Jeden Dienstag herrscht im Kloster Sursee konzentrierte Betriebsamkeit. Kisten werden hereingetragen, Brot wird sortiert, Gemüse gerüstet und portioniert. Am Nachmittag um 14.30 Uhr muss alles bereits bereitstehen. Dann warten draussen die ersten Kundinnen und Kunden, die mit ihren Kundenkarten bei der Tischlein-deck-dich-Abgabestelle in Sursee Lebensmittel beziehen.
Sie kommen nicht alle auf einmal. In Gruppen werden sie hereingelassen, damit die Ausgabe ruhig und geordnet abläuft. Ein freundliches Wort hier, ein kurzes Lachen dort. «Es kommen immer wieder dieselben Leute. Mit der Zeit baut man eine Art Beziehung zu ihnen auf», sagt Peter Muri, der die Abgabestelle seit zweieinhalb Jahren leitet. «Wir haben hier immer eine gute Stimmung, und die Arbeit macht uns viel Freude.»
36 freiwillige Helferinnen und Helfer
Seit zehn Jahren gibt es die Tischlein-deck-dich-Abgabestelle in Sursee, wie der Verein in einer Mitteilung schreibt. Woche für Woche werden hier Lebensmittel verteilt, die sonst vernichtet würden. In Sursee engagiert sich ein Team von 36 freiwilligen Helferinnen und Helfern dafür. «Dank meines grossen persönlichen Umfelds finde ich immer wieder Freiwillige für diese Arbeit. Die meisten sind pensioniert und machen das sehr gerne», sagt Muri. Zirka 12 Leute benötigt es jeweils am Dienstag, so sind die Freiwilligen im Team nicht jede Woche im Einsatz. Am Morgen werden laut Muri Lebensmittel bei Grossverteilern abgeholt, um 13 Uhr kommt der Tischlein-deck-dich-Lastwagen mit der Lieferung.
Insgesamt 168 Abgabestellen
Schweizweit leben gemäss Bundesamt für Statistik 8,1 Prozent der Bevölkerung in Armut, mehr als jede sechste Person gilt als armutsgefährdet. Gleichzeitig landet rund ein Drittel aller Lebensmittel im Abfall. Dies entspricht jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfälle, heisst es in einer Medienmitteilung. Die Organisation «Tischlein deck dich» schlägt eine Brücke zwischen diesen Missständen. Seit mehr als 26 Jahren rettet der Verein Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie an Bedürftige. Insgesamt gibt es aktuell 168 Tischlein-deck-dich-Abgabestellen.
Die geretteten und gespendeten Lebensmittel werden über sieben Logistikplattformen an die Abgabestellen verteilt. Die Kundinnen und Kunden erhalten die Lebensmittel einmal pro Woche während zirka einer Stunde für einen symbolischen Franken. Die Auswahl der verteilten Lebensmittel variiert von Woche zu Woche.
Wer an einer Tischlein-deck-dich-Abgabestelle Lebensmittel beziehen möchte, benötigt eine entsprechende Kundenkarte. Diese wird ausschliesslich von privaten oder öffentlichen Sozialfachstellen ausgestellt, welche die finanziellen Umstände der Betroffenen prüfen. Weitere Infos sind unter www.tischlein.ch zu finden.
In Sursee konnten seit der Eröffnung der Abgabestelle rund 330'000 Kilogramm Lebensmittel gerettet und verteilt werden. Ihr Wert beträgt über 1,9 Millionen Franken. Allein im letzten Jahr stellte das Team Lebensmittel für 9837 Personen bereit, insgesamt wurden 37'625 Kilogramm abgegeben. Die Unterstützten sind Familien, Alleinerziehende, Pensionierte, Working Poor oder Menschen, die Sozialhilfe oder eine IV-Rente beziehen. «Viele kommen aus Syrien und der Ukraine», sagt Muri.
Die Abgabestelle wird hauptsächlich vom Logistiklager in Baar beliefert, frisches Gemüse stammt unter anderem von der Justizvollzugsanstalt Wauwil. «Aber wir erhalten zum Beispiel auch Brot von der Bäckerei Schell, die unter der Woche das Brot, welches nicht verkauft wird, für uns einfriert», erklärt Muri. Die verteilte Ware sei von einwandfreier Qualität, betont er.
Das Angebot von «Tischlein deck dich» in Sursee sei sehr gefragt. 85 Kundenkarten für insgesamt rund 250 Personen sind für diese Abgabestelle im Umlauf. «Es kommen in der letzten Zeit häufiger Leute ohne Kundenkarte zu uns. Sie erhalten jene Ware, die am Schluss übrigbleibt.» Leider sei das aber nicht immer der Fall.


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