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Obwalden

Stadt Bern zeichnet Karl Imfeld für seine Grabkunst aus

An Allerheiligen prämiert die Stadt Bern ein vom Lungerer Bildhauer Karl Imfeld gestaltetes Grabmal.
Der Lungerer Bildhauer Karl Imfeld mit einer seiner Skulpturen vor seinem Atelier.  (Marion Wannemacher (Lungern, 27. Oktober 2021) )
Das von Karl Imfeld gestaltete Grabmal wird von der Stadt Bern an Allerheiligen ausgezeichnet.
(Bild PD)

Marion Wannemacher

Marion Wannemacher

Die gute Nachricht flatterte Karl Imfeld per Post ins Haus. Die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bern informierte den Lungerer Bildhauer, dass eine von ihm gestaltete Grabskulptur an Allerheiligen ausgezeichnet wird. «Einmal im Jahr besichtigt die Grabmalkommission Berner Friedhöfe, um Grabsteine, die aussergewöhnlich und künstlerisch wertvoll sind, zu prämieren», heisst es in dem Schreiben.

Bei der von Karl Imfeld gestalteten Skulptur handelt es sich um ein Grabmal in Eichenholz und Jurakalkstein. «Der Lebensbericht, den die Angehörigen über ihre Mutter verfasst hatten, hat mich sehr betroffen gemacht», berichtet Imfeld. Die Verstorbene hatte ihren Mann früh verloren und zog ihre drei Kinder allein gross. «Wenn ich mir vorstelle, wie eine Mutter sich und ihre Familie mit Putzen und Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt, dahinter steht ein schweres Schicksal», betont er.

Skulptur steht für die Dankbarkeit der Kinder für ihre Mutter

Die Skulptur, die der Lungerer Künstler geschaffen hat, steht für die Dankbarkeit der Drei. Sie symbolisiert die harmonische Form einer vierzackigen Krone, die wie ein Blütenkelch nach oben offen ist. So stehen drei Zacken für die Kinder, eine weitere für die Mutter. Gemeinsam ergeben sie eine Kreuzform wie auch die Anordnung von Geburts- und Todesjahr auf dem Grabmal. Dies entspricht ihrer Einstellung zum christlichen Glauben.

Nicht nur die Reaktion der Grabmalkommission auf das Werk sei begeistert ausgefallen, auch die der drei Kinder, erzählt Karl Imfeld. Die Gestaltung von Grabmalen macht lediglich zehn Prozent seiner gesamten Aufträge aus. Der Hauptteil entfällt je zur Hälfte auf seine von ihm designten und gefertigten Möbel sowie auf Skulpturen.

Grabmalkunst ist rückläufig

«Nach wie vor laufen die Aufträge für Grabskulpturen bei mir konstant», sagt der 68-Jährige. Dies sei aber nicht selbstverständlich. In der Branche sei die Lage besorgniserregend, schätzt er ein. «Schwierig ist es vor allem für diejenigen meiner Kollegen, die von der Gestaltung der Grabmale leben müssen. Im besten Fall bleiben ihnen noch die Gravur von Schriften am Gemeinschaftsgrab.» Aufgrund des Wunsches nach Anonymisierung wollten viele heute kein individuelles Grab mehr. Oder die Urne werde gar nicht beigesetzt, sondern die Asche verstreut. So müssten sich die Angehörigen nicht mehr mit dem Grab beschäftigen. «Ein eigenes Grabmal bedeute Grabpflege. Es ist ein Ort der Stille und der Trauerarbeit. Es ist vielleicht schon wichtig, dass man weiss, der Angehörige ist dort für mindestens zehn Jahre», findet Imfeld.

Heute kann man Bildhauer im Sarneraatal an einer Hand abzählen. Als Karl Imfeld seine Lehre im Atelier der Holzbildhauer Josef und Lukas Gasser absolvierte, waren es noch bis zu zehn. Das Geschäft mit Grabmalen war eine Selbstverständlichkeit.

Imfeld setzte auf Kunst am Bau

Von Anfang an machte sich Imfeld einen Namen mit Kunst am Bau, zunächst in der Region, später auch in Deutschland. So gestaltete er in Kerns einen Brunnen vor dem Gemeindehaus, die Friedhofshalle in Lungern, Brunnen und Skulptur des Aussenplatzes der Obwaldner Kantonalbank in Giswil oder unter anderem eine 20 Meter grosse Brunnenanlage im Innenhof eines Frankfurter Spitals. Diverse Ausstellungen in der Region trugen ebenfalls zu seinem Bekanntheitsgrad bei.

Die Arbeit geht nicht aus. Gerade lieferte er individuell designte Möbel in Nussbaumholz und Möbel seines patentierten Systems Imfeld Cubi an Kunden. Eine ästhetisch geformte Liege in Nussbaum- und Arvenholz steht auf dem Arbeitsplan der nächsten Wochen. «Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich mit meiner künstlerischen Tätigkeit meine Familie versorgen konnte», sagt er. Heute sind die drei Töchter und zwei Söhne erwachsen. Wann geht eigentlich ein Künstler in Pension? Karl Imfeld lacht: «Wenn er stirbt.»

Über seinem Schaffen steht das Motto: «Das Einfache ist das Schwierige.» Karl Imfeld erklärt: «Das Einfache führt einen zur Wurzel: Woher komme ich, wohin gehe ich? Das hat mich immer beschäftigt.»

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