Argumente dafür
16- und 17-Jährige wollen mitbestimmen. Viele von ihnen sind bereits politisch aktiv. Eine frühere Einbindung junger Menschen in die Politik ermöglicht ihnen mehr Mitbestimmung, stärkt ihr politisches Interesse und gibt ihnen die Chance, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.
16- und 17-Jährige sind fähig, sich ein fundiertes Urteil über eine Abstimmungsvorlage zu bilden. Die Entscheidungsfähigkeit von 16-Jährigen steht derjenigen von Volljährigen in nichts nach. Sie treffen bereits wichtige Entscheidungen, sei es in Bezug auf ihre Ausbildung oder auf ihre persönliche Lebensgestaltung. Es ist daher folgerichtig, ihnen auch ein politisches Mitbestimmungsrecht einzuräumen.
Wenn mehr Menschen mitbestimmen, sind politische Entscheidungen breiter abgestützt. Das stärkt die Demokratie.
Jugendliche sind von politischen Entscheidungen langfristig betroffen und sollten deshalb früher mitbestimmen können.
Junge Menschen bringen neue Perspektiven und frische Ideen ein, die unsere Gesellschaft voranbringen.
Wenn Jugendliche frühzeitig in politische Prozesse eingebunden werden, fördert dies den Austausch zwischen den Generationen, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und trägt zu ausgewogeneren Lösungen bei.
Argumente dagegen
Das Stimmrechtsalter soll mit dem Erreichen der zivilrechtlichen Volljährigkeit übereinstimmen, also mit dem Erwerb politischer Rechte und Pflichten verbunden sein.
Es soll weiterhin die einheitliche Altersgrenze von 18 Jahren für das aktive und das passive Stimm- und Wahlrecht gelten. Wer sich zu politischen Fragen äussert und wählt, soll volljährig und berechtigt sein, ein politisches Amt auszuüben.
Die Übereinstimmung des Stimm- und Wahlrechtsalters mit der zivilrechtlichen Volljährigkeit ab 18 Jahren ist höher zu gewichten als das Mitspracherecht von 16-Jährigen.
Es ist störend, wenn Menschen, die noch kaum Steuern zahlen, über Entscheidungen abstimmen können, die hohe Kosten verursachen.
Das Stimmrechtsalter 16 wurde vom Volk in mehreren Kantonen verworfen und ist auf nationaler Ebene zurzeit kein Thema.
Das Stimm- und Wahlrechtsalter sollte schweizweit auf allen politischen Ebenen gleich sein. Eine abweichende Lösung für den Kanton Luzern ist nicht sinnvoll.
Interessierte Jungbürgerinnen und Jungbürger haben bereits jetzt viele Möglichkeiten, sich in den Gemeinden, auf kantonaler oder nationaler Ebene politisch zu engagieren. Auch in der Familie, in der Schule, in der Lehre, in Vereinen, in Jungparteien oder im Jugendparlament können Jugendliche politisch aktiv werden, was wertvoll und wichtig ist.
Das hat der Kantonsrat entschieden
In der Schlussabstimmung lehnte der Luzerner Kantonsrat die Volksinitiative «Ja zum Stimmrechtsalter 16!» mit 63 gegen 48 Stimmen ab.
Abstimmungsempfehlungen der Parteien
Die Delegierten von SP, Grünen und Grünliberalen unterstützen die Initiative «Ja zum Stimmrechtsalter 16!» einstimmig. Die Mitte-Basis hat die Ja-Parole mit 116 Ja- zu 109 Nein-Stimmen beschlossen. Die FDP-Delegierten lehnen das Volksbegehren mit 141 zu 16 Stimmen klar ab, bei den Jungfreisinnigen fiel der Entscheid mit 12 Nein- zu 7 Ja-Stimmen knapper aus. Die SVP entscheidet erst am 30. Januar. Die Parteileitung empfiehlt ihrer Basis ein Nein.
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