Die dunkelgrüne Elektrolokomotive Be 6/8 II 13254, besser bekannt als «Krokodil», hat nach mehr als 40 Jahren das Verkehrshaus verlassen. Das ikonische Relikt der Schweizer Bahngeschichte war seit 1982 im Verkehrshaus Luzern ausgestellt gewesen und wird bald auf den Schienen, darunter der Gotthard-Bergstrecke, zu bewundern sein.
Das «Krokodil» wurde zwischen 1919 und 1922 gebaut, um die steilen und kurvenreichen Abschnitte der Gotthardstrecke zu bewältigen. «Das ‹Krokodil› war ein Publikumsmagnet», sagt Beatrice Rüttimann, Leiterin Unternehmenskommunikation des Verkehrshauses. Denn die historische Elektrolokomotive symbolisiere die Ingenieurskunst des frühen 20. Jahrhunderts und die Elektrifizierung der Gotthardbahn.
Die Schienenhalle des Verkehrshauses wird umgestellt
«Wir freuen uns, dass diese Lokomotive wieder fahrbereit gemacht wird und zukünftig wieder Menschen auf eine Zeitreise in die Schweizer Bahngeschichte mitnimmt», sagt Rüttimann. Der freigewordene Platz in der Schienenhalle werde nun genutzt, um mit der Ausstellung «Bahnerlebnis Schweiz» neue Höhepunkte zu setzen. Ab dem 18. Juni seien historische Fahrzeuge wie die SBB-Lok Re 4/4 «Swiss Express», der Speisewagen von 1967 sowie die «Köfferli-Lok» von 1918, ein Vorläufer und Prototyp des «Krokodils», im Verkehrshaus ausgestellt.
Das «Krokodil» wird derzeit in den Werkstätten der SBB Historic umfassend restauriert. «Eine Lokomotive wie das ‹Krokodil› erfordert höchste Präzision», sagt Mario Werren, Geschäftsleiter der Stiftung Historisches Erbe der SBB. Neben technischen Überholungen müssten historische Details originalgetreu aufgearbeitet werden. Die Restaurierung nehme mehrere Monate in Anspruch und werde vollständig durch Mittel der Stiftung finanziert. Wie hoch die Kosten schlussendlich sein werden, sei bisher noch nicht klar.
Nach Abschluss der Arbeiten wird das «Krokodil» laut Werren auf seiner alten Heimatstrecke, der Gotthardlinie sowie auf anderen Strecken in der Schweiz fahren. Wie jedes Jahr werden mehrere öffentliche Fahrten pro Jahr geplant. «Die Kombination aus historischer Technik und der beeindruckenden Kulisse der Gotthardstrecke macht diese Fahrten besonders», so Werren. Deshalb sei die Rückkehr auf die Schiene eines zusätzlichen «Krokodils» eine Möglichkeit mehr, die Schweizer Bahngeschichte zu erleben. Bisher waren drei weitere Exemplare der Be 6/8 II für die SBB Historic im Einsatz, nun werden es bald vier sein.
Restaurierung des «Krokodils» ist nicht das einzige Projekt
Doch das Engagement der SBB Historic endet nicht beim «Krokodil». «Die Stiftung plant, für das Jubiläum ‹125 Jahre SBB› im Jahr 2027 einen epochengerechten Zug aus den 1930er-Jahren wieder betriebsfähig zu machen», verrät Werren. Diese Flotte umfasse Personenwagen der 1., 2. und 3. Klasse, einen Salonwagen, einen Speisewagen und Gepäckwagen. «Die Restaurierung des «Krokodils» ist mit sehr hohen Kosten verbunden», erklärt der Geschäftsleiter. Analog des heute bei SBB Historic eingesetzten Trans Europa Express sei die Stiftung auch bei dieser Renovation auf Gönner angewiesen.
Das «Krokodil» bleibt ein Zugpferd für die Vermittlung von Bahngeschichte. Es verbindet technische Meisterleistungen mit der historischen Bedeutung des Schienenverkehrs in der Schweiz. Werren fasst es so zusammen: «Mit Projekten wie dem ‹Krokodil› und dem 1930er-Jahre-Zug schaffen wir einzigartige Erlebnisse für alle Generationen und bewahren gleichzeitig ein wertvolles Erbe.» Deshalb können Bahnfans die über 100-jährige Lokomotive schon bald «wieder in Fahrt» auf Publikumsfahrten bestaunen.
SBB Historic verfügt über eine Sammlung von rund 240 historischen Lokomotiven. Mit der Rückkehr der markanten dunkelgrünen Elektrolokomotive werden künftig 40 dieser technischen Denkmäler wieder auf den Schweizer Schienen zu erleben sein. «Mit dem ‹Krokodil› als Zugpferd bleibt die Schweizer Bahngeschichte in Bewegung – auf den Schienen und in den Herzen der Menschen», sagt Werren.


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