Niels Jost
23.12 Uhr, Gemeindesaal Ballwil. Nach fast vier Stunden spricht CVP-Gemeindepräsident Benno Büeler das aus, was viele der 147 Stimmbürger im mittlerweile schwül-heiss gewordenen Saal herbeisehnen: «Wir kommen zur Schlussabstimmung.» Einstimmig und unter grossem Applaus wird die Revision der Ortsplanung am Montagabend gutgeheissen.
Wobei das glasklare Schlussresultat nicht über die vorausgehenden Diskussionen hinwegtäuschen darf – ebenso wenig über einen für viele Anwesenden überraschenden Beschluss. Dieser ging auf einem Antrag von Peter Kurmann, wohnhaft im Linggen, zurück. Die geplante Überbauung beim ehemaligen Belimed-Areal soll verkleinert werden.
Antrag: Gebäude sollen vier Meter kleiner werden
Konkret störten sich Kurmann und diverse Vorredner an der Gebäudehöhe der höchsten zwei Häuser von 23,5 Metern und an der Fassadenhöhe von 20,5 Metern. Diese würden nicht ins ländliche Dorfbild passen. Zudem sei es unfair, extra für das Projekt eine Zone zu schaffen, wo diese Gebäudehöhe erlaubt ist. Dadurch bestünde «keine Rechtsgleichheit», monierte Kurmann.
Sein Antrag lautete: Die zwei Gebäude dürfen maximal 16,5 Meter hoch werden, respektive 19,5 Meter, wie es die für das Gebiet geltende Gestaltungsplanpflicht ermöglicht. Die Höhe der hinteren sechs Häuser dürfe bei 17,5 Meter beibehalten werden. Das Anliegen unterstützten 73 Bürger, 65 hielten dagegen.
Bauherren müssen Projekt überarbeiten
Was heisst das nun für das Bauprojekt? Am Vorhaben möchten die Emmer Anliker AG und die Ballwiler Galliker AG festhalten, wie Bruno Eggenschwiler, Leiter Projektentwicklung bei der Anliker AG, sagt. Doch der Beschluss kam für ihn überraschend, wie an der Gemeindeversammlung (GV) zu sehen war. «Der gestrige Entscheid wird den Zeitplan verzögern und die Kosten weiter erhöhen», sagt Eggenschwiler.
Konkret wirke er sich auf die Gebäudehöhe und die Dachform der beiden Gebäude aus. Für diese müsse nun der Gestaltungsplan angepasst werden, welchen der Gemeinderat nach der Überarbeitung noch genehmigen muss. Ob die Anpassungen eine neue Auflage des Gestaltungsplanes bedeutet, muss noch abgeklärt werden, sagt Petra Jenni.
«Wir haben stets transparent kommuniziert»
Die CVP-Bauvorsteherin bedauert, dass das Grossprojekt an der GV schlecht geredet wurde. Den demokratisch gefällten Entscheid gelte es aber zu akzeptieren. Jenni hebt denn auch Positives hervor: «Die Ortsplanungsrevision wurde einstimmig genehmigt.»
Wieso aber die Gebäudehöhen nochmals diskutiert wurden, kann sie sich nicht erklären. «Wir haben im Vorfeld stets transparent kommuniziert.» Um sich die Dimensionen vorstellen zu können, habe der Gemeinderat von den Bauherren gar verlangt, das Projekt auszustecken, obwohl er dazu nicht verpflichtet gewesen wäre. Und mit den Einsprechern habe man bei den Verhandlungen um die Gebäudehöhen einen Kompromiss gefunden. «Daher haben wir diesen Widerstand an der Gemeindeversammlung nicht erwartet.»
Hat Gemeinderat richtig informiert?
Ähnlich erging es Nicole Waldispühl, Präsidentin der FDP-Ortspartei. «Bei der Abstimmung überwogen schliesslich die Emotionen statt die sachlichen Argumente der Projekt-Befürworter.» Am Vorgehen des Gemeinderats, wie er im Vorfeld informiert und die Bevölkerung miteinbezogen hatte, gebe es nichts auszusetzen. Vielmehr herrsche eine generell ablehnende Haltung in Teilen der Bevölkerung, was neue Projekte und Veränderungen am Dorfbild anbelange, findet sie.
Härter ins Gericht mit dem Gemeinderat geht Valentin Burch. Der Unternehmer hat an der GV den Anstoss für die Kritik an den Gebäudehöhen gegeben. Dies allerdings nicht als SVP-Mitglied, wie er sagt, sondern als Privatperson. «Ich habe im Vorfeld einen breiten Unmut in der Bevölkerung wahrgenommen. Der Gemeinderat hat am Volk vorbei politisiert.» Doch auch er sei über das Ja zu Kurmanns Antrag überrascht gewesen – im positiven Sinne. Wobei Burch betont: «Mir geht es nicht um Erfolg oder Misserfolg von Anträgen, mir ist eine breit abgestützte, politische Diskussion wichtig.» Doch hätte man diese nicht früher anstossen sollen? Das Thema habe er im vergangenen Jahr vermehrt angesprochen und die Leute dazu motiviert, ihre Meinung kund zu tun, beteuert Burch. «Doch die Gegenstimmen aus der Bevölkerung sind offenbar zu wenig durchgedrungen.»
Folgen hat die ebenso an der GV gutgeheissene Einsprache für die Aufzonung der Wohnbaugenossenschaft Ballwil. Hierfür ist voraussichtlich eine Teilrevision der Ortsplanung nötig, die erneut öffentlich aufgelegt und zur Abstimmung gebracht werden muss.

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