Pro & Contra

Braucht es eine städtische Wohnraum-Stiftung?

Der Gegenvorschlag zur Initiative der Grünen («Aktive Bodenpolitik») soll dafür sorgen, dass in der Stadt Luzern 1100 preisgünstige Wohnungen entstehen. Am 14. Juni wird darüber abgestimmt.

Pro: Marco Müller (Grüne)

Grünen-Grossstadtrat Marco Müller.
Bild: Pius Amrein

In der Stadt Luzern geraten immer mehr Menschen unter Druck: Familien, die seit Monaten vergeblich eine grössere Wohnung suchen. Studierende, die sich das Leben in der Stadt kaum leisten können. Ältere Menschen, die ihr vertrautes Quartier verlassen müssen, weil sie keine bezahlbaren Alterswohnungen finden im Quartier. Der Gegenvorschlag setzt genau hier an – pragmatisch, wirksam und sozial verantwortungsvoll.

Er schafft mit der neuen Stiftung «Wohnen für alle» Hunderte bezahlbare Wohnungen, stärkt Genossenschaften mit zinslosen Darlehen und ermöglicht der Stadt, dort zu handeln, wo der Markt versagt. Das Ziel: 18 Prozent gemeinnütziger Wohnraum bis 2048 – ein realistischer, breit abgestützter Weg, um Luzern lebenswert zu halten.

Die Gegner warnen vor Kosten und behaupten, nur wenige würden profitieren. Doch das greift zu kurz. Investitionen in Wohnraum sind Investitionen in die Zukunft – sie zahlen sich langfristig aus, weil Immobilien an Wert gewinnen. Die Stadt Luzern hat jetzt Geld, sie soll es darum investieren in Liegenschaften. Es profitieren nicht wenige, sondern alle, die heute oder morgen bezahlbaren Wohnraum brauchen: Familien, Lernende, Seniorinnen, Menschen in Notsituationen. Genau jene Gruppen, die der private Markt systematisch vergisst.

Auch das Argument, die aktive Bodenpolitik schrecke Investoren ab, hält einer Realitätsschau nicht stand. Gemeinnütziger Wohnungsbau ergänzt den Markt – er ersetzt ihn nicht. Private Bauträger bleiben zentral, doch sie allein lösen die Wohnungsnot nicht. Die Stadt schafft mit dem Gegenvorschlag Planungssicherheit und entzieht dringend benötigten Boden der Spekulation. Das stabilisiert denMarkt,t statt ihn zu schwächen.

Ein Nein würde bedeuten: weiter steigende Mieten, längere Wartelisten, weniger Chancen für jene, die Luzern tragen und prägen. Ein Ja hingegen bedeutet: Luzern bleibt eine Stadt für alle – nicht nur für jene, die es sich leisten können.

Contra: Anna-Sophia Spieler (FDP)

FDP-Grossstadträtin Anna-Sophia Spieler.
Bild: zvg

Viele Menschen in Luzern spüren den Druck auf dem Wohnungsmarkt. Die Mieten steigen, Wohnungen sind knapp. Genau deshalb klingt der Gegenvorschlag zur «aktiven Bodenpolitik» zunächst sympathisch. Doch am Ende bezahlen fast alle – profitieren würden nur wenige.

Der Gegenvorschlag kostet die Stadt Luzern rund 330 Millionen Franken (Sonderkredit von 121 Millionen plus 207 Millionen für Liegenschaftskäufe sowie Sach- und Betriebsaufwände). Das entspricht rund 7630 Franken pro Haushalt. Dieses Geld fällt nicht einfach vom Himmel. Bezahlt wird es von der Bevölkerung – über höhere Steuern oder den Abbau von Leistungen.

Die Befürworter argumentieren, die Wohnungen blieben langfristig im Besitz der Bevölkerung. Trotzdem bleibt die Rechnung dieselbe: Der Mittelstand bezahlt Millionen, ohne jemals selbst profitieren zu können.

Denn die Wohnungen sind an Einkommens- und Vermögensgrenzen gebunden. Profitieren würden nur rund 2 Prozent der Bevölkerung. Die grosse Mehrheit bezahlt also die Rechnung, ohne selbst jemals eine städtische Wohnung zu erhalten.

Die Befürworter sprechen von «Wohnraum für alle». Tatsächlich entsteht aber ein System für wenige Privilegierte. Gleichzeitig entstehen Wartelisten. Wer einmal eine deutlich günstigere Wohnung erhält, gibt sie kaum mehr auf. Wohnungen werden seltener frei. Gerade junge Familien, Menschen mit durchschnittlichem Einkommen oder Personen, die neu nach Luzern ziehen, haben dadurch noch schlechtere Chancen auf eine preiswerte Wohnung.

Für alle anderen steigen die Mieten sogar weiter. Denn wenn Wohnungen künstlich verbilligt und dem normalen Wohnungsmarkt entzogen werden, bleibt für die grosse Mehrheit ein noch kleineres Angebot. Die Knappheit verschärft sich – und damit steigen auch die Preise.

Das eigentliche Problem bleibt ungelöst: In Luzern wird zu wenig gebaut. Genau das zeigt auch die Studie der HSLU und von Wüest Partner. Wenn zu wenig Wohnungen entstehen, bleiben die Preise hoch und steigen weiter.

Der Gegenvorschlag ist deshalb vor allem eines: teuer, unfair und wirkungslos.

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