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Stadt Zug

Um das Gesundheitssystem zu entlasten: Pflegelotsen sollen Senioren vor verfrühten Heimeintritten zurückhalten

Die qualifizierten Lotsen sollen in Pflegeinstitutionen im stationären und ambulanten Bereich des ganzen Kantons agieren. Dabei sollen sie kurzfristig koordinieren und Unterstützung organisieren. Der Stadtrat beantragt dafür einen Kredit von rund 400’000 Franken.
Die Stadt Zug will mit einem Pilotprojekt dafür sorgen, dass Senioren nicht unnötig oder zu früh in Pflegeheime ziehen.
Bild: Stefan Kaiser (Baar, 28. 1. 2022)

Mit einem innovativen Projekt möchte die Stadt Zug das angespannte Gesundheitssystem sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich entlasten: das Pilotprojekt «Organisation Pflegenotfall durch Pflegelotsen». Es soll im Rahmen der Altersstrategie 2015 bis 2035 der Stadt Zug eine institutionsübergreifende, gezielte Vernetzung der geriatrischen Versorgung für Pflegenotfälle bezwecken. Das schreibt der Stadtrat Zug in einem aktuellen Bericht .

Doch in welchen Situationen spricht man von Pflegenotfällen? Beispielsweise, wenn ältere Personen nach einer Spitalbehandlung sowie aufgrund einer pflegerischen Unterversorgung in ihrem Zuhause in Pflegeheime eintreten, damit die Versorgung innert der gebotenen Zeit sichergestellt werden kann, wie im Bericht steht. Oft liege dazu keine medizinische Notwendigkeit vor und eine den Umständen geschuldete Versorgung könnte mit geeigneten ambulanten Massnahmen im gewohnten Umfeld der betroffenen Personen gewährleistet werden.

Die fachlich qualifizierten Pflegelotsinnen oder Pflegelotsen sollen bei dem Pilotprojekt als Mitarbeitende von Pflegeinstitutionen im stationären und ambulanten Bereich mit der Aufgabe betraut werden, kurzfristig koordinierte und bedarfsgerechte Unterstützung zu organisieren. «Dies, wenn beispielsweise eine Person das Spital verlassen muss, aber weiterhin auf angemessene Unterstützung angewiesen ist», erläutert der Stadtrat.

Für das Projekt beantragt er beim Grossen Gemeinderat der Stadt Zug (GGR) für die Jahre 2025 bis 2028 einen Kredit von 394’000 Franken.

«Den Verlust von Ressourcen verhindern»

Mit diesem Vorgehen sollen laut dem Stadtrat Behandlungs-und Betreuungswege institutionsübergreifend so gestaltet werden, dass die optimale Versorgung von älteren Klientinnen und Klienten auch in komplexen und dringenden Situationen gewährleistet werden kann. Die Massnahmen sollen aber auch gleichzeitig die Belastung einzelner Leistungserbringer reduzieren.

«Dank einer gezielten Auswahl und Organisation der Versorgungsangebote können Krisensituationen und Überforderungen von Betroffenen und Angehörigen vermieden werden, Spital-und Pflegeheimaufenthalte reduziert und der Verlust von Ressourcen verhindert werden», ist sich der Stadtrat sicher. Gleichzeitig werde mit dem Pilotprojekt das Ziel der überarbeiteten Altersstrategie 2023 bis 2035 , Pflege-und Betreuungsangebote zu überprüfen, anzupassen und langfristig zu sichern, umgesetzt.

Aktuell erfolge die Koordination von solchen Krisensituationen dezentral und zu wenig strukturiert. «Dies führt oft zu zeitaufwendigen und ineffizienten Abklärungsprozessen, bei denen die Versorgung nicht immer dem tatsächlichen Bedarf entspricht», steht weiter im Bericht. Zudem sei derzeit kein Alterszentrum im Kanton Zug beauftragt, Notfallkapazitäten bereitzustellen. Solche «Notfallbetten» müssten aber verfügbar sein, um die nötige Zeit bis zu einer situationsgerechten Lösung zu überbrücken.

Bisher gibt es keine vergleichbaren Lösungen

Die Stadt sehe im Rahmen des Projekt neben der organisierten Koordination im Pflegenotfall auch die Schaffung von notfallmässigen stationären Aufnahmekapazitäten in Langzeiteinrichtungen vor. Mit dieser Angebotskombination werde eine verlässliche und effiziente Versorgung sichergestellt und bestehende Lücken im System könnten geschlossen werden.

Das Projekt solle als kantonsweites Modell konzipiert werden und damit der gesamten Bevölkerung im Kanton zugutekommen. Die konzeptionelle Leitung, Organisation und Koordination jedoch solle bei der Stadt Zug bleiben. Gemäss dem Wissensstand des Zuger Stadtrats gäbe es bislang keine vergleichbaren Lösungen zur Vernetzung der geriatrischen Versorgung.

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