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Kolumne

«Ürner Asichtä»: Der April ist voller Wunder

Kolumnistin Fränzi Stalder über das Frühlingserwachen der Natur – und Gelaterias.
Fränzi Stadler.
Bild: zvg / Valentin Luthiger

Es gibt sie viel zu selten: Die unverplanten Wochenenden. Keine Termine, kein Wecker – nur ein Samstagmorgen, der mit Vogelgezwitscher vor offenem Fenster beginnt und erahnen lässt, dass der Frühling da ist. Die kitzelnden Sonnenstrahlen im Gesicht und die Vorfreude auf einen frisch gemahlenen Kaffee locken einem leicht aus dem Bett. Genau dann ist es Zeit, ohne grosse Vorbereitung draussen vor der Haustür einfach loszuziehen. Ein paar gute Schuhe an den Füssen und eine leichte Jacke sowie ein paar Snacks im Gepäck reichen vollkommen aus.

Beim Abstecher in den Wald riecht es nach feuchtem Moos, die jungen Bäume gedeihen und jedes Rascheln ist ein kleines Abenteuer. Wer langsam geht, sieht noch mehr: Eidechsen, die vorbeihuschen, oder vielleicht sogar ein scheues Reh, das sich versteckt. Auch ein Abstecher an den Urnersee ist verlockend. Nicht nur das satte Grün erwacht, sondern auch die Tiere sind zurück.

Da summt eine Biene, dort wirbeln Schmetterlinge durch die Luft. Im Reussdelta springt der Nachwuchs der schottischen Hochlandrinder vergnügt auf der Wiese umher, währenddessen am Ufer die Gänse lautstark schnattern. Die Blumen auf den Wiesen entlang der Flüsse und Bäche leuchten in wunderbaren Farben, Kirschblüten und Magnolien spriessen um die Wette. Man hat buchstäblich das Gefühl, sie live beim Erblühen beobachten zu können. Muhen und Meckern von Kühen und Ziegen, die ihren Stall nach der kalten Winterzeit wieder verlassen dürfen, sind zu vernehmen.

Ein Ausflug in die Höhe ist nie verkehrt. Wo der Föhn gute Arbeit geleistet hat, und die letzten Schneefelder bereits schmelzen liess, warten die Wanderwege auf die ersten Entdeckerinnen und Entdecker der Saison. Nicht die Leistung steht jetzt im Vordergrund, sondern der Genuss an der Bewegung und an der frischen Luft, um den Kopf freizubekommen. Wird man doch schneller müde als gedacht, nimmt man eine der vielen Luftseilbahnen.

Die Gemütlichen setzen sich im Dorf auf eine Bank und sonnen ihr Gesicht, bis es rosa wird. Vielleicht trifft man auf diese Weise bekannte Leute aus dem Ort, oder noch Unbekannte setzen sich daneben. In diesen Begegnungen liegt immer wieder ein besonderer Zauber. Man muss sich nur darauf einlassen.

Als Alternative schlemmt es sich bestens durch die Glacésorten. Vanille, Erdbeere oder Schokoladen – wer die Wahl hat, hat die Qual in den Gelaterias, die ab sofort wieder Schleckmäuler willkommen heissen.

Noch besser als ein Wochenende ist ein verlängertes Wochenende – wie wir es an Ostern feiern dürfen. Und statt stundenlanges Staustehen am Gotthard, sollte man Uri nicht durchfahren, sondern beim Erwachen seines Frühlings zusehen.

Fränzi Stalder, PR-Fachfrau, Schattdorf, äussert sich abwechselnd mit anderen Autorinnen und Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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