«Schön ?!.» Unter diesem Thema lancierte die Albert Koechlin Stiftung (AKS) ihr Kulturprojekt 2025. Insgesamt sind 21 Produktionen aus der Innerschweiz mit dabei. Dazu zählt auch das Crossover-Projekt «Augenweiden. Zwischen
Delf Bucher, Historiker und Journalist vom Verein UntergRundgang, welcher bereits Stadtführungen durch das Quartier konzipiert hat, war zunächst skeptisch. Doch dann begeisterte er sich schnell für das gemeinsame Projekt mit dem Kunstduo Martin Solèr und Roswitha Lüthi, welches der Ästhetik im vermeintlich Hässlichen auf die Spur kommen wollte. «Damit wollten wir auch unsere eigenen Grenzen sprengen», sagt Bucher.
Geteilte Lebensgeschichten
Um zu erfahren, was für die im Quartier lebenden Menschen Schönheit ausmacht, fanden drei offene Treffen statt – die «Salons Schön?!.» im Atelier auf der Reussinsel, im Sentitreff und in der Colonia Libera sowie an der St. Karli Chilbi.
Vor allem Lüthi war zudem auch aktiv im Quartier unterwegs, machte die Angetroffenen auf der Strasse, in Läden oder bei Aktionen wie dem Clean-up Day auf das Projekt und die Treffen aufmerksam. «Dabei haben mir viele ganz spontan beeindruckende Lebensgeschichten erzählt», erläutert sie.
«Bei den ‹Salons Schön?!.› hat sich herausgestellt, dass bei der Gegenüberstellung von Bildern von früher und heute zumeist das Alte als schöner empfunden wird», erzählt Solèr. «Doch was als schön empfunden wird, ändert sich auch je nach Zeitgeist, das ist etwa beim Innenhof im Sentihof der Fall», ergänzt Bucher. Und Lüthi sagt: «Viele waren der Ansicht, den Reiz, die Schönheit des Quartiers mache vor allem die Solidarität und die Gemeinschaft aus – ansonsten gebe es viel Beton und viel Verkehr.» Und was die einen als schön wahrnehmen, stört die anderen, etwa Graffiti.
Fundstücke werden neu in Szene gesetzt
Die Bevölkerung konnte auch Gegenstände, die sie schön finden oder einmal schön gefunden haben, abgeben. Insgesamt waren rund 100 Personen in das Projekt involviert. Als Vermittler war Urs Häner eine sehr wichtige Person. Häner engagiert sich seit Jahrzehnten in Projekten für das Quartier , unter anderem im Sentitreff und als Co-Präsident der BaBeL-Quartierentwicklung. «Er war unsere Brücke zu den Menschen», sagt Lüthi. Denn weder das Kunstduo noch der Historiker wohnen selber dort.
Aus den Treffen und Gesprächen im Quartier, den gesammelten Gegenständen und Recherchearbeiten in Archiven gehen gleich mehrere Produktionen hervor: eine kinetische Installation, ein neuer Quartierrundgang sowie eine gemeinsame Publikation dazu.
Die Installation, die sich bewegt, besteht aus unzähligen abgegebenen oder gefundenen Gegenständen. So stammt der Antriebsmotor beispielsweise aus einem alten Golfcaddy, der sich drehende Fischschwarm aus einem alten Kindermobile, und es leuchtet eine Baltensweiler-Lampe. Die Installation wird nach der Vernissage in der Eingangshalle der PH Luzern Sentimatt ausgestellt. «Mit der Installation zolle ich auch der Geschichte des Gewerbes im Quartier Respekt», sagt Solèr als gelernter Mechaniker.
Die Publikation enthält nebst den Fundstücken auch historische Aufnahmen und die Geschichten besonderer Orte und der damit verbundenen Menschen. So ist etwa das heutige Restaurant Crazy
Cactus – ehemals «Isebähnli» – zu finden. Ebenfalls zum Thema werden die Talstation der Gütschbahn sowie Graffiti. Das alles ist auch auf dem neu angebotenen Rundgang «Augenweiden» zu sehen.
«Augenweiden»: Vernissage Installation & Publikation am 9. April (Reussinsel 59), Premiere Quartierrundgang 12. April; www.solerluethi.ch und www.untergrundgang.ch Die Publikation (25 Franken) ist in den Buchhandlungen Hirschmatt und BUK erhältlich.


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