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Kolumne «Stadtwärts»

So nicht, Frau Holle!

Innig hat sich unser Autor weisse Weihnachten gewünscht. Sein Flehen wurde erhört – doch nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte.
Ein trauriges Bild: Matsch statt Schnee.
Bild: Archivbild: Susann Basler

Ich kann es kaum glauben: Mein Flehen wurde erhört. Dieses Jahr gab es doch tatsächlich weisse Weihnachten, wie ich sie in meiner Kolumne Anfang Dezember herbeigewünscht hatte. Als am Abend des 22. Dezembers fleissig die Flocken fielen, sass ich gerade mit Freunden im Restaurant. Auf dem Heimweg durch die Stadt Luzern befand ich mich in Hochstimmung. Diese verflog allerdings schnell, als ich die Bushaltestelle bei der Kantonalbank erreichte. Dort sah ich statt des Schnees vor allem eines: Matsch.

Ich spürte ihn auch, diesen Matsch. An den Füssen. Bitterkalt. Denn trotz meines innigen Wunsches hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass es an jenem Abend wirklich schneien könnte. Daher trug ich ungünstigerweise nur Turnschuhe, die schneller mit Wasser vollgesogen waren, als man «Erkältung» sagen kann.

Als der Bus hielt, stakste ich derart ungelenk und langsam durch den Schneematsch, dass das Fahrzeug bereits davon gebraust war, als ich es erreichte. Zum Glück kam nur einige Minuten später der nächste Bus. Zudem blieb mir eine Erkältung erspart, sodass ich den Anblick des Schnees – aus gebührendem Abstand – an Weihnachten vorzüglich geniessen konnte.

«So nicht, Frau Holle!», wollte ich ursprünglich ausrufen. Aber natürlich liegt die Schuld bei mir. Wer sich schon zu einem Wunsch versteigt, sollte sich auch gebührend auf die Erfüllung desselben vorbereiten.

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