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Luzern

So bereiten sich Luzerner Betriebe auf die Öffnung vor – das dürfen Sie als Kunde erwarten

Wie rüsten sich Kleidergeschäfte, Wirte, Schulhausabwarte oder Sportclubs für das Teilende des Lockdowns vom Montag? Wir haben Geschäftsinhaber und Angestellte bei ihren Vorbereitungsarbeiten begleitet. Gemeinsam ist allen: Sie freuen sich auf die schrittweise Rückkehr in die Normalität, auch wenn diese mit vielen Unwägbarkeiten behaftet ist.
Geschäftsleitungsmitglied Bettina Schoch-Bachmann im Kofler Modehaus an der Pilatusstrasse 3. (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern 7. Mai 2020)
TC-Lido-Präsident Urs Kamber (rechts) bei den Vorbereitungsarbeiten für die Wiedereröffnung des Tennisclubs am 11. Mai. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 11. Mai 2020))
TC-Lido-Präsident Urs Kamber desinfiziert sich die Hände.  (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 11. Mai 2020))
Die letzten Vorbereitungen laufen: Georg und Julia Wieser hoffen im Gasthof zum Roten Löw en auf Gäste.
(Bild: Eveline Beerkircher (Hildisrieden, 7. Mai 2020))
(Bild: Eveline Beerkircher (Hildisrieden, 7. Mai 2020))
(Bild: Livia Fischer)

Roman Hodel, Hugo Bischof, Livia Fischer, Roseline Troxler

Roman Hodel, Hugo Bischof, Livia Fischer, Roseline Troxler

Roman Hodel, Hugo Bischof, Livia Fischer, Roseline Troxler

Roman Hodel, Hugo Bischof, Livia Fischer, Roseline Troxler

Roman Hodel, Hugo Bischof, Livia Fischer, Roseline Troxler

Roman Hodel, Hugo Bischof, Livia Fischer, Roseline Troxler

Kofler-Chefin: «2 Meter Abstand zu wahren, wird die grösste Herausforderung für uns»

Eine Verkäuferin nach der anderen trudelt am Donnerstagmorgen im Kofler Modehaus an der Pilatusstrasse 3 in Luzern ein. «Hoi, schön, dich endlich wieder mal zu sehen!», sagt eine zur anderen. Diese erwidert: «Säg nüt – aber pass auf, wir müssen den Abstand wahren.» Ja, diese zwei Meter zwischen den Angestellten, beispielsweise an der Kasse. «Das wird wohl die grösste Herausforderung für uns», sagt Bettina Schoch-Bachmann, Mitglied der Kofler-Geschäftsleitung.

Nach acht Wochen Lockdown sind viele der Mitarbeiterinnen erstmals wieder an ihrem Arbeitsplatz. Immerhin: Rund drei Viertel der Kleider in den Regalen dürften ihnen noch bekannt vorkommen – es ist die Frühlingskollektion, die wegen der Schliessung grösstenteils liegen geblieben ist. Der Rest des Sortiments ist neu und wird gerade von flinken Händen eingeräumt. «Uns ist wichtig, dass sich die Mitarbeiterinnen vor der Wiedereröffnung am Montag mit der neuen Ware befassen können», sagt Schoch. Es ist die Kollektion für den Hochsommer, welche die Kundinnen «sehnlichst» erwarten würden.

Daneben sollen sich die Angestellten aber auch an das neue Schutzkonzept gewöhnen. Dazu gehören Masken, Desinfektionsmittel und Handschuhe, die Kofler auch den Kundinnen auf einem Tisch beim Eingang zur Verfügung stellt. Die Benützung ist freiwillig. Nur in einer Situation ist das Maskentragen laut Schoch Pflicht:

«Wenn wir bei der Kundin am Kleidungsstück etwas abstecken zwecks Abändern, müssen Kundin und Mitarbeiterin eine Maske tragen.»

Ebenfalls neu ist die Beschränkung der Anzahl Personen im Laden. Eine Person pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche ist erlaubt. Bei 1000 Quadratmetern wie hier in der Kofler-Filiale Pilatusstrasse bedeutet dies also 100. Das ist mehr als genug, wie die Reaktion von Schoch erahnen lässt. Sie sagt: «Es wäre schön, wenn wir 80 bis 90 Kundinnen gleichzeitig im Laden bedienen dürften, abzüglich der Angestellten.»

Generell sei diese Beschränkung in allen Kofler-Filialen problemlos umsetzbar – mit einer Ausnahme: Im Bahnhof Luzern sei die Frequenz zu hoch. «Deshalb werden wir dort nur noch einen der beiden Eingänge offen halten und diesen kontrollieren müssen», sagt Schoch.

Kundinnen-Beratung via Facetime

Doch Solches ist letztlich harmlos im Vergleich zu dem, was das traditionsreichen Luzerner Modeunternehmens in den letzten acht Wochen hat erleben müssen wegen der behördlich verordneten Schliessung. Auch wenn die Krise durchaus gute, völlig neue Erfahrungen hervorgebracht habe – etwa bezüglich Lieferservice nach Hause. «Unser Kundinnenjournal war ausgerechnet einen Tag vor dem Lockdown zum Versenden bereit», sagt sie. «Wir hielten es dann bewusst zehn Tage zurück, weil die Leute zu diesem Zeitpunkt natürlich andere Sorgen hatten als neue Kleider.» Nach dem Verschicken seien sie dafür bald förmlich überrannt worden mit Bestellungen. «Wir haben unsere Kundinnen teils via Facetime beraten, dies war cool und werden wir auch in Zukunft weiterhin anbieten», sagt Schoch. Überhaupt zeige die Coronakrise, wie wichtig eine grosse Stammkundschaft ist. Sie sagt:

«Fachgeschäfte erleben wieder mehr Wertschätzung, das ist schön.»

Ein Trend, der gerade recht kommt. Denn Kofler eröffnet am nächsten Dienstag auch noch ein neues Geschäft. Die Rede ist von «Next by Kofler» an der Töpferstrasse 8 in Luzern. Ein Laden, der bisher am Grendel präsent war und dort einem Uhrengeschäft weicht (wir berichteten). Weil die Fläche am neuen Ort nur noch halb so gross ist, wird das Sortiment «optimiert», wie Schoch es sagt. «Wir starten mit Kollektionen von fünf Marken für die modisch interessierte Frau» – und mit improvisierten Mobiliar. Coronabedingt treffen die definitiven Möbel erst im Juni ein.

Doch zunächst gilt ihr Augenmerk dem Montag: «Wir freuen uns riesig.» Allerdings: Kalt werden soll’s – und viel regnen. So ziemlich das Gegenteil von Sommerstimmung. Bettina Schoch sagt schmunzelnd:

«Auch das noch!»

Tennisclub Luzern Lido – die gelben Filzbälle werden wieder fliegen

Seinem Gegner auf der anderen Seite des Netzes wieder mal einen Smash um die Ohren hauen oder einen Service punktgenau ins Eck platzieren: Passionierte Tennisspieler mussten lange auf diese Glücksmomente warten. Ab kommendem Montag ist es wieder so weit. Dann dürfen die Tennisanlagen wieder geöffnet werden. Auch auf den zehn Plätzen des Tennisclubs Luzern Lido werden die gelben Filzbälle dann wieder fliegen.

Die Corona-bedingten Hygiene- und Distanz-Vorschriften des Bundes müssen dabei aber strikt eingehalten werden. Und diese sind anspruchsvoll. Das weiss TC Luzern Lido-Präsident Urs Kamber. Er hat ein mit dem Vorstand detailliertes Schutzkonzept erarbeitet, das in diesen Tagen allen Clubmitgliedern zugesandt worden ist, hier beim Aufstellen von Plakaten:

Garderoben, Duschen und Clubhaus bleiben geschlossen. Türen und Tore innerhalb der Anlage werden offengelassen, um Berührungen zu minimieren. Maximal eine Person pro 10 Quadratmeter darf sich auf der Tennisanlage befinden, der Abstand von 2 Metern muss stets gewährleistet sein. Auf den traditionellen «Shake-Hand» wird verzichtet. Es dürfen keine Gegenstände ausgetauscht werden. Jeder und jede nimmt eigene Bälle mit.

Um eine Ansteckungsgefahr auszuschliessen, empfiehlt Swiss Tennis, für jedes Spiel neue Bälle zu verwenden. «Eine Möglichkeit kann sein, dass jeder Spieler seine eigenen markierten Bälle hat», heisst es dazu im Schutzkonzept. «Der Kontakt fremder Bälle mit der Hand kann dadurch ausgeschlossen werden.» Aufgeschlagen werden soll zudem nur mit eigenen Bällen: «Fremde Bälle können mit dem Fuss oder dem Schläger zum Mitspieler gespielt werden.»

«Ganz wichtig ist das Contact-Tracing zur Nachverfolgung allfälliger Ansteckungsketten», betont Kamber. «Es ist deshalb strikte verboten, die Plätze ohne namentliche elektronische Platzreservation zu bespielen.» Gäste und Passivmitglieder sind nicht spielberechtigt. Auch Tennistrainermüssen ihre Kunden jederzeit nachverfolgen können.

Das sind happige Auflagen. Immerhin: Tennis kann wieder gespielt werden - im Gegensatz zu anderen, mehr körperbetonten Sportarten wie etwa Fussball. Die meisten Fussballclubs unserer Region verzichten aufgrund der hohen Auflagen vorerst auf den Start des Trainingsbetriebs (siehe Link am Ende des Textes).

Was ist mit dem Doppelspiel? Swiss Tennis empfiehlt, vorwiegend Einzel zu spielen, «da es im Doppel schwierig ist, konsequent den benötigten Abstand einzuhalten». Doppel werden im TC Lido aber erlaubt sein. Kamber: «Wir gehen davon aus, dass sich die Annäherungen in Grenzen und die Mitglieder den Abstand einhalten halten werden.» Zudem handle es sich nicht um eine zwingende Vorgabe von Swiss Tennis.

«Nun ist die Eigenverantwortung unserer Mitglieder gefragt», sagt Kamber. «Ich bin überzeugt, dass sie Verständnis für die strengen Auflagen haben werden.» Damit steht einem geregelten «Game, Set and Match» im Lido ab kommendem Montag nichts mehr im Weg.

Gasthof zum Roten Löwen in Hildisrieden «Es ist ein Licht am Ende des Tunnels»

Noch ist es etwas kühl im Gasthof zum Roten Löwen. Julia Wieser, welche das Restaurant mit ihrem Mann Georg führt, entschuldigt sich: «Wir haben die Heizung erst wieder hochgefahren. Bis am Montag ist es dann angenehm.» Die Freude über die Wiedereröffnung ist beim Wirtepaar spürbar. «Die Ankündigung des Bundesrats war für uns ein Licht am Ende des Tunnels, wenn sie auch aus heiterem Himmel kam», so Georg Wieser.

In den letzten Tagen gab es für das Wirtepaar zig Sachen zu organisieren. Dazu gehörte auch die Umsetzung des mehrseitigen Schutzkonzeptes. «Dieses wurde zeitknapp kommuniziert», findet Georg Wieser. Wer nun die Gaststube des «Roten Löwen» betritt, sieht die Plexiglas-Trennwände auf den ersten Blick kaum. Julia Wieser putzt diese gerade:

Diese ermöglichen es, dass zwischen den Tischen kein Abstand von zwei Metern nötig ist. «Wir wollen den Charakter der Gaststube erhalten», betont Georg Wieser. Zunächst hat das Wirtepaar beim örtlichen Schreiner die Trennwände in Auftrag gegeben. Doch das Plexiglas war erst im Herbst lieferbar. Durch Beziehungen wurden sie doch noch früher fündig. Der «Löwen» bietet mit den Schutzauflagen Platz für rund 100 Personen. «Vor Corona waren es etwa dreimal mehr.» Georg Wieser hofft auf schönes Wetter, denn er will auch die grosszügige Terrasse nutzen.

Absagen bis Ende Jahr schmerzen das Wirtepaar

Die letzten Wochen waren für das Wirtepaar emotional. «Nie hätten wir damit gerechnet, dass unser Restaurant fast zwei Monate geschlossen bleibt.» Der Lockdown traf sie «aus heiterem Himmel». Statt Gäste zu bewirten, haben sie dann zunächst Wände gestrichen und Inventar in Stand gesetzt. Von Saisonstellen seien sie es gewohnt, den Betrieb langsam runterzufahren. «Beim Lockdown war das komplett anders.» Der «Löwen» lebt zu einem grossen Teil von Vereinsanlässen, Tanzveranstaltungen oder Feiern im Saal. «Wir haben Absagen bis Ende Jahr. Das schmerzt», sagt Julia Wieser. Der Betrieb stehe aber auf gesunden Beinen. Das sei bei vielen Berufskollegen anders. Der Wirt rechnet damit, dass rund ein Fünftel aller Restaurants für immer schliessen muss.

Für das Wirtepaar war sofort klar, dass es schon am Montag öffnet, wenn auch mit leicht reduzierter Karte und weiteren Anpassungen: «Das Chateaubriand werden wir nicht mehr vor dem Gast tranchieren.» Nun blicken sie gespannt auf den Montag. «Einige Reservationen haben wir schon.» Doch die Unsicherheit sei gross. Gibt es schon Gäste? Wie reagieren sie auf die Auflagen? «Wir müssen nun Erfahrungen sammeln. Wir sind Gastgeber und keine Polizisten, nehmen aber die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Gäste sehr ernst.» Trotz allem gewinnt das Paar der Situation auch etwas Positives ab. Es hat die gemeinsame Zeit geschätzt, und Julia Wieser meint: «Vielleicht sehen die Leute das Gastgewerbe nun mit anderen Augen und erkennen auch unsere Bedeutung für die Gesellschaft.»

Schulöffnung in Sursee: Hauswarte müssen jetzt besonders viel Flexibilität zeigen

Sekundarschule Georgette in Sursee, wenige Tage vor der Wiedereröffnung. Bei der Eingangstüre steht eine Sprühflasche mit Desinfektionsmittel. Sie ist an einer Schnur befestigt – «damit sie niemand klaut», erklärt Hauswart Ivan Fischer. Ebenfalls im Blickfeld: das Plakat mit den BAG-Regeln. Im Foyer stehen Dutzende weitere Sprühflaschen, Desinfektionskanister und Kartons mit Gesichtsmasken für die Lehrer rum. Bis Montag wird alles abgefüllt und in den Klassenzimmern verteilt sein.

Fischer blickt auf emotionale Wochen zurück. Seit 18 Jahren ist er Hauswart im Georgette; eine Situation, wie wir sie jetzt erleben, sei aber auch ihm fremd. Während die Schüler von zu Hause aus büffelten und die Lehrer hauptsächlich im Homeoffice arbeiteten, war Fischer wie gewohnt vor Ort. Einige Wochen lang begleitete ihn ein Lehrling, manchmal traf er sich mit seinem Reinigungsangestellten oder den Hauswartskollegen von den Sekundarschulhäusern nebenan zum «Znünikafi». Und wenn gar niemand da war, hörte er bei der Arbeit Radio, um sich nicht so allein zu fühlen. «Ich bin froh, konnte ich arbeiten. Aber das war schon sehr speziell, fast schon surreal», betont Fischer immer wieder.

Rund 150 Liter Desinfektionsmittel

Langweilig wurde ihm nie. «Wenn man will, findet man auch in einem verlassenen Gebäude immer etwas zu tun.» Er zog Grundreinigungsarbeiten vor, «schmierte» alle Türschlösser. Auch das übliche Arbeitsgeschäft – Müll leeren, WC-Anlagen reinigen, sich um die Grünfläche draussen kümmern – sei nicht stehen geblieben. Ende April hat er dann die Bestellungen für die Vorbereitungen auf Montag gemacht. Nicht nur fürs Georgette, sondern für alle Schulliegenschaften Sursees. «Anfangs war ich angespannt, hoffte, dass ich genügend Material bekomme.» Das hat er; nebst rund 150 Liter Desinfektionsmittel und mehreren hundert Sprühflaschen standen auch grosse Mengen an Flüssigseife und Handpapier auf der Liste. Früher hätten die Schüler das Händewaschen nicht so streng genommen, schon vor der Schulschliessung stellte der 48-Jährige aber fest: «Dadurch, dass alle angehalten waren, sich vor und nach jeder Unterrichtsstunde die Hände zu waschen, wurde viel mehr Material verbraucht.» Wie hoch die Mehrkosten sind, werde sich in den kommenden Monaten zeigen.

Am Donnerstag kamen dann die Plexiglasscheiben für die Essensausgabe beim Mittagstisch an. Auf Wunsch von Lehrpersonen brachte Fischer die Schutzwände auch in vereinzelten Klassenzimmern an, genauso wie Bodenmarkierungen. «Ich tue mein Bestes, damit sich alle sicher fühlen. Aber ich kann nicht Verantwortung dafür übernehmen, falls sich doch jemand mit dem Coronavirus ansteckt.»

Eine hundertprozentige Schutzgarantie gibt es nicht

Zwar wird Fischer zweimal täglich alle Tür- und Fenstergriffe desinfizieren und jeden Tag – statt wie gewöhnlich zwei bis dreimal die Woche – die Abfalleimer leeren, aber ein Restrisiko bleibt. Umso wichtiger sei es, dass auch die Schüler und Lehrer regelmässig die Pultoberflächen oder nach der Turnstunde die benutzten Geräte desinfizieren. «Wir müssen alle gemeinsam durch die Krise gehen, ‹Gärtchendenken› ist fehl am Platz.»

Während er alles erklärt, wirkt er ruhig. Er ist vorbereitet, scheint die Situation, so gut es geht, im Griff zu haben. Die Unsicherheit bereitet aber auch ihm Bauchweh. «Wir alle wissen nicht, wie lange es geht und welche Veränderungen und neuen Vorgaben noch auf uns zukommen.» Von ihm – genauso wie von allen anderen Hauswarten – werde jetzt besonders viel Flexibilität erwartet. Und Hilfsbereitschaft. «Aber das ist immer der Anspruch an uns, sonst wären wir definitiv im falschen Beruf», sagt er.

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