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Luzern

Stadtrat ehrt mit dem Judith-Stamm-Platz die 2022 verstorbene alt Nationalrätin

Der Platz zwischen dem Hotel Radisson und dem HSLU-Neubau auf dem Rösslimatt-Areal wird Judith-Stamm-Platz heissen – zu Ehren der im Alter von 88 Jahren verstorbenen Luzerner alt Nationalrätin. 
Die 2002 verstorbene alt Nationalratspräsidentin wurde von der Stadt Luzern mit dem Judith-Stamm-Platz geehrt.
Bild: Bild: Keystone

Früher war’s ein etwas heruntergekommener Unort, aktuell ist es eine Baustelle, künftig das Tor zum neuen Stadtteil auf der Rösslimatt. Hier, am Ende des Frohburgstegs zwischen dem Hotel Radisson und dem Neubau der Hochschule Luzern, entsteht der Judith-Stamm-Platz. Diese Zeitung hatte bereits im November letzten Jahres über den Namen berichtet, jetzt hat der Luzerner Stadtrat definitiv entschieden. Damit ehrt die Stadt Luzern laut einer Mitteilung vom Montag die 2022 im Alter von 88 Jahren verstorbene Luzerner alt Nationalratspräsidentin.

Am Ende des Frohburgstegs beim Rösslimatt-Neubau entsteht der Judith-Stamm-Platz.
Bild: Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 26. 2. 2024)

Die Einweihung des Judith-Stamm-Platzes soll zusammen mit jener der ebenfalls neuen Walter-von-Moos-Promenade 2025 vorgenommen werden – anlässlich der Inbetriebnahme des neuen HSLU-Gebäudes.

Wichtige Wegbereiterin für die Frauen

Judith Stamm wurde in Schaffhausen geboren und wuchs in Zürich auf. Später war sie die erste Luzerner Kriminalbeamtin. Nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Luzern 1970 wurde die damals 37-Jährige als eine der ersten Frauen in den Grossen Rat – heute Kantonsrat – gewählt. Sie vertrat dort von 1971 bis 1984 die CVP (die heutige Mitte). Von 1983 bis 1999 sass sie im Nationalrat und reichte 1986 eine Motion für die Durchsetzung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung ein. Zwei Jahre später wurde aufgrund dieser Motion das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann ins Leben gerufen.

Nicht nur in politischer Hinsicht habe Judith Stamm viel geleistet und sei eine wichtige Wegbereiterin für die Frauen gewesen, sondern sie habe sich auch für Luzern und gerade für die Schwächeren in unserer Gesellschaft eingesetzt, schreibt der Stadtrat. Dabei vertrat sie auch brisante Themen – etwa die Fristenlösung als strafrechtliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs. Bereits 2002 wurde Judith Stamm für ihre Verdienste von der Stadt Luzern mit der Ehrennadel ausgezeichnet.

Strassen in der Nähe sind bereits nach Frauen benannt

Mit der Benennung des neuen Platzes nach Judith Stamm befindet sich dieser in bester Gesellschaft, auch geografisch gesehen: Mehrere Strassen im benachbarten Tribschenquartier tragen bereits Namen von weiblichen Persönlichkeiten. So die Anna-Neumann-Gasse, benannt nach der ersten Luzerner Ärztin (1868-1946); die Cécile-Lauber-Gasse, die den Namen der Luzerner Schriftstellerin (1887-1981) trägt und die Johanna-Hodel-Gasse, eine Hommage an die Luzerner Politikerin (1910-1993).

Erst seit wenigen Jahrzehnten kommen bei der Benennung neuer Strassen überhaupt Frauen zum Zug. Neben städtischen Vorgaben sind unter anderem Empfehlungen des Bundesamtes für Statistik massgebend. Darin heisst es, Frauen seien aufgrund der früheren männlichen Dominanz bei der Benennung «in besonderer Weise in Betracht zu ziehen». Weitere Kriterien sind unter anderem: ein Bezug zum Ort, die Geschichte des Areals, zudem sollten diese Personen bereits verstorben sein. Generell berücksichtige die Stadt verdienstvolle Frauen und Männer, die für Luzern gesellschaftlich oder wirtschaftlich viel geleistet haben. (zim/hor)

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