Der Kanton Nidwalden hat sich in seinem Leitbild 2035 zum Ziel gesetzt, den Ausstoss von Treibhausgasen um mindestens 50 Prozent zu senken. Dies soll auch mittels Nutzung einheimischer Energiequellen erfolgen. «Wir wollen den nachhaltigen und effizienten Umgang mit Energie Schritt für Schritt ausbauen», wird der Nidwaldner Landwirtschafts- und Umweltdirektor Joe Christen in einer Medienmitteilung zitiert. In diesem Rahmen soll in naher Zukunft mit Bund, anderen Kantonen und Energiepartnern das Potenzial im geologischen Untergrund für die Gewinnung von Wärme und Strom näher abgeklärt werden.
Ein erster Schritt ist nun in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Obwalden erfolgt. Mit der Potenzialstudie zur Tiefengeothermie liegt für beide Kantone ein Grundlagenbericht vor, der vorhandene Daten zusammenführt, fachlich bewertet und daraus Ansätze zur weiteren Erforschung des Untergrunds ableitet, wie die beiden Kantone in einer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben.
10 Prozent des Bedarfs könnte gedeckt werden
Im Bericht wird das Nutzungspotenzial der verschiedenen Erdschichten detailliert beschrieben. Für jede werden Chancen, Risiken, Nutzungsart, Erkundungsziele und mögliche Bohrkosten angegeben. Heute sei die oberflächennahe Geothermie mit Erdwärmesonden bis zu einer Tiefe von 400 Metern ausgereift und kommerziell verfügbar. Hingegen befinde sich die Tiefengeothermie mit Bohrtiefen von 2000 bis 6000 Metern noch mehrheitlich im Forschungsstadium. Daher überrasche es nicht, dass in der Potenzialstudie ein stufenweises Vorgehen empfohlen wird: zuerst die rasch und weniger kostenintensiven, oberflächennahen Bereiche weiter erkunden und nutzen. «Wenn die Umsetzung erfolgreich und in der Bevölkerung die Akzeptanz dafür vorhanden ist, soll anschliessend sukzessive in tiefere Schichten vorgestossen werden», heisst es in der Medienmitteilung dazu.
Die Kantone Nidwalden und Obwalden werden als geothermisch attraktiv bewertet, in einer ersten Phase vor allem für die direkte Wärmenutzung in Tiefen bis 1000 Meter. So könnten dem Untergrund nach heutigen Erkenntnissen jährlich bis zu 100 Gigawattstunden (GWh) an Wärme entzogen werden, was einem Anteil von 10 Prozent am heutigen Bedarf an Raumwärme und Warmwasser der beiden Kantone entspricht.
Als erfolgversprechendes Gebiet werde die Schicht mit basalem Schotter auf der Allmend zwischen Buochs und Stans bezeichnet. Hier befindet sich eine rund 400 Meter tiefe Felsrinne, die vom Gletscher gebildet und mit Lockergesteinen aufgefüllt wurde. In den Schottern über dem Fels zirkuliere mit grosser Wahrscheinlichkeit Grundwasser, welches geothermisch zur Erzeugung und Speicherung von Wärme genutzt werden kann. Auch sogenannten Störzonen im Kalk der Helvetischen Decken, beispielsweise im Gebiet bei Kerns, wird gemäss Medienmitteilung ein beträchtliches Potenzial vorausgesagt.
Mit hohen Kosten und Risiken verbunden
«Die Studie verdeutlicht, dass durchaus Chancen bestehen, den Untergrund in unserer Region vermehrt für die Wärmegewinnung zu nutzen», wird Josef Hess, Vorsteher des Obwaldner Bau- und Raumentwicklungsdepartements, zitiert. Längerfristig seien auch Nutzungen ab einer Tiefe von 3000 Metern für die Stromproduktion denkbar, wobei diese aus heutiger Sicht mit hohen Kosten und Risiken verbunden seien. «Für konkrete Aussagen zum effektiven Potenzial müsste die Datengrundlage verdichtet werden», so Hess weiter.
Für entsprechende Sondierbohrungen und seismische Messungen für den Tiefenbereich bis 1000 Metern sei pro Standort mit Kosten zwischen rund 1,5 und 7 Millionen Franken zu rechnen. Bei der Standortwahl sei eine gute Anschlussmöglichkeit an ein Fernwärmenetz zu berücksichtigen. Zudem sei die Erkundung des Untergrunds so zu planen, dass neben der Geothermie auch andere Nutzungen wie die Wärme- und Kältespeicherung abgedeckt werden können.
In einem nächsten Schritt soll ausgelotet werden, wie gross das Interesse von potenziellen Abnehmern der geothermischen Wärme ist. Die vorliegende Studie, die hierfür eine solide Grundlage bietet, schlägt gemäss Medienmitteilung vor, eine Trägerschaft für diese Aufgabe zu bilden. (eca)
Die Studie zur Tiefengeothermie ist auf www.nw.ch/energiefachstelle unter «Publikationen» oder www.ow.ch/fachbereiche/1744 einsehbar.


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