In der Stadt Luzern steigen die Mietzinse überdurchschnittlich stark. 2023 kostete eine in der Stadt Luzern ausgeschriebene 3-Zimmer-Wohnung im Schnitt 1720 Franken pro Monat. Bis 2025 stieg dieser Wert auf 2010 Franken. Das entspricht einer Erhöhung von 16 Prozent, während der Landesdurchschnitt bei 10 Prozent liegt. Dies ist einer Studie zu entnehmen, die die Hochschule Luzern mit der Wüest Partner AG im Auftrag des Stadtrats erstellt hat.
Die Kernfrage der Studie war, ob die Steuersenkungen der letzten Jahre zu einer Erhöhung der Mietzinse geführt haben. 2022 lag der Stadtluzerner Steuerfuss noch bei 1,75 Einheiten, inzwischen sind es deren 1,45. Die Studie kommt nun zum Schluss, dass kein direkter Zusammenhang zwischen den Steuersenkungen und den gestiegenen Mietpreisen besteht. Vielmehr sei die Entwicklung auf die Wohnungsknappheit zurückzuführen.
Tritt der Steuersenkungseffekt später ein?
Um den Effekt der Steuersenkungen einzuschätzen, wurde die Entwicklung der Mieten mit jener in zahlreichen ähnlichen Gemeinden verglichen, in denen die Steuern nicht oder nur im geringen Masse gesenkt worden sind. Das Resultat kommt für die Studienautorenschaft nicht überraschend. Die Steuersenkungen sind erst ab 2023 umgesetzt worden und die Datenqualität erlaube es nur, Preisentwicklungen bis und mit 2024 zu beobachten. Da der Immobilienmarkt «träge» reagiere, «dürfte es sich lohnen», zu einem späteren Zeitpunkt nochmals eine Untersuchung durchzuführen, wie es in der Studie heisst.
Zur Wohnungsknappheit hält die Studie fest, dass in Luzern der Wohnungsbestand unterdurchschnittlich stark gewachsen ist: um 5,3 Prozent seit 2015. Das ist weniger als in vergleichbaren Städten wie Basel (8 Prozent) und St. Gallen (7 Prozent). Zu den Nachbargemeinden Horw (21 Prozent) und Meggen (15 Prozent) ist die Differenz nochmals deutlich grösser. Entlastung könnte eine «beschleunigte Innenentwicklung, Nachverdichtung» und die Realisierung von Bauten auf Landreserven bringen. Als Ursache für das schwache Wachstum in Luzern nennt die Studie die seit Jahren laufende, immer noch nicht abgeschlossene Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO). Das schaffe «Investitionsunsicherheit».
Es braucht Wohnraum aller Art
Die Studie empfiehlt, dass «zeitnah» neuer Wohnraum realisiert wird, wie es darin heisst. Zudem sollen finanziell «überbelastete Haushalte flankierend geschützt werden». Die von der Stadt angestrebte Erhöhung des Anteils gemeinnütziger Wohnungen sei «wichtig». Das alleine reiche aber nicht. Es brauche auch mehr Bautätigkeit seitens «privater Anbieter und Unternehmen, um den städtischen Bestand für vielfältige Ansprüche weiterzuentwickeln».
Der Stadtrat hat die Studie aufgrund eines vom Stadtparlament überwiesenen Postulats von Grünen und SP in Auftrag gegeben. Die Linken äussern darin die Befürchtung, dass es wegen der Steuersenkungen zu einer «Zugerisierung» kommt und sich künftig nur noch Wohlhabende eine Wohnung in Luzern leisten können.
Unterschiedliche politische Reaktionen
Die Studie wird je nach politischer Gesinnung unterschiedlich aufgenommen. Die SP kritisiert in einer Mitteilung, dass die Rolle von renditeorientierten Vermietern, «die bei jeder Neuvermietung die Preise maximal ausreizen», nicht zur Sprache kommt. «Um den Boden dem Renditedruck zu entziehen, braucht es ein kommunales Vorkaufsrecht.» Ein solches wird am Donnerstag im Rahmen mehrerer Wohnraum-Vorlagen im Grossen Stadtrat behandelt.
Für den Hauseigentümerverband (HEV) hingegen ist die städtische Wohnpolitik gescheitert, wie er mitteilt. «Mietzinstreiber sind Vorschriften und Auflagen.» Es müssten Regulierungen abgebaut werden, um mehr Wohnraum zu ermöglichen. Der HEV fordert, dass der Grosse Stadtrat die Wohnraum-Vorlagen versenkt. Diese beinhalten Wohnraum-Initiativen von SP und Grünen sowie Gegenvorschläge des Stadtrats. Vorgesehen ist, vereinfacht gesagt, die Förderung von gemeinnützigem Wohnraum. Die Mitte wiederum fordert in einer Mitteilung, «die Planungs- und Bewilligungsprozesse spürbar zu beschleunigen und Investitionssicherheit zu schaffen».



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