
Am Mittwochabend ist in der Schweiz eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Zwischen 19 und 21 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne. Gegen 20.15 Uhr sind rund 90 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt. Wer das Spektakel von einem erhöhten Standort aus verfolgt, hat besonders gute Sicht – die Augen schützen muss man aber in jedem Fall.
Warum ist es gefährlich, direkt in die Sonne zu schauen?
Auch wenn der Mond einen grossen Teil der Sonne verdeckt, bleibt die Strahlung gefährlich. Wer ohne Schutz direkt in die Sonne blickt, kann in Sekundenschnelle die Netzhaut dauerhaft schädigen. Die Folgen können von unscharfem oder verzerrtem Sehen und Gesichtsfeldausfällen bis zu bleibenden Sehschäden und sogar Blindheit reichen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnt deshalb ausdrücklich davor, die Sonnenfinsternis mit blossem Auge zu beobachten.
Noch gefährlicher ist der Blick durch ungeschützte optische Geräte wie Ferngläser oder Teleskope. Sie bündeln das Sonnenlicht und können innert kürzester Zeit schwerste Augenschäden verursachen. Deshalb sind spezielle Filter anzubringen. Auch die Sternwarte Luzern mahnt zur Vorsicht. Mediensprecher Piero Indelicato sagt: «Es darf auf keinen Fall zu einer Augenschädigung kommen. Wer direkt in die Sonne schauen will, braucht eine zertifizierte Schutzbrille.»
Warum reicht eine normale Sonnenbrille nicht?
Eine handelsübliche Sonnenbrille ist für den Alltag und nicht für den direkten Blick in die Sonne gedacht. Sie lässt laut BAG noch immer zu viel Licht durch und bietet keinen ausreichenden Schutz. Das gilt auch für besonders dunkle Sonnenbrillen, mehrere übereinander getragene Brillen oder improvisierte Lösungen. Sie können ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. «Keine Basteleien oder Experimente. Es muss ein Schutz sein, der dafür ausgelegt und geprüft ist», sagt Indelicato.

Woran erkennt man eine sichere Sonnenfinsternisbrille?
Das BAG empfiehlt Brillen, die gemäss der Norm ISO 12312-2:2015 zertifiziert sind und ein CE-Zeichen tragen. Diese filtern nicht nur das grelle sichtbare Sonnenlicht, sondern blocken auch die gefährlichen ultravioletten- und Infrarot-Strahlen der Sonne nahezu vollständig. Vor dem Gebrauch sollte man die Brille kontrollieren: Ist die Filterfolie zerkratzt, eingerissen oder beschädigt, darf sie nicht verwendet werden. Besondere Vorsicht gilt bei Kindern.
Wo bekommt man im Kanton Luzern noch eine Schutzbrille?
Das dürfte schwierig werden. Mehrere von dieser Zeitung angefragte Optikergeschäfte im Kanton Luzern geben an, dass ihre Sonnenfinsternisbrillen ausverkauft sind. Bei Fielmann und Visilab in der Stadt heisst es, seit vergangener Woche seien keine Brillen mehr erhältlich. Auch bei Park Optik in Sursee ist die Nachfrage gross: Am Montagmorgen seien ein Dutzend Anrufe alleine deswegen eingegangen. Auch bei der Sternwarte Luzern und beim Verkehrshaus sind die Spezialbrillen ausverkauft.
Nachschub ist kaum mehr erhältlich. Mehrere Geschäfte berichten, dass auch ihre Lieferanten ausverkauft seien oder neue Ware erst nach der Sonnenfinsternis eintreffe. Bei Online-Angeboten ist Vorsicht geboten: Die Brille sollte der vorgeschriebenen Norm entsprechen und unbeschädigt sein.
Was tun, wenn man keine Spezialbrille mehr bekommt?
Ohne geeignete Schutzbrille sollte man auf keinen Fall in die Sonne schauen. Wer jetzt leer ausgeht, bekommt am 2. August 2027 die nächste Gelegenheit: Dann werden bei uns rund 54 Prozent der Sonne bedeckt sein. Zudem findet das Ereignis vor dem Mittag statt, wenn die Sonne hoch am Himmel steht. Indelicatos Rat: «Eine Sonnenfinsternis kommt nicht überraschend. Am besten kauft man die Brille im Winter und bewahrt sie sorgfältig auf.»
Taugt eine Sonnenfinsternisbrille auch als normale Sonnenbrille?
Nein. Die Filter sind so stark, dass man durch die Brille ausser der Sonne praktisch nichts sieht. Als Ersatz für eine normale Sonnenbrille etwa beim Autofahren darf sie nicht verwendet werden.



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