter bildet die Kramis Teppich Design AG auch Lehrlinge aus – und zwar Textilpraktiker sowie Textiltechnologen.

Ein Teppich liegt im Bundeshaus

Die Produkte des Kleinunternehmens aus Altbüron sind gefragt. «Einige der 100 reichsten Schweizer, wie sie jeweils in der ‹Bilanz› aufgelistet sind, haben ebenfalls einen unserer Teppiche bei sich zu Hause», weiss Felix Kramis. Auf der Referenzliste findet man auch verschiedene Banken und Hotels. Eines der Produkte liegt zudem im Bundeshaus. «Ebenfalls dürfen wir die Schweizer Botschaften beliefern», erzählt Tim Kramis. «Im Tessin hatten wir das Privileg das ehemalige Haus des verstorbenen Beatles George Harrison einzurichten», so sein Vater.

Bei den Standardprodukten ist der «Blues» der absolute Renner. Aber auch der «Rock», der «Jazz» oder der «Funk» verkauften sich gut, betont der Seniorchef, der notabene ein grosser Musikfan ist. Und weiter sagt er: Die Coronakrise hätten sie zwar auch gemerkt. Doch vor allem dahin gehend, dass der Endkunde wieder vermehrt in der Schweiz produzierte Teppiche kauft. Die Schurwolle für ihre Teppiche bezieht die Firma, ausschliesslich von lebenden Schafen geschoren, aus Neuseeland und Australien.

Felix Kramis ist sich natürlich bewusst, dass zuweilen auch Luxusprodukte den Betrieb in Altbüron verlassen. «Uns ist es aber stets ein grosses Anliegen, die Kosten der Teppiche ehrlich zu berechnen.» Nach 33 Jahren sei das ehemalige No-Name-Geschäft in der Branche etabliert, sagt ein zufriedener Felix Kramis. Mehr noch: Die Altbüroner Firma ist mit seinen vielen Unikaten nicht nur in einer Nische positioniert, sie ist auch der einzige Betrieb in der Schweiz, der 100 Prozent auf Handtufting setzt.

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