Romantischer könnte ein Ort nicht sein, um über die gemeinsame Liebesgeschichte zu erzählen. Wir sitzen an einem goldigen Oktobertag unter einer Esche in einem Garten direkt am Sarnersee, die Sonne scheint Marie-Theres Christen und Marcel Läubli warm ins Gesicht. Während des gesamten Gesprächs halten beide Händchen. Bald sind beide schon seit sechs Monaten zusammen.
Kennengelernt haben sich die beiden beim Speed-Dating von Pro Senectute. «Ich habe jedem Dating-Partner die Hand geschüttelt», erzählt sie, «denn am Händedruck kann man schon viel erkennen.» Die 64-Jährige kann sich noch genau erinnern, wie er zu ihr sagte: «Ich bin der Marcel und ich habe am 5. Mai Geburtstag.» «Was? Ich auch», sei es aus ihr herausgeplatzt, das Eis war gebrochen.
Nach dem Abend schlug die aufgestellte Engelbergerin in der Runde vor, doch noch gemeinsam was trinken zu gehen. Tatsächlich fand sich eine Gruppe zusammen, die sich auch noch zu einem Tanzanlass Wochen später verabredete. Dieter, der Kollege, der Läubli kräftig hatte schubsen müssen, bis dieser sich zum Speed-Dating anmeldete, signalisierte in ihrer beider Richtung: «Da hat's ja wohl schon gefunkt.» Dabei wollten sich beide nichts anmerken lassen.
Nachdem aber Marie-Theres zweimal ablehnte, als Marcel sie zum Auto begleiten wollte, dachte er sich: «Das ist dann ja wohl gelaufen.» Als Wochen später von Pro Senectute vier Matches als Resultat des Speed-Datings bei ihm eintrafen, konnte er sich nur noch daran erinnern, wie sie aussah. Andere Dates kamen nicht für ihn infrage. An einem Montagnachmittag verabredeten sie sich bei ihm in Sarnen.
Am Samstag darauf war der Tanzanlass. Dass dann Kollege Dieter beim Apéro nicht dabei sein konnte, fanden beide so gar nicht schade. Der ehemalige Koch verwöhnte seine Dating-Partnerin mit Salbei-Müsli, einem Bierteiggebäck aus dem würzigen Kraut. Danach ging’s zum Essen und dann zum Tanzen.
Und obwohl er schon sechs Jahre lang aufgrund mehrerer Operationen an den Beinen nicht mehr getanzt hatte, war das Pärli an diesem Abend nicht mehr vom Parkett zu kriegen. Eine anschliessende Verabredung zum Skifahren zeigte beiden endgültig, dass sie zusammengehörten. «Wir haben nicht mehr überlegen müssen, es war einfach schön miteinander», sagt Marie-Theres Christen.
Als der Mann starb, brach eine Welt zusammen
Dabei war für sie vor neun Jahren eine Welt zusammengebrochen. Damals hatte sie nach 35-jähriger Ehe ihren Mann durch einen tragischen Unfalltod verloren. «Ich konnte mir nicht vorstellen, ohne Mann zu sein, aber auch nicht mit einem anderen.» Eine Partnerschaft mit einem anderen Mann scheiterte. Ihre drei Kinder und sieben Grosskinder akzeptieren ihren Wunsch nach einem Partner. «Wenns Mami glücklich ist, ist es doch gut für uns Kinder», habe ihr der Mittlere versichert.
Der gebürtige Sarner war sein Leben lang nicht verheiratet, sondern lebte in Beziehungen, die letzte liegt aber schon lange zurück. Auch wenn beide pensioniert sind, führen sie ein sehr aktives Leben. Der 67-Jährige hat vor sechs Jahren sein Haus umgebaut und kümmert sich um sein Geschäft mit mehreren Ferienwohnungen. In seiner Freizeit baut er an seinem Segelboot in Thun, ist gern an und auf dem Wasser und in seinem grossen Garten, der an den Sarnersee anstösst. Die ehemalige Postangestellte engagiert sich in mehreren Engelberger Vereinen, fährt Ski mit Freunden und hütet donnerstags und freitags Grosskinder.
Beide sind lebenserfahrene, praktische Menschen. Das Lebensmotto von Marie-Theres lautet: «Chunnt scho guät», das von Marcel «vorab nä». «Es ist ja gut bei uns», findet sie und kuschelt sich an ihn.
Auf jeden Fall würden beide die Teilnahme am Speed-Dating von Pro Senectute unbedingt empfehlen. Das nächste Speed-Dating, ein in Partnerschaft mit dem kantonalen Aktionsprogramm Alter unter dem Label «Obwaldä isch zwäg» unterstützter Anlass, ist bereits in den Startlöchern. «Wirklich alle sind damals mit einer positiven Haltung gekommen», erinnert sich Marcel gern. Was dann passiere, sei halt eine ganz andere Sache. «Es muss einfach funken, sonst funktioniert’s nicht.»
Das nächste Speed-Dating findet am Mittwoch, 28. Oktober, in Sarnen von 16 bis 19.30 Uhr statt. Allerdings gibt es nur noch zwei Plätze für Männer, für Frauen gibt es eine Warteliste. Anmeldung unter Pro Senectute Obwalden und Nidwalden.





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