Luzern soll in der Schweiz bei der Digitalisierung eine Führungsrolle einnehmen. Dieses Ziel hat der Stadtrat im Rahmen seiner Digitalstrategie ausgegeben. Zu diesem Zweck hat das Parlament 2019 und 2021 Kredite von je rund 14 Millionen Franken gesprochen . Unter anderem wurde die neue Dienstabteilung «Digital» aufgebaut.
Nun beantragt der Stadtrat einen weiteren Kredit von 4,76 Millionen Franken. Dies, um die «Building-Information-Modeling»-Methodik (BIM) bis 2029 einzuführen. Es handle sich dabei um ein «zentrales Handlungsfeld der Digitalisierung der Baubranche», wie der Stadtrat im Bericht und Antrag an das Stadtparlament schreibt.
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Mit BIM wird ein digitales Modell eines Bauwerks erstellt, durch zusätzliche Daten aus verschiedenen Quellen (Gebäudetechnik, Leitungen, Materialien etc.) angereichert und laufend aktualisiert. Das Modell diene als Grundlage zur Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen, und zwar während des gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks: Planung, Bau, Unterhalt, Sanierung, Um- oder Rückbau. BIM werde vom Bund sowie Städten wie Zürich, Winterthur oder Thun bereits angewandt. Die Stadt Luzern habe die Methodik bei der Planung des Ausbaus der Schulanlage Moosmatt getestet und positive Erfahrungen gemacht.
«Alle an einem Bauwerk beteiligten Parteien werden in Zukunft nach der BIM-Methode arbeiten», schreibt der Stadtrat. «Dies eröffnet grosse Chancen, die Effizienz, die Qualität und die Nachhaltigkeit der Bauwerke zu steigern.» So könnten während des Baubewilligungsverfahrens Prüfungen von Normen wie Abstandsregelungen, Höhenbegrenzungen etc. automatisch ablaufen. Weiter könnten Planungsfehler vermieden werden. Die Öffentlichkeit wiederum könnte beispielsweise erfahren, wie ein Bauwerk von der eigenen Wohnung aus aussehen wird. Im Unterhalt könnten die Daten etwa genutzt werden, um Ersatzteile ohne Besuch vor Ort zu identifizieren.
400 zusätzliche Stellenprozent geplant
Die Einführung von BIM ist jedoch mit grossem Aufwand verbunden. So soll für die Implementierungsphase von 2025 bis 2029 ein BIM-Kompetenzbereich im städtischen Geoinformationszentrum aufgebaut werden. Zu diesem Zweck will der Stadtrat neue, auf fünf Jahre befristete Stellen im Umfang von 400 Prozent schaffen.
Vorgesehen ist etwa, technische Standards für BIM festzulegen und danach schrittweise neue Bauwerke (zum Beispiel Gebäude, Strassen oder Leitungen) und Umbauten in der ganzen Stadt mit der BIM-Methodik zu bearbeiten, wie Baudirektorin Korintha Bärtsch (Grüne) ausführt. «Ausserdem handelt sich um einen Change-Prozess.» In mehreren städtischen Abteilungen müssten die Angestellten mit BIM vertraut gemacht und Schulungen durchgeführt werden. Nach der Implementierungsphase soll dann kein zusätzliches Personal mehr nötig sein.
Wie viel Geld mit BIM gespart werden kann, könne man noch nicht beziffern. «Es wird Effizienzgewinne geben, weil viel präziseres Arbeiten möglich ist – nicht nur während der Planungs- und Bauphase, sondern auch bei der Bewirtschaftung», sagt Bärtsch.
In der Baubranche sei BIM schon relativ verbreitet. So haben Private letztes Jahr eine Petition lanciert, mit der sie vom Regierungsrat die Einführung der Methodik fordern. «Es wird jedoch bis zu einem gewissen Zeitpunkt nötig sein, bei der Bearbeitung der Baugesuche zweigleisig zu fahren und auch das bisherige Verfahren anzubieten», sagt Bärtsch. Für kleine Projekte von Laien werde man eine pragmatische Vorgehensweise finden.



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