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Luzern

Studium ade: Luzerner Instagram-Star Chiara Castelli setzt nun alles auf die Karte Musik

Über die Onlinekanäle erreicht sie bereits ein Millionenpublikum, nun will die Luzernerin Chiara Castelli als Sängerin durchstarten.
Nach dem Studium in Barcelona nun wieder in Luzern: Sängerin Chiara Castelli.
(Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. Mai 2020))
(Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. Mai 2020))

Stephan Santschi

Stephan Santschi

Das Timing war perfekt. Chiara Castelli flog Anfang März aus Barcelona für einen Arzttermin in die Schweiz. Drei Tage später kam es zum Lockdown und eine solche Reise wäre nicht mehr möglich gewesen. «Glück gehabt! Ich bin froh, jetzt in Luzern zu sein. In Barcelona müsste ich noch immer zu Hause sitzen», erzählt die 21-jährige Stadtluzernerin. Die spanische Metropole ist vom Ausbruch des Coronavirus besonders hart getroffen worden, vor kurzem wurde der Lockdown mit strengen Ausgangsbeschränkungen bis zum 6. Juni verlängert.

Seit September 2018 studiert Castelli in Barcelona Musical Theatre am Institute of the Arts. Vor zwei Monaten kam sie in die Schweiz zurück, weil sie sich von einem Lungenspezialisten untersuchen lassen wollte. «Ich habe Asthma. In einer Theaterprobe war es sehr kalt, alle erkälteten sich. Ich bin mega krank geworden.» Kurz habe sie auch an eine Infektion mit Covid-19 gedacht. «Ich habe mich aber nicht damit angesteckt. Ich habe Respekt davor, doch keine Angst.» Laut Experten haben gut eingestellte Asthmatiker kein erhöhtes Risiko für Infekte und keine grundsätzliche Abwehrschwäche.

Bald kommt ihre zweite Single auf den Markt

Mittlerweile ist Chiara Castelli wieder gesund und voller Tatendrang. Im letzten Oktober veröffentlichte sie ihre erste Single «Sticky Situation», die in der Schweizer Hitparade auf Platz 87 landete:

Ihr Debüt wertet sie als «erfolgreich, klar möchte ich aber noch mehr erreichen». Im Juni oder Juli soll die zweite Single auf den Markt kommen, Ende Jahr die dritte, für 2021 ist das erste Album geplant. «Konkreter kann ich noch nicht werden», sagt sie, fügt aber mit einem Lächeln an: «Ich singe gerne über die Liebe, über ihre positiven und negativen Seiten. Das ist voll mein Stil.» Ihre erste Single handelte von der Beziehung zu ihrem Freund, die in die Brüche gegangen war.

Um mehr Zeit für ihre Karriere als Sängerin zu haben, beendet Castelli ihre Ausbildung in Spanien nun vorzeitig. Die letzten Prüfungen hat sie per Videocall gemacht. «Ich werde nur noch nach Barcelona zurückkehren, um meine Sachen zu holen. Dieser Entscheid fiel mir schwer, ich habe viele Tränen vergossen», gesteht sie. Das Musical-Studium und die Lancierung ihrer Karriere als Sängerin seien zwei 100-Prozent-Jobs, die sie nicht mehr unter einen Hut bringe. Gerüstet fühlt sie sich trotzdem. «Nach drei Jahren hätte ich den Bachelor erhalten, jetzt ist es ein Diplom. Laut dem Schulleiter muss ich mir deshalb keine Sorgen machen. Die wichtigen Skills habe ich mir aneignen können.»

Umzug nach Deutschland ist eine Option

Den Grund zur Eile erläutert Chiara Castelli mit dem hart umkämpften Musikgeschäft. «Ich wollte schon immer auf Musik setzen. Wenn ich das jetzt nicht tue, könnte es zu spät sein.» Die Luzernerin erwägt deshalb den Umzug nach Deutschland. «Der Markt ist recht gross und auch mein Label ist dort», sagt Castelli, die mit Warner Music kooperiert. Dank diesem Engagement und dem Instagram-Auftritt könne sie schon jetzt von der Musik leben.

Instagram ist dabei jene Plattform, über die sie mit ihren Pop-Coversongs von Interpreten wie James Arthur, Rita Ora oder Wincent Weiss schnell zu grosser Bekanntheit gelangte. «Ursprünglich lud ich meine Lieder ohne Hintergedanken rauf. Die vielen Klickzahlen kamen wie aus dem Nichts. Als ich feststellte, dass mein beliebtestes Video neun Millionen Mal angeschaut worden war, sagte ich nur: Oh mein Gott!»

Wie Bublé das Publikum zu Tränen rühren

Mittlerweile zählt Castelli auf Instagram mehr als 530'000 Abonnenten, auf Youtube 110'000 und auf Tiktok sind es sogar 1,6 Millionen Followers. «Ich sehe mich aber nicht als Influencerin. Ich bin einfach so, wie ich bin. Natürlich gebe ich nicht alles von mir preis, ich zeige aber auch, dass es mir nicht immer gut geht.» Neben Müsterchen ihrer schönen und kräftigen Stimme veröffentlicht sie auch Fotos und Videos aus dem Alltag.

Dass dies zuweilen auch auf Ablehnung stösst, damit musste sie umzugehen lernen. «Die Leute können mega böse sein.» 80 Prozent der Kommentare seien aber positiv.

Als Nächstes möchte sie von Instagram unabhängig werden, mehr eigene Lieder singen, Konzerte geben und auf Tour gehen. Kurz: «Ich will einfach Musik machen.» Inspirieren lässt sie sich von Interpreten wie Ariana Grande oder Michael Bublé. Den kanadischen Jazzsänger hat sie in Barcelona live an einem Konzert erlebt. «Wie er die Leute zu Tränen rührt, was er an Emotionen auslöst, das möchte ich auch. Ich will singen, den Leuten in die Augen schauen und sehen, dass es ihnen gut geht.»

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