Eine Landbeiz, die nur Ravioli von gestern, Fischstäbli von vorgestern und Essiggurken im Glas serviert, ein grimmiger Beizer sowie drei Stammgäste auf der Suche nach ihrem Liebesglück. Das ist die Kulisse des Theaters Giswil, das für seine diesjährige Produktion die gewohnte Kulturhalle verlässt und seine Bühne passenderweise in das Restaurant Bahnhof verlegt. Die Komödie «Landeier» von Frederik Holtkamp beinhaltet viele heitere Momente, witzige Dialoge und jede Menge Lokalkolorit.
Regisseurin Bea Omlin hat sich hör- und sichtbar von lokalen Gegebenheiten, ländlichen Eigenheiten und typischen Dorfdynamiken inspirieren lassen. Diese vertraute Atmosphäre verleiht dem Stück eine besondere Authentizität und lässt das Publikum sofort andocken. Omlin gelingt es bei ihrem Regiedebüt, das Grossteiler «Chappälä Derfli», den Giswilerstock, das legendäre Down oder den allseits bekannten Pöstler Dave einzubauen, ohne dass die Begriffe gesucht wirken.
Die ewige Suche nach der Liebe
Im Zentrum der Geschichte stehen drei junge Dorfbewohner auf der hoffnungslosen Suche nach dem Glück in der Liebe. Levin Odermatt gibt Jens Gisler, dem Schafbauer, eine herrlich unbeholfene, schelmische Note, die das Publikum in jeder Szene zum Schmunzeln bringt. Stephan Hermes spielt Jan Huber als geerdeten Schweinezüchter, dessen trockener Humor treffsicher sitzt. Sonja Müller wiederum verleiht der Garagistin Ricarda Ming genau jene Mischung aus Warmherzigkeit und Schlagfertigkeit, die sie zum emotionalen Anker der Dorfgemeinschaft macht. Sie übernimmt schliesslich auch die Initiative, damit die drei Singles auf moderne Art und Weise jemanden kennenlernen können.
Für zusätzlichen Schwung im Dorfleben sorgen die weiteren Rollen: Markus Omlin spielt den eingangs erwähnten grimmigen Beizer Heini Brunner und punktet mit seiner kraftvollen Präsenz. Urs Kafader sorgt als Pöstler und Lebenskünstler Theo Meier für Bewegung in der kleinen Truppe. Doch erst als Lavina Keller, gespielt von Amelie Buser, die Dorfbeiz betritt und sichtbar Farbe in den tristen Alltag der Gemeinschaft bringt, kehrt die Hoffnung auf ein Happy End ins Dorf zurück.
Das Menü passt zum Theaterstück
Nicht minder überzeugend ist das kulinarische Konzept des Abends. Vor der Aufführung werden drei Gänge serviert. Kreative, lokal verwurzelte Gerichte mit augenzwinkernden Parallelen zum Theaterstück tragen originelle Namen wie «Stramme Richi» oder «Luftschutzkeller Notvorrat» und lassen die Gäste den gesamten Abend im Landeierfieber. Das Dessert, passend «Jens Landeier» genannt, wird dann in der Pause serviert, was die Theatererfahrung in ein rundum stimmiges Geniesserpaket verwandelt.
«Landeier» ist ein warmherziges, humorvolles Stück über Sehnsüchte, Dorfgemeinschaft und die Tücken der Liebe. Die Giswiler Inszenierung macht daraus einen Abend, der sowohl zum Lachen als auch zum Geniessen einlädt. Wer dieses Beizentheater besucht, wird mit Charme, Witz und einer unverwechselbar lokalen Note belohnt. Die Premiere am Freitagabend bewies einmal mehr, wie lebendig, publikumsnah und gleichzeitig qualitativ überzeugend Amateurtheater in Obwalden sein kann.
«Landeier» läuft bis am 10. April 2026 im Restaurant Bahnhof Giswil. Tickets unter www.theater-giswil.ch. Dieser Artikel stammt vom Theater Giswil.




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