Zug

Schlangen als Haustiere: Wertvolle Studienobjekte oder ein unnötiges Hobby?

Am 16. Juli ist Weltschlangentag. Unser Autor und unsere Autorin über die Frage, ob Schlangen als Haustiere gehalten werden sollen. Was denken Sie? Beteiligen Sie sich an unserer Umfrage!
Fabian Gubser. (Bild: Stefan Kaiser)
Vanessa Varisco. (Bild: Werner Schelbert)

Fabian Gubser und Vanessa Varisco

Fabian Gubser und Vanessa Varisco

Sie räkeln sich elegant, präsentieren malerische Muster auf ihren Schuppen und beherrschen äusserst komplexe Jagdtechniken. Schlangen faszinieren den Menschen seit Jahrtausenden: Sei es als böse Schlange in der Bibel oder als Schlangenstab des griechischen Gottes der Heilkunde (Asklepios). Kein Wunder, gibt es Menschen, die Schlangen als Haustiere wollen.

«Aber die gehören doch in die Natur», wird meine Kollegin Varisco einwenden. Finde ich auch. Allerdings haben sie dort immer weniger Platz: Alle Schlangenarten der Schweiz stehen auf der sogenannten Roten Liste, sind also bedroht. Die Hauptsache dafür: Die Zerstörung ihrer Lebensräume durch den Menschen. Wir sind für die Schlangen um ein Vielfaches tödlicher als umgekehrt.

Wer also genügend Platz zu Hause hat für die Haltung von Schlangen: wieso nicht! Die Haltung sollte artgerecht sein. Die Art bitteschön einheimisch – also keine importiere Würgeschlange vom anderen Ende der Welt, um die Bekanntschaft zu schocken.

Ich glaube, dass eine reflektierte Haltung von Tieren – auch Schlangen – ermöglicht, diese faszinierenden Wesen besser zu verstehen. Zum Beispiel ihre Bedeutung für das Ökosystem. Dafür nötig ist Kontakt mit den Lebewesen, sei es in der Natur, oder eben sowohl im Zoo als auch zu Hause.

Schlangen sind Wildtiere. Und damit hat sich die Diskussion eigentlich schon erledigt. Sie gehören nicht in Käfige zu Hause oder in den Zoo – genauso wenig wie Kanarienvögel, Salzwasserfische, Schildkröten oder Leguane. Fertig, weil es wilde Tiere sind. Sie gehören in die Natur, denn sie sind nicht domestiziert wie Hund und Katze.

Von schlecht informierten Mitmenschen wird gerne das Argument geführt, die Tiere würden so immerhin geschützt. Das ist Quatsch. Viele Tiere wie Schlangen sind für Wilderer vor allem eins: ein gutes Geschäft. Denn so kommen die Tiere nämlich häufig ins Terrarium; durch illegale Jagd werden sie ihrem Lebensraum entrissen. Auf dem Transport ins Zielland sterben viele elendig. Man erinnere sich an das Drama der erfrorenen Exoten, die in die Masoala Halle geflogen werden sollten – und das war noch nicht einmal eine illegale Aktion.

Schutz der Biodiversität durch das Halten von Schlangen zu Hause? Wer's glaubt. Sorge tragen zum Lebensraum der Tiere, Palmöl aus der Ernährung streichen, Vorsicht beim Holzkauf: So zollt man den faszinierenden Tieren Respekt. Sicher aber nicht, indem man zu seiner eigenen Belustigung ein Tier hinter einer Glasscheibe angafft.

Kommentare (0)