638. Schlachtfeier Sempach

Stadtluzerner «Kriegsschar» zieht in friedlicher Mission nach Sempach

An der Schlachtfeier Sempach hat die Stadtluzerner «Zunft zu Safran» einen wichtigen Part. Unsere Zeitung begleitete den Tross. Am offiziellen Anlass war Bundesrat Albert Rösti der Ehrengast.
Am Sonntag mit der Zunft zu Safran unterwegs, am Dienstag wird er zum Kantonsratspräsidenten gewählt: Ferdinand Zehnder.
Bild: Bild: Andréas Härry

«Grosse Schlachten starten frühmorgens. Schlachtfeiern noch früher. Um 06.00 Uhr geht’s im Dachgeschoss des alten Luzerner Rathauses emsig-militärisch zu und her. Hier lagert die 600 Jahre alte Zunft zu Safran ihren historischen Fundus an Kleidern und Waffen. «Diese Tasche geht nicht», sagt Martin Dudle, «Zeugherr des Äussern» und verantwortlich für die Organisation des Auftritts der Zunft an der Sempacher Schlachtfeier. «Privates hat hier nichts zu suchen.» Der Angesprochene maulte leise, fügte sich aber sofort. Das historische Tenü der 180 Partizipierenden, Kriegern, Ratsherren, Marketenderinnen, hat akkurat einheitlich daherzukommen.»

Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach mit Regierungsrat Fabian Peter und Bundesrat Albert Rösti (l.), der die Festrede hielt.
Bild: Bild: Dominik Wunderli (Sempach, 16.06.2024)

Die bewaffnete Luzerner «Kriegsschar», die seit 1868 die Schlachtfeier besucht, versammelte sich auf der Rathaustreppe fürs Gruppenfoto, zwei asiatische Touristen mit Rollkoffern trauten ihren Augen nicht. Nach zackigem Marsch durch die Altstadt und Carfahrt nach Sempach wurde am See das «Morgenbrot» eingenommen, 2024 unter der Bezeichnung Frühstück bekannt. Die historische Kriegergruppe Sempach gesellte sich dazu, ebenfalls urtümlich militärisch gewandet. Regierungspräsident Fabian Peter kam auf Stippvisite, betonte seine Zuneigung zur Zunft zu Safran, mit der er stimmungsvolle Stunden verbrachte, unter anderem am letzten «Schmudo».

Die Tapferkeit von Winkelried

Dann folgte der erste Höhepunkt des Tages: der Einzug der Gruppen ins historische Städtchen zur Kirche St. Stefan. Der Tambourenverein, die Zunft, die Krieger, Schulklassen mit den Luzerner Gemeindefahnen, die Harmonie Sempach, weitere Kriegerharste. In den Zug reihten sich die politischen Gäste ein. Der gesamte Luzerner Regierungsrat, die Stadtobrigkeiten von Sempach, Vertreter aus dem Gastkanton Aargau. Als Ehrengast war Bundesrat Albert Rösti anwesend, der die Festrede in der Kirche hielt. Er dankte für die Kalauer-Begrüssung durch Pfarreileiter Franz Zemp («Heute gab's Morgenbrot – für einmal mit Rösti») und schlug dann ernste Töne an. «Freiheit ist kein Mythos», proklamierte er in Anlehnung an die Legenden rund um Winkelried.

Er empfahl im Umgang mit der EU oder Gerichtsurteilen aus Luxemburg, sich an die Tapferkeit des Kriegshelden zu erinnern. Rösti pries die Einzigartigkeit unseres Landes, das sich «von unten nach oben organisiert», direkte Demokratie sei Dank. «Wir sind die Antithese zum Obrigkeitsstaat», sagte der Bundesrat. Regierungspräsident Fabian Peter schlug in seiner Rede eine Tour d’Horizon durch aktuelle, globale Probleme. Wachstum der politischen Pole, Ukraine, Fake News. Er pries Demut und Dankbarkeit für das, was unser Land – auch dank der Historie der Schlacht von Sempach – in seiner Geschichte erreicht hat.

Politiker mischen sich unters Volk

Während der Feier in der Kirche zog der Zug der Zunft zu Safran zum Winkelried-Gedenkstein auf dem einstigen Schlachtfeld. Dort schlug Zunftmeister Daniel G. Widmer in seiner Rede pointierte, politische Töne an. Es wurde gebetet und gesungen auf der historischen Wiese, bevor es wieder ins Städtchen ging. Dort wurde der Bevölkerungsapéro serviert – wohl auch eine Schweizer Einzigartigkeit. Politikerinnen und Politiker höchster Chargen mischen sich unters zahlreiche Volk, stehen für Selfies zur Verfügung, plaudern in alle Richtungen. Nur zwei Männer mit «Kabeln in den Ohren» in lockerer Distanz zum Bundesrat outeten sich als Sicherheitspersonal. Auch in solchen Momenten darf man auf dieses Land stolz sein.

Der Ausklang der diesjährigen Schlachtfeier fand am Sonntag für die Zunft zu Safran an den lauschigen Gestaden des Baldeggersees statt, im Restaurant der Badi, wo das «Zunftmeister-Picknick» serviert wurde. Der Namensgeber schüttelte Hände, freute sich über die grosse Zunftschar. «Ich bin einer der wenigen hier, die alle Namen der Anwesenden kennen», lachte Daniel G. Widmer. Nach der Rückfahrt in die Stadt Luzern und vielen Fotos von Touristen auf den Schwanenplatz folgte als letzter Akt der militärische Zug durch die Altstadt – zurück an den Ausgangspunkt. Die Marschdisziplin variierte etwas zum Morgen. Jede grosse Schlacht hinterlässt ihre Spuren.

Festlicher Umzug durch Sempach.
Bild: Bild: zvg/Claudia Lötscher
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