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Aus dem Campervan

«Unabhängigkeit bedeutet alles»: Nach einem Zwischenhalt in der Schweiz sind Ronny und Xenia wieder unterwegs

Ronny Arnold und seine Frau reisen mit ihrem Van durch Europa. Für einige Wochen machten sie Zwischenstation in der Schweiz.

Kurz vor Weihnachten sind Xenia und ich mit unserem Van «Elsa» wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Wir haben die Festtage mit unseren Familien gefeiert, Freunde getroffen und uns für ein paar Wochen in einer kleinen Wohnung in Seedorf temporär eingemietet. Im Januar habe ich fünf Wochen lang an einer Stadtzürcher Schule unterrichtet und zwischenzeitlich zudem meine Masterarbeit präsentiert. Diese Präsentation war ein fixer Termin in unserer ansonsten sehr flexibel anpassbaren Agenda, und deshalb konnten wir uns schon bald wieder auf die Planung unserer Weiterreise durch Europa fokussieren.

Ronny Arnold.
Bild: Bild: PD

Schnell stand für meine Frau und mich fest, dass es nochmals nach Spanien gehen sollte. Bei unserem letzten Besuch hatten wir dort unseren Van fachmännisch neu lackieren und einige Roststellen – bis jetzt erfolgreich – bekämpfen lassen. Deshalb konnten wir das Land im vergangenen Herbst gar nicht richtig bereisen. Der Drang, wieder etwas mehr Sonne und Wärme zu tanken, wurde von Tag zu Tag grösser.

Am Dienstag vor der Fasnacht konnten wir endlich wieder losfahren. Unser Ziel: Tarifa. Die südlichste Stadt Europas war immer wieder Schauplatz historischer Ereignisse – nicht zuletzt aufgrund ihrer strategisch bedeutenden Lage an der engsten Stelle der Strasse von Gibraltar. Bei normaler Reisegeschwindigkeit und ohne zeitlichen Druck hätten wir eine Woche benötigt, um ans Ziel zu gelangen. Diesmal hatten wir jedoch nur drei Tage Zeit, denn bereits am Freitag war in Tarifa die Geburtstagsparty von Tim geplant, den wir im Oktober 2022 in Frankreich kennen gelernt hatten. Gemeinsam mit vielen weiteren «Vollzeitreisenden» sollte ein Wiedersehen stattfinden. Im November 2022 hatten Xenia und ich die Reisegruppe verlassen, der auch Tim angehörte und die damals gemeinsam durch Portugal und Spanien reiste. Die knapp 2200 Kilometer von Seedorf nach Tarifa haben wir tatsächlich in drei Tagen geschafft. Gewiss war es für Thanos – unseren griechischen Strassenhund – eine nicht sonderlich angenehme Erfahrung. In Spanien wurde er jedoch von seinen Spielkameraden Mali, Fiete und Wilma herzerwärmend empfangen.

Xenia Stutz und Ronny Arnold vor ihrem umgebauten Mercedes-Bus.
Bild: Bild: PD

Bereits am Freitagmorgen durfte Geburtstagskind Tim – ein bekennender Werder-Bremen-Fan – seine erste von insgesamt 25 Sockenaufgaben lösen. In 25 aufgehängten Socken versteckten sich unterschiedlichste Aufgaben. Schaffte er es nicht, musste er einen «Kurzen» trinken. Für das Lösen der witzigen Aufgaben durfte er sich den ganzen Tag Zeit lassen, und abends sassen wir alle gemeinsam im Freien und feierten Tims Geburtstag bis kurz nach Mitternacht.

Für uns fühlte sich die Wiedervereinigung mit der Van-Gruppe wunderschön an, obwohl wir wussten, dass es nur bei einem kurzen Zusammensein bleiben würde. Unsere Reisebekanntschaften sind nämlich wenige Tage nach unserer Ankunft mit der Fähre nach Marokko gereist, um gemeinsam während drei weiteren Monaten das afrikanische Land zu erkunden. Für uns heisst es ab jetzt wieder: Wir sind nur noch für uns allein verantwortlich, müssen uns nicht (auch) nach anderen richten und können selber entscheiden, wie lange wir wo bleiben wollen. Und genau diese Freiheit macht unser Leben unterwegs durch Europa so spannend und abwechslungsreich. In diesem Sinne passt auch Oscar Wildes Zitat «Unabhängigkeit bedeutet alles».

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